Fossilfundstelle Solnhofener Plattenkalke

In der Altmühlalb liegt eine Fossilfundstelle von Weltgeltung: Die Solnhofener Plattenkalke vermitteln uns Kenntnisse über mehr als 700 Arten, die zur Zeit des oberen Jura lebten. Möglich werden diese Funde durch den händischen Abbau des begehrten Naturwerksteins.

Verteinerter Archaeopteryx (kleiner Flugsaurier) Bild vergrössern Pterodactylus (Kurzschwanz-Flugsaurier) im Bürgermeister-Müller-Museum, Solnhofen

Anfahrt - So finden Sie die Fossilfundstelle Solnhofener Plattenkalke

Die Autobahn A9 bei Ingolstadt verlassen und auf der B13 bis Eichstätt 31 km fahren. Hier links auf die St2230 abbiegen und dieser 24 km bis Solnhofen folgen. Im Ort links auf die St2217 Richtung Langenaltheim wechseln. Nach 3,5 km erreichen Sie rechts das Steinbruchgebiet "Langenaltheimer Haardt" (Schautafelstandort).

Zahlreiche weitere Steinbrüche finden Sie in der näheren Umgebung. Vor dem Betreten der Steinbruchgelände ist jeweils das Einverständnis der Eigentümer einzuholen.
Achtung, es herrscht Absturz- und Steinschlaggefahr! Die Touristeninformationen der Gemeinden und des Naturparks Altmühltal geben Auskunft zu Steinbrüchen, die für Sammler freigegeben sind.

Beschreibung

Die Zeit des oberen Jura

Im oberen Jura erstreckte sich in Süddeutschland ein tropisch warmes Flachmeer mit guten Lebensbedingungen für Kalk-abscheidende Organismen. Es entstand eine ausgedehnte Karbonatplattform, die in mancherlei Hinsicht der heutigen Bahama-Plattform ähnelte. Vor etwa 145 Millionen Jahren, im jüngsten Teil des oberen Jura, war sie durch zahlreiche Riffzüge und dazwischen liegende wannenartige Lagunen stark gegliedert. Von den Riffgebieten zeugen massige Kalk- und Dolomitgesteine, die heute oftmals markante Felsen bilden, wie der Burgstein bei Dollnstein oder die Zwölf-Apostel-Felsen. In den Lagunen lagerten sich dagegen dünnbankige Plattenkalke ab.

Blockbild der Landschaft zur Zeit der Ablagerung der Solnhofener Plattenkalke Bild vergrössern Die Zeit des oberen Jura

Leben im und über dem Jurameer

Die Lebensbedingungen in den verschiedenen Plattenkalklagunen waren recht unterschiedlich und änderten sich auch mit der Zeit. Oft schränkten hohe Salzgehalte und geringe Sauerstoffsättigung die Entfaltung des Lebens ein. Besonders lebensfeindlich waren die Lagunenböden aus klebrigem Kalkschlick, der von Blaugrünalgen abgeschieden wurde. Das nahezu gänzliche Fehlen von am Boden lebenden Tieren bewirkte, dass nicht nur die Feinschichtung des Sediments, sondern auch die Überreste von abgesunkenen Tierleichen perfekt erhalten blieben. Fossilien sind in den Plattenkalken nicht besonders häufig, aber oftmals außerordentlich gut erhalten.

In großer Zahl fand man vor allem Reste von damals im Meer lebenden Tieren wie Ammoniten, Fischen, Krebsen und Seelilien. Überraschenderweise wurden mitunter sogar Weichteile der Tiere versteinert – man fand sogar fossile Quallen. Seltener sind Fossilien von am Land lebenden Pflanzen und Echsen. Vergleichsweise häufig versteinerten auch die Reste von fliegenden Tieren, die in die Lagunen gestürzt waren. Hier sind vor allem Flugsaurier zu nennen, aber auch Insekten, deren Hautflügel oft bis in die feinsten Details erhalten blieben.

Archaeopteryx – Zeuge der Evolution

Das berühmteste Fossil der Plattenkalke – wenn nicht sogar überhaupt – ist der "Urvogel" Archaeopteryx. Alle zehn bisher bekannten Exemplare sowie ein einzelner Federabdruck stammen aus der Altmühlalb (drei davon von der Langenaltheimer Haardt). Archaeopteryx wird als Bindeglied der Evolutionskette zwischen Reptilien und Vögeln und damit als ein Beleg für die Evolutionstheorie von Charles Darwin angesehen.

Weitere Aufnahme eines versteinerten Archaeopteryx Bild vergrössern Versteinerter Archaeopteryx Quelle: Paläontologisches Museum München

Plattenkalk – ein begehrter Rohstoff

Plattenkalk wird bereits seit der Römerzeit abgebaut. Zunächst stand dabei die Verwendung als Bau- und Dachmaterial im Vordergrund. Im Jahr 1798 wurde schließlich das Steindruckverfahren – die Lithographie – erfunden, das die Drucktechnik revolutionierte. Das geeignetste Material hierfür lieferten und liefern die Solnhofener Plattenkalke. Sie sind auch als Naturwerkstein sehr beliebt. Für alle Anwendungen ist aber ein schonender händischer Abbau erforderlich, der letztlich auch die meisten Fossilfunde erst möglich machte.

Im Steindruckverfahren bedruckter Plattenkalk (Blumenmotiv) Bild vergrössern Im Steindruckverfahren bedruckter Plattenkalk Quelle: Bürgermeister-Müller-Museum, Solnhofen

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Plattenkalk von Solnhofen entstand zur Zeit des oberen Jura

Weiterführende Informationen

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