Riesseekalke Hainsfarth

Am Sportplatz von Hainsfarth sind Kalkablagerungen aus dem ehemaligen Riessee zu sehen. Dieser hatte sich nach dem Impakt eines Großmeteoriten vor etwa 14,5 Millionen Jahren in dessen Einschlagskrater gebildet. Am Rande des Sees entstanden massige Ablagerungen von fossilführenden Riesseekalken.

Felsformationen der Riesseekalke Bild vergrössern Felsformationen der Riesseekalke
Felsformationen der Riesseekalke Bild vergrössern Felsformationen der Riesseekalke

Anfahrt - So finden Sie die Riesseekalke am Büschelberg bei Hainsfarth

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der B466 nach Oettingen, von hier weiter Richtung Gunzenhausen. Etwa 400 m nach Ortsausgang Oettingen rechts nach Hainsfarth. In der Ortsmitte Hainsfarth rechts Richtung Sportplatz (Beschilderung).
Nach ca. 500 m, kurz vor dem Ortsausgang, links weiter der Beschilderung Richtung Sportplatz folgen. Nach weiteren 700 m wird rechts der Sportplatz erreicht, dessen Rand der ehemalige Steinbruch bildet.

Beschreibung

Entstehung des Kratersees

Vor etwa 14,5 Millionen Jahren, im mittleren Miozän, schlug ein ungefähr 1 km großer Meteorit in Süddeutschland ein. Zurück blieb ein ca. 500 m tiefer Impaktkrater von etwa 25 km Durchmesser. Das abflusslose Becken begann sich mit Wasser zu füllen und es entstand der überwiegend flache, aber ca. 400 km2 große Riessee. Zunächst war dieser stark salzhaltig und nur von Rot- und Braunalgen sowie Kieselalgen (Diatomeen) belebt.
Erst nach dem Wechsel vom semiariden zu zunehmend humidem Klima süßte der See allmählich aus. In der Folge besiedelten nun weitere Lebensformen wie verschiedene Algenarten, Schnecken, Schalenkrebse, Wasservögel und Schilf den Riessee.

Was geschah mit dem Kratersee?

Geologisches Blockbild mit der Region um den Riessee Bild vergrössern Geologisches Blockbild mit der Region um den Riessee

Nach der Kraterentstehung transportierten Schlammströme Schuttmassen vom Rand des Kraters in seinen zentralen Teil, die heute in Form von Konglomeraten und Sandsteinen am Grund des Kraters liegen. Darüber setzten sich vor allem feinkörnige, mehrere Hundert Meter mächtige Seesedimente ab. Gleichzeitig entstanden in flachem Wasser am Ufer und entlang von Untiefen des Riessees Kalkablagerungen durch Algen.

In einem Zeitraum von etwa zwei Millionen Jahren wurde der Krater mit Seesedimenten vollständig aufgefüllt. Sande und Schotter überlagerten das gesamte Gebiet und bedeckten die Sedimente des ehemaligen Kratersees, der Krater war aus der Landschaft verschwunden.
Gegen Ende der Tertiär-Zeit vor ca. zwei Millionen Jahren hob sich das Gebiet und die Abtragung der Gesteine setzte ein, so dass die Kraterstruktur wieder frei gelegt wurde. Während die Tone und Tonsteine der Kraterfüllung erodiert wurden, setzten die Riesseekalke der Erosion einen größeren Widerstand entgegen. In der heutigen Landschaft bilden sie oft Höhenrücken.

Was ist im Aufschluss zu erkennen?

Aufnahme der Felsformation mit herausgestellten Details des Materialaufbaus Bild vergrössern Details zum Aufbau des Materials (Grafik Rieskrater-Museum Nördlingen)

Der Großteil der Kalkablagerungen wurde von Blaugrünalgen abgeschieden. Diese wuchsen in Form von säuligen Strukturen, so genannten "Rüben", nach oben. Mehrere Bündel dieser "Rüben" bilden massige knollige "Algenstotzen", die eine durchschnittliche Höhe von einem Meter, gelegentlich aber auch bis fünf Meter erreichen können.

Zwischen den Algenstotzen bildeten sich schichtartige Bereiche mit ausgesprochen artenarmen, aber individuenreichen Faunen, die typisch für Brackwasserbiotope sind. Dort liegen oft massenweise die Reste der kleinen SchalenkrebseCypris und der Wasserschnecken Hydrobia. Selten wurden auch gut erhaltene Reste anderer Lebewesen wie z. B. Schildkröten, Vögeln und verschiedenen Säugetieren gefunden.

Bedeutung der Riesseekalke

Die Riesseekalke wurden früher teilweise als Bau- und Schottersteine benutzt und sind daher in mehreren ehemaligen Steinbrüchen erschlossen. Der bedeutendste Aufschluss liegt am Sportplatz von Hainsfahrt. Seien Gesteine wurden in zahlreichen Veröffentlichungen beschrieben.
Für dieses klassisches Exkursionsziel hat sich kurioserweise in der geowissenschaftlichen Literatur der Name "Büschelberg" eingebürgert, während die Einheimischen vom "Burschel" sprechen.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Das Gestein entstand zur Zeit des Tertiär

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