Flysch im Röthenbachtal

Östlich von Halblech schneidet sich der Röthenbach tief in eindrucksvolle, steilstehende Gesteinsschichten der Flysch-Zone ein. Charakteristisch für diese geologische Baueinheit am Alpennordrand sind sich oft wiederholende Sedimentserien. Sie entstanden in der Kreidezeit in Tiefseebecken aus Trübeströmen.

Detailaufnahme der Schichtenabfolge Bild vergrössern Detailaufnahme der Schichtenabfolge
Gesteinsschichten der Flysch-Zone Bild vergrössern Gesteinsschichten der Flysch-Zone
Die Schichtungen des Flysch-Zonen-Gesteins Bild vergrössern Gesteinsschichten der Flysch-Zone

Anfahrt - So finden Sie den Flysch im Röthenbachtal

Die A7 an der Anschlussstelle Füssen verlassen und weiter auf der B310 nach Osten zur B16 (3,7 km); auf dieser 1,6 km bis Stadtzentrum Füssen, dort nach links auf der Sebastianstraße (B310) und dieser 1,0 km bis zur B17 folgen.
Auf der B17 10,9 km nach Norden über Schwangau und Buching bis kurz vor Halblech.
An der OAL1 halbrechts abbiegen ("Bruckschmied") und 0,5 km bis zum Parkplatz an der Halblechbrücke fahren. Von dort zu Fuß ca. 3,5 km am Halblech entlang flussaufwärts Richtung Kenzenhütte.
Am Reiselsbach links halten und weiter am Halblech entlang ca. 1,2 km bis zur Wegkreuzung auf Höhe 946,0 m. Dort nach links 0,5 km auf einer Schotterstraße am Röthenbach entlang bis zum ausgeschilderten Geotop.

Das Geotop ist Teil des Naturschutzgebietes und Lebensraum gefährdeter Arten. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Der Rhenodanubische Flysch

Als Flysch-Zone bezeichnet man eine geologische Großbaueinheit am Nordrand der Alpen, die sich als waldreiche Bergregion vor den steil aufragenden Nördlichen Kalkalpen vom Rheintal bis zur Donau bei Wien erstreckt. Die schiefrig-tonigen Gesteine dieses "Rhenodanubischen Flysch" neigen zum "Fließen", also zu Instabilität; daher hat man sie mit dem Schweizer Lokalausdruck "Flysch" belegt.
Charakteristische Erscheinungsformen dieses Gebietes sind steile Hänge mit großen Erosionsflächen und Rutschungen. In Bayern weist die Gesteinsserie eine Gesamtmächtigkeit von bis zu 1500 m auf.
Sie entstand in der jüngeren Kreidezeit vor 130 bis 65 Millionen Jahren aus Trübeströmen in einem Meeresbecken von mehreren 1000 m Tiefe. Da sich der Boden dieses Beckens ständig absenkte, blieb der Tiefseecharakter in den gesamten Flyschsedimenten erhalten.

Entstehung der Flyschgesteine

Schemazeichnung der damaligen Tiefsee mit dem Detail der Entstehung der Turbiditfolge Bild vergrössern Schematische Darstellung einer Turbiditfolge

Flyschgesteine entstehen größtenteils aus untermeerischen Trübeströmen, einem Gemisch aus Wasser und Schlamm. Diese fließen unregelmäßig und in vielfacher Folge, oft ausgelöst durch Erdbeben, lawinenartig mit hoher Geschwindigkeit von Schelfbereichen über Abhänge in die Tiefsee ab. Sobald ein Trübestrom den flacheren Tiefseeboden erreicht und damit seine Geschwindigkeit abnimmt, lagert sich zunächst gröberes und schwereres, darüber nach und nach immer feineres Material ab.
Derartige Meeresablagerungen bezeichnet man als Turbidite, die aufgrund ihrer Ausbildung überwiegend auf sehr weite Transportwege am Tiefseegrund schließen lassen. So zeigen heutige Beobachtungen in den Weltmeeren, dass derartige Trübeströme Entfernungen von mehreren tausend Kilometern zurücklegen können.

Besondere Gesteinsstrukturen

Sohlmarken Bild vergrössern Sohlmarken

Am Röthenbach ist die so genannte Piesenkopf-Formation mit einem Alter von etwa 85 Millionen Jahren aufgeschlossen. Beispielhaft für Flyschsedimente der Alpen ist hier die vielfache, rythmische Wiederholung von Ablagerungszyklen in typischer Weise ausgebildet. Diese meist nur einige Dezimeter mächtigen "Turbidit-Zyklen" bestehen überwiegend aus Kalk-, Mergel- und Tonsteinen.
Charakteristisch ist die Korngrößensortierung – die gröbsten Körner findet man an der Basis, die feinsten am Top eines Zyklus. Für die Untergrenze der Lagen typisch sind so genannte Sohlmarken - Sedimentstrukturen in Form verschiedenartiger Wülste. Bestimmte Formen lassen dabei auf die Fließrichtung der Trübeströme schließen.
Auf der Oberseite sind mitunter verschiedene Kriech- und Weidespuren von Tiefseebewohnern erhalten geblieben, die den Meeresboden zwischen den einzelnen Turbidit-Ereignissen besiedelten.

Wie kam der Flysch in seine heutige Lage?

Aus unzähligen Trübeströmen entstanden im Verlauf von vielen Jahrmillionen die rhythmisch geschichteten Abfolgen des Rhenodanubischen Flysch. Das Meeresbecken, in dem dies geschah, verschwand durch tektonische Bewegungen, als sich das Alpengebirge zu entwickeln begann.
Ausgelöst wurde dieser Vorgang durch die Kollision des afrikanischen und europäischen Kontinents. Dabei wirkten ungeheure Kräfte auf die Erdkruste ein. Im Bereich der Kollisionszone entstanden die Alpen als eine Art "Knautschzone".
Die Schichtfolgen wurden von ihrem Untergrund abgelöst, steil gestellt, gefaltet und so in den geologischen Alpenbau miteinbezogen.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Das Gestein entstand zur Kreidezeit

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