Großer Lochstein

Der Große Lochstein im Veldensteiner Forst ist ein markanter Felsturm aus Frankendolomit, der vor über 100 Millionen Jahren unter tropischen Klimabedingungen durch Verwitterung entstand. Dieses Dokument einer Karstlandschaft der Unterkreidezeit wurde durch jüngere Sandablagerungen konserviert. Erst die Abtragung dieser Schichten in der jüngsten geologischen Vergangenheit brachte es wieder ans Tageslicht.

Blick zum großen Lochstein Bild vergrössern Blick zum großen Lochstein

Anfahrt - So finden Sie den Großen Lochstein

Die A9 an der Anschlussstelle Pegnitz-Grafenwöhr verlassen und die B85/B470 Richtung Auerbach/Grafenwöhr nehmen. Bei Bundesstraßen-Kilometer 3,0 rechts abbiegen auf eine Forststrasse.
Nach rd. 100 m Waldparkplatz Alte Veste. Von hier aus dem Rundwanderweg Habicht Richtung Westen folgen, nach ca. 700 m Ankunft beim Großen Lochstein.
Zurück: im Linksbogen am Großen Lochstein vorbei dem Casanova-Weg folgend bis zum Habichtweg, hier nach links (Richtung Norden) abbiegen und auf Habichtweg bis Parkplatz.

Das Geotop ist ein Naturdenkmal. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Die Zeit der Kreide

Am Ende des Jura wich das Meer aus dem Gebiet der heutigen Frankenalb zurück, die Region wurde zum Festland. Über 40 Millionen Jahre waren daraufhin die zuvor abgelagerten Kalk- und Dolomitgesteine unter tropischen Klimaverhältnissen einer intensiven Verkarstung ausgesetzt. Bei hohen Temperaturen und Niederschlagsmengen entwickelte sich eine Landschaft mit Bergkuppen und Felstürmen, Dolinen und Höhlen. Ähnliche Karstlandschaften findet man heute in tropischen Regionen; sie sind auch unter der Bezeichnung Kegelkarst bekannt.

In der Oberkreide wurde das Festland erneut vom Meer überflutet und das Relief von einer mächtigen Sedimentdecke bedeckt. Erst am Ende der Kreide zog sich das Meer endgültig aus dem Gebiet der heutigen Frankenalb zurück.

Wie entsteht eine Karstlandschaft?

Blockbild - Erläuterung im nachfolgenden Text Bild vergrössern Mit Sand verschüttetes Karstrelief nach der Oberkreide
Blockbild - Erläuterung im nachfolgenden Text Bild vergrössern Heutiger Zustand. Kreidezeitlicher Karst wieder freigelegt und zusätzlich junge Verkarstung

Unter Verkarstung versteht man eine Art der Verwitterung, bei der Gesteine von Wasser chemisch aufgelöst werden. Dabei dringen aggressive Sickerwässer, die gelöstes Kohlendioxid aus Atmosphäre und Bodenluft enthalten, entlang von Schichtfugen und Klüften in das Gestein ein und lösen den Kalk und Dolomit auf. Sie erweitern ständig die Trennflächen, es kommt zur Bildung von Hohlräumen.

Dieser Prozess führt zu einer ausgeprägten unterirdischen Entwässerung, gleichzeitig verschwinden die Fließgewässer an der Oberfläche. Es entsteht eine Landschaft mit trichterförmigen Dolinen, großen Karstsenken und Trockentälern, im Untergrund bilden sich ausgedehnte Höhlensysteme. Die intensive Verkarstung bewirkt schließlich eine stark gegliederte Landschaft, die von Felstürmen und Bergkuppen und dazwischen liegenden Senken geprägt ist.

Besondere erdgeschichtliche Entwicklung

Nach dem erneuten Rückzug des Meeres folgte im Tertiär und Quartär wieder eine Phase der Erosion. Die kreidezeitlichen Sedimente wurden weitgehend abgetragen, so dass die Kalke und Dolomite des Oberen Juras erneut der Verkarstung ausgesetzt waren; dies führte zu einer Überprägung und Verwischung der Spuren der alten Verkarstung.
Nur dort, wo - wie hier im Veldensteiner Forst - das Relief der Unterkreide erst in der jüngsten erdgeschichtlichen Vergangenheit freigelegt wurde, sind die alten Karstformen noch zu erkennen. Zahlreiche Dolinen, Höhlen und Dolomitfelsen sind Zeugnisse der Verkarstung in jener Zeit. Ein besonders eindrucksvolles Felsgebilde stellt der Große Lochstein dar, ein ca. 20 Meter hoher Felsturm aus Frankendolomit, der am Fuß von einer geräumigen, etwa 10 Meter langen Höhle durchzogen ist.
Die markantesten Felsen und Karstformen im Veldensteiner Forst – so auch der Große Lochstein – sind seit den 1920/30er Jahren als Naturdenkmäler geschützt.

Woraus besteht der Lochstein?

In dem flachen Schelfmeer, das vor etwa 150 Millionen Jahren weite Teile Frankens bedeckte, begünstigte tropisch-warmes Klima die Kalkfällung. Kieselschwämme, Algen und Mikroben, siedelten sich an einigen Stellen an und verstärkten dort die Kalkfällung nochmals.
Bald wuchsen auf dem Grund des Jurameeres flache Riffkuppen, aus denen sich ausgedehnte Riffkomplexe entwickelten. Die massigen Riffgesteine wurden noch im Jura zu Frankendolomit umgewandelt und da der Dolomit besonders beständig und standfest ist, konnten sich bei der Verwitterung hochaufragende Felstürme wie der Große Lochstein bilden.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Lochstein entstand zur Kreidezeit

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