Lechfall und Klamm bei Füssen

Blick in die Lechklamm Bild vergrössern Blick in die Lechklamm

Das Geotop Lechfall bei Füssen erschließt ein im bayerischen Alpenraum einmaliges Naturdenkmal. Eindrucksvoll stürzen sich die aus den Alpen gespeisten Wassermassen des Lechs über fünf Stufen zwölf Meter in die Tiefe. Unterhalb des Wasserfalls verengt sich der Flusslauf und tritt in die Lechschlucht ein, die der Lech im Laufe von Jahrtausenden in den Fels gegraben hat.
Die Lechschlucht ist die einzige im gesamten bayerischen Alpenraum, durch die ein größerer Alpenfluss noch frei und von Menschenhand ungehindert fließen kann.

Anfahrt - So finden Sie den Lechfall bei Füssen

Von Füssen kommend auf die B17 Richtung österreichische Grenze. Etwa 700 Meter vor der Grenze gibt es auf der rechten Straßenseite Parkmöglichkeiten.
Von dort aus ist der Wasserfall bereits sichtbar.

Das Geotop ist ein Naturdenkmal. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Wie und wann entstand der Lechfall?

Gebietskarte des Lechfalls, mit Markierung der Lage des Pfrontener- und Füssener Sees, die nach der Würm-Eiszeit bestanden Bild vergrössern Gebietskarte Lechfall, mit Pfrontener- und Füssener See (nach der Würm-Eiszeit).

Die Entstehung des Lechfalls geht auf das Ende der letzten Eiszeit (Würm) zurück. Nach dem Rückzug des Lechgletschers und dem Abschmelzen der Eismassen bildete sich im Lech– und Vilstal ein großer See, der sich bis nach Pfronten erstreckte (Pfrontener See). Wie eine Badewanne füllte sich dieses Becken, das nach Norden durch einen Höhenzug aus Wettersteinkalken begrenzt wurde. An der tiefsten Stelle des Beckenrandes, beim heutigen Lechfall, befand sich der Überlauf.
Dort fielen die Wassermassen über 100 Meter in die Tiefe und ergossen sich in den damals vorhandenen Füssener See. Erst nachdem sich der Lech an dieser Stelle einen Durchlass durch den Wettersteinkalk gegraben hatte und diesen immer weiter vertiefte, konnte das Wasser langsam nach Norden abfließen und dieser Ur–See fiel nach und nach trocken.

Der Lech bahnt sich seither in einem Bett aus eiszeitlichen Schotterabsätzen seinen Weg und bildet an seinem Oberlauf in Tirol heute eine der letzten Wildflusslandschaften Europas.

Wie hat sich der Lech durch den Fels gegraben?

Die Wassermassen des Lechs stürzen schäumend zu Tal Bild vergrössern Wildes Wasser

"Steter Tropfen höhlt den Stein" sagt ein Sprichwort und beschreibt damit exakt die Fähigkeit des Wasser, allein durch die Kraft des Fließens auch größte und härteste Hindernisse aus dem Weg zu räumen – wenn man dem Fluß nur genügend Zeit lässt. Beschleunigen lässt sich dieser Vorgang durch sogenannte Erosions–"Waffen": Flüsse in Gebirgen führen aufgrund der dort herrschenden starken Verwitterung und Abtragung meist große Mengen an Sand– und Geröllfracht mit sich.
Diese wirken ähnlich einem Sandstrahlgebläse und tragen durch die Schleifwirkung dazu bei, dass sich Flüsse auch in härtesten Fels in geologisch gesehen relativ kurzen Zeiträumen tief einschneiden können.

In welches Gestein hat sich der Lech eingeschnitten?

Der Fels besteht aus Kalkstein und Dolomitgestein und wird dem Oberen Ladin (um 235 Millionen Jahre) in der Mittleren Trias zugeordnet. Die sogenannten Wettersteinkalke wurden in einem flachen Meer in einem frühen Stadium der Alpenentstehung gebildet. Sie sind im weitesten Sinne den Riffgesteinen zuzuordnen und wurden hauptsächlich von Korallen, Schwämmen und Kalkalgen aufgebaut – für Geologen ein deutlicher Beleg dafür, dass der Wettersteinkalk südlich seiner heutigen Lage in einem tropischen bis subtropischen Bereich abgelagert wurde.
Im Schutt findet man von der Verwitterung herauspräparierte Fossilien. Äußerlich erscheint das Gestein als ein dickbankiger bis massiger, sehr reiner Kalk. Er wurde vermutlich nachträglich durch Magnesiumzufuhr und Umkristallisation bereichsweise zum Wettersteindolomit umgewandelt.
Der Wettersteinkalk baut mit Schichtmächtigkeiten von bis zu 1000 Metern den größten Teil der Lechtaler Alpen auf und ist, bedingt durch seine Härte und hohe Verwitterungsbeständigkeit, fast durchwegs gipfelbildend.

Welche Bedeutung hat der Lechfall?

Wassermassen des Lechs stürzen schäumend zu Tal Bild vergrössern Wildes Wasser

Er ist nicht nur Naturdenkmal und touristischer Anziehungspunkt. Daneben hat der Lechfall auch einen praktisch–wirtschaftlichen Nutzen. Bereits 1784 wurden erste Ableitungsstollen zum Betrieb von Mühlen in den Fels gesprengt.
Seit 1903 dient diese Stollenanlage im wesentlichen unverändert bis heute zur Stromgewinnung und gilt daher auch als Industriedenkmal.

Nicht zuletzt hat der Lechfall und seine Schlucht gerade auch für die einheimische Bevölkerung einen hohen Stellenwert und große heimatkundliche Bedeutung. Dies spiegelt sich wider im Ortsnamen der Stadt Füssen, die nach der Schlucht benannt wurde (nach lat.: fauces = Schlund) und in zahlreichen, zum Teil mythischen Geschichten rund um diesen Naturschauplatz.
Unter anderem wurden bis 1920 Wallfahrten zum sogenannten 'Magnustritt' abgehalten. Dabei handelt es sich um einen Felsvorsprung nahe des Lechfalls. Nach der überlieferung stellt er einen Fußabdruck des Hl. Magnus dar, den dieser auf der Flucht vor den Heiden bei einem Sprung über den Lech hinterlassen hat.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Das Gestein entstand zur Zeit des Quartär

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