Granite am Dreisessel

Das Massiv des Dreisessels wird überwiegend von Graniten aufgebaut. Aufgrund ihrer Farbe, Korngröße und mineralogischen Zusammensetzung kann man hier auf engem Raum mehrere Granit-Varietäten unterscheiden. So bestehen die Felsburgen am Gipfel aus "Dreisessel-Granit", während im Umfeld "Steinberg-Granit", "Haidmühle-Granit" und "Eisgarn-Granit" vorkommen.

Gipfelfelsen des Dreisessels Bild vergrössern Gipfelfelsen des Dreisessels
Die Gipfelfelsen des Dreisessels mit tschechischem Grenzstein Bild vergrössern Die Gipfelfelsen des Dreisessels mit tschechischem Grenzstein

Anfahrt - so finden Sie zum Dreisessel

Von Passau auf die B12 nach Freyung. In Freyung rechts abbiegen auf die ST2630 (Beschilderung Dreisessel). Durch Perlesöd, Grainet, Vorderfreundorf, Saghäuser nach Altreichenau. In Altreichenau links in die ST2130. Durch Hinterfreundorf nach Frauenberg und weiter Richtung Haidmühle, etwa 2 km nach Frauenberg rechts Richtung Dreisessel (Beschilderung). Nach ca. 8,5 km wird der kostenpflichtige Parkplatz erreicht. Zu Fuß der Straße 0,7 km folgend zum Gipfel des Dreisessels.

Das Geotop ist Teil des Naturschutzgebietes und Lebensraum gefährdeter Arten. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Das Grundgebirge des Bayerischen Waldes

Der Bayerische Wald gehört zum mitteleuropäischen Grundgebirge, welches bei der variszischen Gebirgsbildung in der Zeit des Karbons und Perms vor etwa 350 bis 280 Millionen Jahren entstand. Durch die Kollision von Kontinenten kam es damals zur Auffaltung eines mächtigen Gebirges. Dabei wurden Gesteine in die Tiefe versenkt. Die dort herrschenden höheren Drucke und Temperaturen bewirkten eine Umwandlung der Gesteine ("Metamorphose"). Gesteinsschmelzen ("Magmen"), die sich tief in der Erdkruste gebildet hatten, bewegten sich in höhere Bereiche und erstarrten dort als magmatische Gesteine wie z. B. Granite.

Wie entsteht ein Granit?

Durch die tiefe Versenkung von Gesteinen im Zuge von Gebirgsbildungen kann es zur Aufschmelzung und Magmenbildung im Bereich der Erdkruste kommen. Da derartige Magmen leichter sind als das umgebende Gestein, können sie in Bruchzonen in der Erdkruste aufsteigen. Wenn sie die Erdoberfläche erreichen, treten sie dort als Lava aus, und es bilden sich wegen der raschen Erstarrung feinkörnige Vulkangesteine. Bleiben sie jedoch in der Erdkruste stecken, kristallisieren sie langsam aus; dabei bilden sich grobkörnige, so genannte plutonische Gesteine wie z. B. Granite.

Schematische Darstellung der Bildung von Gesteinsschmelzen Bild vergrössern Schematische Darstellung der Bildung von Gesteinsschmelzen

Charakteristisch für magmatische Gesteine ist die meist regellose Anordnung ihrer Bestandteile, der Minerale. Die chemische Zusammensetzung des Magmas ist verantwortlich für Art und Menge der Minerale des Gesteins. Die aus sauren Schmelzen entstehenden Granite enthalten vorwiegend weißen Feldspat, grauen Quarz und glänzenden Glimmer, wobei diese sowohl als dunkle Biotite als auch als helle Muskovite vorkommen.

Granite des Dreisessel-Massivs

Die Granite des Dreisessel-Massivs entstanden im Oberkarbon vor etwa 330 bis 310 Miollionen Jahren durch die Aufschmelzung von vermutlich Sedimentgesteinen. Geringe Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung, der Temperatur und der Bedingungen bei der Abkühlung der Schmelzen führten dazu, dass nicht alle Granite gleich sind. So kann man aufgrund verschiedener Korngrößen und Mineralzusammensetzungen im Umfeld des Dreisesselberges mehrere Granit-Varietäten unterscheiden, die jeweils aus einer eigenen Schmelze hervorgegangen sind.

Während der grobkörnige "Dreisessel-Granit" im Gipfelbereich relativ einheitliche Korngrößen der Minerale aufweist, zeigen zwei weitere ein "porphyrisches" Gefüge: der "Haidmühle-Granit" enthält dabei nur einzelne, der "Steinberg-Granit" im unteren Teil der Dreisesselstraße zahlreiche große Kalifeldspat-Einsprenglinge. Als weitere Varietät findet man den feinkörnigen "Eisgarn-Granit".

Entstehung der Felsburg

Bei der Auskristallisation einer Gesteinsschmelze bilden sich aufgrund einer Volumenverringerung Trennflächen im erstarrenden Gestein, so genannte Klüfte. Begünstigt durch das feuchtwarme Klima erfolgte vor allem im Zeitalter des Tertiärs eine chemische Zersetzung des Gesteins. Einsickernde Wässer konnten bevorzugt entlang von Kluftflächen ins Gestein eindringen und die Ecken und Kanten der quaderförmigen Kluftkörper abrunden. Zwischen diesen Wollsack-ähnlichen Körpern aus festem Gestein blieb der Granitzersatz zunächst liegen, bis er im Quartär, der jüngsten erdgeschichtlichen Epoche, zusammen mit der überlagernden Bodendecke abgetragen und fortgespült wurde. Nur die festen Granitkörper blieben stehen und bilden so die heutige Gipfelburg des Dreisessels.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Die Granite des Dreisessels entstanden zur Zeit des Karbon

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