Stockheimer Steinkohle

Bei Stockheim und Reitsch befanden sich früher die bedeutendsten Steinkohle-Bergwerke in Bayern. Auf dem Gelände der ehemaligen Grube St. Katharina in Stockheim schürfte man 2008 wieder ein Kohleflöz und seine überlagernden schwarzgrauen, braun anwitternden, feinkörnigen Sedimente auf. Dieser Aufschluss und zwei Stollenmundlöcher erinnern an den alten Bergbau.

Angelegtes Stollenmundloch (links) und angeschnittener Kohleflöz (rechts) Bild vergrössern Stollenmundloch und angeschnittener Kohleflöz

Anfahrt - So finden Sie die Stockheimer Steinkohle

Von Kronach auf der B85 Richtung Ludwigsstadt/Saalfeld nach Stockheim fahren. Im Ort hinter dem Bahnhof (ca. 8 km ab Kronach) links abbiegen und über die neue Straßenüberführung, dann ca. 0,8 km der Bergwerksstraße bis zum Geotop beim Bauhof folgen.

Beschreibung

Die Zeit des "Permokarbon"

Bei der "Variszischen Gebirgsbildung“"kollidierten vor rund 350 bis 300 Millionen Jahren mehrere Kontinente. Ihre Gesteine wurden gefaltet und in die Erdkruste versenkt. In dem später entstandenen, stark gehobenen Gebirge bildeten sich, begleitet von intensivem Vulkanismus, ausgedehnte Becken. In diesen wurde der meist rot verwitternde Abtragungsschutt des Gebirges, die "Rotliegend-Gesteine" abgelagert. Ihre untersten Schichten entstanden im oberen Karbon und enthalten verbreitet Steinkohlen, die aber nur lokal, vor allem im Saarland, eine vergleichbare wirtschaftliche Bedeutung erlangten wie die gleichzeitig in einem Küstengebiet am nördlichen Rand des Gebirges entstandenen Steinkohlen des Ruhrgebiets.
Im unteren Perm wurden weiterhin Rotliegend-Gesteine in die Becken geschüttet, jedoch konnten sich aufgrund des nun sehr trockenen Klimas keine Kohleflöze mehr bilden.
Nachdem die Hochgebiete abgetragen und die großen Senken mit Schutt gefüllt waren, drang im oberen Perm von Norden das "Zechstein-Meer" in das neu entstandene "Germanische Becken" vor. Es bildeten sich Dolomit-, Kalk- und Tonsteine, in abgeschnürten Meeresbereichen auch Gips und Steinsalz.

Karte von Nordbayern mit Küstenlinie des Zechstein Meers Bild vergrössern Karte mit Küstenlinie des Zechstein Meers

Das Stockheimer Becken

In Nordbayern sind Rotliegend-Sedimente im Untergrund weit verbreitet, an der Oberfläche aber nur an wenigen Stellen zu finden. Eines dieser Gebiete ist das Stockheimer Becken, das - ursprünglich zusammenhängend - heute tektonisch in drei Bereiche geteilt ist. Seinen Untergrund bilden gefaltete unterkarbonische Gesteine. Darüber folgen Ablagerungen aus dem obersten Karbon, die im Wesentlichen zwei kohleführende "Flözhorizonte" enthalten. Die Kohle tritt hier in feinverteilten Schmitzen wie auch in Flözen mit stark schwankender Mächtigkeit auf. Über diesen Gesteinen folgen mächtige, meist rote Tonsteine und Sandsteine permischen Alters. Ablagerungen des Zechstein-Meeres sind nur im Südwesten bei Burggrub aufgeschlossen.

Schnittzeichnung von W. Gümbel: Geologisches Nord-Süd-Profil durch das Stockheimer Becken Bild vergrössern Geologisches Nord-Süd-Profil durch das Stockheimer Becken

Entstehung der Steinkohle

Voraussetzung für die Bildung von Kohlen sind große Mengen von unzersetztem, pflanzlichem Material, wie es z. B. in Mooren, Sumpfwäldern oder auch in Schwemmfächer-Ablagerungen vorkommt. Daraus entsteht Kohle, wenn es im Lauf von Jahrmillionen durch jüngere Ablagerungen überdeckt und unter dem Einfluss von Druck und Temperatur umgewandelt wird: es wird "inkohlt". In Bayern herrschten nur in den Rotliegend-Becken für die Bildung von Steinkohle ausreichende Temperaturen; die aus der Tertiärzeit stammenden Kohlen des Naabtales und des Alpenvorlandes dagegen sind Braunkohlen.

Bedeutung der Stockheimer Steinkohle

Das im Jahr 2008 wieder aufgeschürfte Flöz auf dem Gelände der ehemaligen Katharinenzeche ist heute der einzige Aufschluss von Steinkohle in Bayern. Dort befinden sich auch zwei Stollenmundlöcher, die an den Kohlenabbau erinnern, der in Reitsch seit 1582, in Stockheim seit 1756 belegt ist. Im letzten und bedeutendsten Steinkohlenbergwerk Bayerns, der Katharinenzeche, wurde bis 1968 Kohle gefördert.

Schnittzeichnung von W. Gümbel: Hangende Schichten über dem Steinkohleflötz im Steinbruch bei dem Catharinenschacht Bild vergrössern "Hangende Schichten über dem Steinkohleflötz im Steinbruch bei dem Catharinenschacht"

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Die Stockheimer Steinkohle entstand zur Zeit des Permokarbons (zwischen Karbon und Perm)

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