Ammergauer Wetzsteinbrüche

Im Bereich des Scharten-Köpfels bei Unterammergau wurden bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts mehrere Steinbrüche in den so genannten Wetzsteinkalken betrieben. Diese meist sehr dünnen, kieselsäurereichen Lagen in den Ammergauer Schichten waren Grundlage für die ehemals bedeutende Wetzsteinmacherei.
Abbaustellen und Halden zeugen davon, dass große Mengen Gestein gebrochen werden mussten, um das wenige geeignete Rohmaterial zu gewinnen.

Felswand des Grundmaterials Bild vergrössern Felswand des Grundmaterials

Anfahrt - so finden Sie die Ammergauer Wetzsteinbrüche

Auf der A95 bis zum Autobahnende bei Eschenlohe und weiter auf der B2 bis Oberau. Dort auf die B23 Richtung Peiting abbiegen und über Ettal und Oberammergau bis zum südöstlichen Ortsende von Unterammergau. Nach links abbiegen Richtung Ortsmitte Unterammergau (Dorfstraße), nach 150 Metern erneut nach links (Liftweg) und ca. 800 Meter weiter, vorbei an der Liftstation Steckenberg, bis zum Pürschling-Parkplatz. Dort beginnt der Wanderweg durch die Schleifmühllaine und zu den alten Steinbrüchen.

Beschreibung

Die Zeit des alpinen Oberjura

Zu Beginn der Jurazeit zerbrach der von einem tropischen Flachmeer bedeckte Schelf, auf dem seit der Mitteltrias mächtige Riff- und Lagunensedimente entstanden waren, in verschiedene Becken mit oft kieseligen Kalk- und Mergelsteinablagerungen. Auf den dazwischen liegenden, langsamer absinkenden Schwellen bildeten sich meist geringmächtige, bunte Kalksteinabfolgen. In den anschließenden Becken kam es zur Ablagerung von kieselsäurereichen Radiolariten, über die im Oberjura (Malm) mächtige, besonders feinkörnige, dünngebankte Tiefseekalke mit Mergelzwischenlagen und Hornsteinknollen abgesetzt wurden. In diesen heute als Ammergauer Schichten bekannten Gesteinen findet man neben verschiedenartigen Mikrofossilien häufig Deckel von Ammonitengehäusen (Aptychen), weshalb man sie früher als "Malm-Aptychenschichten" bezeichnete.

Entstehung der Wetzsteinkalke

Blockbild der Ablagerungsverhältnisse im älteren Oberjura Bild vergrössern Blockbild der Ablagerungsverhältnisse im älteren Oberjura

Die in einem Meeresbecken entstandene Serie ist am Alpennordrand steil aufgerichtet. Sie besteht aus gut geschichteten, im cm-Bereich gebankten, äußerst feinkörnigen, teilweise auch mergeligen Kalksteinen. In einzelnen, 5 bis 7 cm mächtigen Horizonten ist Kieselsäure fein und gleichmäßig verteilt; Analysen ergaben einen SiO2-Gehalt von ca. 12,5 Gew.-%. Diese Kieselsäure stammt vor allem von Radiolarien-Skeletten, die in das Becken abgesunken waren; manchmal liegt sie auch als Hornstein und selten in Form von eingeschwemmten, kleinen Sandkörnern vor.

Ammergauer Besonderheit

Die nur an wenigen Stellen ausgebildete Sonderentwicklung der Wetzsteinkalke innerhalb der Ammergauer Schichten bescherte einigen Orten am nördlichen Alpenrand zwischen Lech und Loisach in der Vergangenheit einen gewissen Wohlstand. Kieselsäurereiche Lagen wurden abgebaut und zur Herstellung von Wetzsteinen verwendet. Geeignete Lagen weisen meist gelbliche, graue oder weißliche Farben auf, seltener sind sie rötlich oder grünlich gestreift; sie sind spröde und haben einen muschelig-splittrigen Bruch. Geübte Steinbrecher unterschieden früher anhand der Farbe und Gesteinsausbildung, unter anderem mit Hilfe ihrer Zunge, über 100 verschiedene Qualitäten der Wetzsteine.

Der harte Weg zum Wetzstein

Der Kalksteinabbau und die Herstellung von Wetz- und Abziehsteinen gehen auf den Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Sie entwickelten sich rasch zu einem einträglichen Gewerbe. Im Herbst wurde das Material in den Steinbrüchen abgebaut, zwischengelagert und zu Beginn des Winters ins Tal gebracht. Dort verarbeiteten es die "Steinheigel", die Wetzsteinmacher, weiter: bis 1840 mit der Hand, dann mit Schleifmaschinen. Diese waren ebenso wie die ab ca. 1880 zum Einsatz kommenden Steinsägen in Schleifmühlen an Wasserläufen im Tal eingerichtet.

Ehemaliger Exportschlager

Vom Rohmaterial zum fertigen Wetzstein Bild vergrössern Vom Rohmaterial zum fertigen Wetzstein

Der Verkauf der nach Farbe und Größe unterschiedenen Produkte war genossenschaftlich organisiert. Er ging in das nähere Umland, aber auch auf den vorhandenen Schifffahrtswegen bis in die Donauländer. Insgesamt sind ca. 70 Abbaustellen von Wetzsteinschichten am nördlichen Alpenrand bekannt. Sie liegen bei Schwangau, vor allem aber bei Unterammergau und Ohlstadt. Der letzte Abbau wurde 1949 eingestellt.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Ammergauer Wetzstein entstand zur Zeit des Oberjura

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