Nagelfluh am Hochgrat

Markante Gipfel und Gesteinsrippen prägen die Bergkette, die sich vom Mittagberg bei Immenstadt über den Hochgrat bis in den Bregenzer Wald erstreckt. Die aus Geröllen zu Konglomerat "verbackenen" Gesteine sehen aus, als hätte man Nägel tief in sie eingeschlagen, so dass nur noch die Köpfe herausschauen, weshalb man sie auch als "Nagelfluh" bezeichnet.

Detail des 'Herrgottsbetons Bild vergrössern Detail des "Herrgottsbetons"

Anfahrt - so finden Sie zum Nagelfluh am Hochgrat

Von der A7 Ulm-Füssen am Autobahndreieck Allgäu auf die A980 in Richtung Lindau/Oberstdorf wechseln. Am Autobahnende bei Waltenhofen die B19 Richtung Sonthofen/Oberstdorf nehmen und dieser 16 km bis zur Einmündung der B308 bei Immenstadt folgen. Dort auf die B308 Richtung Oberstaufen/Lindau abbiegen und auf dieser 18 km bis Oberstaufen. Am Ortseingang die B308 nach rechts verlassen, nach 300 m nach links auf die ST2005 und nach weiteren 200 m nach links in die Weißachstraße abbiegen. Von dieser nach 600 m nach links auf die ST2005/Mühlenstraße und dieser 1,1 km folgen. In Höfen nach links auf die OA25, auf dieser ins Ortszentrum Steibis und weiter ca. 4 km zum Parkplatz Hochgratbahn. Mit Seilbahn oder zu Fuß über Untere und Obere Lauch-Alpe sowie das Staufner Haus zur Bergstation und zum Hochgrat-Gipfel (2 3/4 Std.)

Beschreibung

Der Alpenrand im Tertiär

Vor etwa 30 Millionen Jahren begann sich südlich des heutigen Allgäus das Hochgebirge der Alpen zu heben. Sein Verwitterungsschutt wurde durch Flüsse in das nördlich angrenzende "Molassebecken" transportiert und dort abgelagert. Dabei kamen unterschiedliche Gesteine, von fein geschichteten Ton- und Sandsteinen bis hin zu groben Konglomeraten, zum Absatz. Besonders dort, wo die ehemaligen Flussläufe in das Becken mündeten, wurden grobe Schotter in großen Schwemmfächern abgelagert. Der größte derartige Schwemmfächer in Bayern ist der "Hochgratfächer", der vor etwa 28 bis 20 Millionen Jahren entstand und rund 1000 Quadratkilometer groß war.
Die tropischen Klimabedingungen, die damals herrschten, führten offenbar zu gewaltigen monsunartigen Sturzfluten, die immer wieder riesige Mengen von Gesteinsschutt aus den entstehenden Alpen ins Vorland transportierten. Es wurden bis zu 45 Meter dicke Schotterbänke abgelagert, deren Geröll-Komponenten Durchmesser bis 18, vereinzelt sogar bis 30 Zentimeter besitzen. In ruhigeren Zeiten lagerten sich feinere Sedimente - Sande und Mergel - ab, die im tropischen Klima oft rötliche Verwitterungsfarben annahmen.

Karte des Molassebeckens zur Zeit des Oberoligozäns Bild vergrössern Das Molassebecken zur Zeit des Oberoligozäns

Oberallgäuer "Herrgottsbeton"

Die überwiegend aus Kalksteinen bestehenden Schotter wurden später durch den Überlagerungsdruck jüngerer Sedimente und durch aus dem Grundwasser ausgeschiedenen Kalk zu Konglomeratbänken verfestigt. Die Zwickel zwischen den Geröllen wurden komplett durch diesen natürlichen "Zement" ausgefüllt. Da die Geröllkomponenten wie die Köpfe von großen Nägeln aussehen, werden diese Gesteine nach einem ostschweizerischen Begriff auch als "Nagelfluh" bezeichnet.

"Untere Süßwassermolasse"

Die enorme Sedimentzufuhr aus den entstehenden Alpen führte dazu, dass das ursprünglich im Molassebecken vorhandene Meer im Westen Bayerns zurückgedrängt wurde, während es im Osten weiter bestand. Die Gesteine des Hochgratfächers rechnet man daher zur "Unteren Süßwassermolasse", während im Osten die Küste der "Unteren Brackwassermolasse" und das Meeresbecken der "Unteren Meeresmolasse" lag.

Besonderheit Nagelfluhkette

Diejenigen Teile des Molassebeckens, die den Alpen am nächsten waren, wurden später noch in die Gebirgsbildung einbezogen und gefaltet. Diese "Faltenmolasse" bildet in Bayern überwiegend niedrige Hügelketten entlang des nördlichen Alpenrandes. Nur im Südteil des Hochgratfächers wurden die Gesteine so stark angehoben, dass sie heute fast in der gleichen Höhenlage zu finden sind wie die Gesteinskomplexe weiter im Süden, von denen ihr Ausgangsmaterial stammt.

Aus den steil gestellten und verfalteten Gesteinsabfolgen wurden durch die Verwitterung die harten Konglomeratbänke herauspräpariert. Sie prägen die Landschaft als eine Abfolge markanter Felsrippen. Die dazwischen liegenden sandigen und mergeligen Sedimente werden dagegen oft als Almen oder Wälder genutzt. Diese vielfältige Landschaft ist das wesentliche Merkmal des deutsch-österreichischen "Naturparks Nagelfluhkette".

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Die Nagelfluhkette entstand zur Zeit des Tertiärs

Weiterführende Informationen

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