Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Ruhpoldinger Marmor

Rötliche Kalksteine mit knolliger, brekziöser oder spätiger Internstruktur sind am Rand der nördlichen Kalkalpen in kleinen Vorkommen vor allem östlich der Loisach verbreitet. Sie wurden früher – wie der Ruhpoldinger "Marmor" am Haßlberg – vielerorts abgebaut. Häufig fanden sie als dekorative Naturwerksteine besonders in sakralen Bauwerken Verwendung.

Detailansicht des Gesteins Bild vergrössern Detailansicht des Gesteins

Anfahrt - So finden Sie zum Ruhpoldinger Marmor

Von der A8 München – Salzburg an der Anschlussstelle 112 Traunstein/Siegsdorf auf die B306 und auf dieser ca. 0,95 km nach Süden Richtung Inzell. Den Kreisverkehr östlich Siegsdorf nach rechts auf die St 2098 Richtung Ruhpolding verlassen und dieser 6,5 km bis zum Orsteingang Ruhpolding folgen. Dort halbrechts auf die TS43 (Maiergschwendterstraße) abbiegen und auf dieser (später Mühlfeldstraße) 2,25 km bis zur TS35 (Guglbergerau). Dort nach rechts 0,55 km Richtung bis zur Branderstraße, nach rechts über die Urschlauer Achen und dort parken; zu Fuß auf Wanderweg zum ehemaligen Steinbruch am Haßlberg.

Beschreibung

Die bunten Gesteine des alpinen Jura

Hauptsächlich während der Triaszeit entstanden in einem tropischen Flachmeer auf einem Kontinentalschelf die Gesteine der Nördlichen Kalkalpen. Südlich daran schloss bereits seit der Mitteltrias ein tieferes Meer an, in dem unter anderem die geringmächtigen bunten Hallstätter Kalke abgelagert wurden. Zu Beginn der Jurazeit vor ca. 200 Millionen Jahren zerbrach die Schelfplattform und das Meer gliederte sich in Becken und Schwellen, wo verschiedenartige Sedimentgesteine gebildet wurden. In den Becken kamen Tiefseesedimente zum Absatz, während auf den Schwellen geringmächtige, bunte Kalksteine entstanden; sie reichen von roten Knollenflaserkalken über Crinoidenschuttkalke bis zu bunten, brekziierten Kalken. Im Unteren Jura (Lias) wurden bunte Kalksteine wie der Hierlatzkalk, der reich an weißen Kalkspatfragmenten ist, im Mittleren Jura (Dogger) vorwiegend rote, aber auch hellgraue Spatkalke abgelagert. Zu den bunten Kalken des Oberen Jura (Malm) rechnet man schließlich vor allem rötliche, aber auch hellgraue Kalksteine wie den Ruhpoldinger Marmor, die vor etwa 150 Millionen Jahren entstanden und heute am Alpenrand zwischen Tegernsee und Inzell zu finden sind.

Entstehung des Ruhpoldinger Marmors

Wie die anderen bunten Jurakalke entstand auch der Ruhpoldinger Marmor im Bereich einer submarinen Schwelle. Unruhige Ablagerungsbedingungen führten zu geringen Sedimentationsraten. Dort kam es auch zu Umlagerungsvorgängen im noch nicht verfestigten Material, Lebewesen durchwühlten das frische Sediment und Kalk ging teilweise wieder in Lösung. Diese Vorgänge führten dazu, dass das Gestein heute nur grob gebankt ist, im Kleinbereich aber unregelmäßige Sedimentstrukturen aufweist.

Schematische Darstellung Bild vergrössern Schematische Darstellung der Ablagerungsverhältinisse zur Zeit des Jura

Was ist hier zu sehen?

Am Haßlberg südwestlich von Ruhpolding ist in einem großen, stillgelegten Steinbruch der so genannte Ruhpoldinger Marmor aufgeschlossen. Dort reicht die Schichtfolge von grauen, oolithischen Malmkalken über rote Malmkalke zu grauen "Neokom"-Kalken der Unteren Kreide. An seiner Typlokalität liegt der "Rote Marmor" als dickbankiger, braunroter Knollenflaserkalk vor, in enger Nachbarschaft treten jedoch auch Crinoiden- und Cephalopodenkalke auf. Während ein hoher Anteil an Stielgliedern von Seelilien (Crinoiden) das Gestein zuweilen spätig aussehen lässt, sind die in der dunkel- bis braunroten Grundmasse liegenden, etwas helleren Knollen teils auf Ammoniten (Cephalopoden), teils auf Schlickgerölle zurückzuführen.

Eine Ecke eines Troges aus dem Gestein mit Ammoniteneinschlüssen Bild vergrössern Fossile Ammoniten im Chephalopodenkalk

Bedeutung des Ruhpoldinger Marmors

Vom frühen Mittelalter bis 1970 wurde der Ruhpoldinger Marmor als Bau- und Dekorstein gewonnen. Im Bereich von Ruhpolding ist seine Beliebtheit an vielen Bauwerken wie z. B. der Ruhpoldinger Kirche, aber auch an Gebrauchsgegenständen wie Taufbecken, Brunnen, Grabplatten usw. erkennbar. Obwohl es sich bei dem Gestein nicht um einen echten Marmor, also ein metamorphes Karbonatgestein, handelt, hat sich auf Grund seines Aussehens, der guten Bearbeitbarkeit und seiner Schleifbarkeit der Begriff Marmor über Jahrhunderte gehalten.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Ruhpoldinger Marmor entstand zur Zeit des Jura

Weiterführende Informationen

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