Eiszerfallslandschaft Osterseen

Wassererfüllte Senken, Moore, markante Hügel und Schotterflächen kennzeichnen das Gebiet der Osterseen südlich des Starnberger Sees als eine typische Eiszerfallslandschaft. Sie entstand beim Abschmelzen der Gletscher der letzten Kaltzeit. Die Reliefformen konnten bis heute nahezu unverändert überdauern, da in das Gebiet später kaum noch Sedimente eingetragen wurden.

Ostersen vom Boden aus fotografiert Bild vergrössern Osterseen
Detailaufnahme der Tümpelquelle Bild vergrössern Die Tümpelquelle im Detail

Anfahrt - So finden Sie die Eiszerfallslandschaft Osterseen

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Iffeldorf oder Staltach bzw. mit PKW die A95 (München-Garmisch) an der Anschlussstelle Penzberg verlassen und weiter Richtung Seeshaupt/Iffeldorf. Nach etwa 0,5 km entweder nach links abbiegen, Iffeldorf durchqueren und am westlichen Ortsausgang nach rechts zu Parkplatz oder geradeaus weiter Richtung Seeshaupt, kurz nach Iffeldorf auf Höhe Staltach links zu Parkplatz.
Von Bahnhof bzw. Parkplatz zu Fuß weiter zu den Osterseen. Das Naturschutzgebiet Osterseen ist durch markierte Wanderwege erschlossen.
Die Erläuterungstafel steht am Weg von Iffeldorf zu den Osterseen, 100 m vom Wanderparkplatz entfernt.

Schutz der Osterseen

Teile Osterseegebietes sind seit 1981 als Naturschutzgebiet geschützt. Zum Erhalt dieses einzigartigen geologischen und biologischen Naturerbes sind die Besucher gebeten, den Schutzbestimmungen Folge zu leisten.

Beschreibung

Die Zeit des Quartärs

In den vergangenen 2,6 Millionen Jahren, dem Zeitalter des Quartärs, führten starke Klimaschwankungen zu einem Wechsel von Warm- und Kaltzeiten. Während der Warmzeiten herrschten ähnliche Klimaverhältnisse wie heute, nur die höchsten Lagen der Alpen waren vergletschert. Die Durchschnittstemperatur der Kaltzeiten hingegen lag etwa um 10°C niedriger. In den Gebirgen wuchsen die Gletscher stark an, es bildeten sich zusammenhängende Eisflächen, aus denen nur vereinzelt Berggipfel herausragten. Die Eismassen flossen auch nach Norden und bedeckten dort weite Teile des Voralpenlandes.
Aus dem Alpenraum kennt man mindestens sechs Kaltzeiten, die jeweils mehrere Zehntausend Jahre dauerten. Die größte Eisausdehnung der jüngsten Kaltzeit - im Alpenraum als Würm-Kaltzeit bezeichnet - wurde vor etwa 20.000 Jahren erreicht. Danach stiegen die Temperaturen an, die Gletscher schmolzen ab. Seit etwa 15.000 Jahren ist das Alpenvorland eisfrei. Vom Gletscher zurückgelassene Ablagerungen, die Moränen, belegen ehemalige Eisstände.

Was ist die Besonderheit der Osterseen?

Profilschnitt zur Erläuterung der Entstehung Bild vergrössern Formen der Eiszerfallslandschaft

Heute gilt das Gebiet der Osterseen als eine der am besten erhaltenen Eiszerfallslandschaften Bayerns. Große Toteismassen des eiszeitlichen Isar-Loisach-Gletschers und mehrere Generationen von Schmelzwasserflüssen, die ihre Gesteinsfracht ablagerten, formten die Landschaft. Aber bereits im Spätglazial, noch bevor das gesamte Alpenvorland eisfrei war, war der Bereich vom großen Entwässerungsnetz der Alpen abgeschnitten. Es wurden nur noch geringe Mengen an Sedimenten eingetragen. Die Osterseen sind deshalb, im Gegensatz zu vielen anderen voralpinen Seen der Nacheiszeit, kaum verlandet; die ursprüngliche Eiszerfallslandschaft mit den zahlreichen Toteislöchern, Eisrandterrassen, Kames und Osern blieb erhalten.

Formen der Eiszerfallslandschaft

Eis, das nicht mehr mit dem sozusagen lebenden Gletscher in Verbindung stand, zerfiel in Blöcke, zwischen denen sich die Schmelzwasserflüsse ihren Weg suchten und ihre Schuttfracht ablagerten. Nachdem dieses Toteis abgeschmolzen war, blieben charakteristische Geländeformen. So entstanden dabei kesselartige Toteislöcher, die heute oft - wie die Osterseen - mit Wasser gefüllt sind. Zwischen und auf die Eisreste geschüttete Schmelzwasserschotter blieben als kuppige oder kegelförmige Hügel zurück (Kames). Am Rand des Gletschers entstanden Eisrandterrassen. Langgestreckte, schmale Rücken aus Sand und Kies (Oser) wie die Marieninsel im Großen Ostersee sind Hinterlassenschaften von Schmelzwasserflüssen in und unter dem Eis.

Die Blaue Gumpe

Tümpelquelle in einem der Seen Bild vergrössern Die Blaue Gumpe

Die Osterseen werden vorwiegend durch Grundwasser gespeist, das in zahlreichen Quelltrichtern austritt. Am bekanntesten ist die Blaue Gumpe südlich des Großen Ostersees. Die Wände ihres Quelltrichters sind von weißen Ablagerungen aus Süßwasserkalk überzogen, der aus dem kalkreichen Quellwasser ausgeschieden wird. Da das Grundwasser eine relativ gleichbleibende Temperatur von 10°C aufweist, gefriert im Winter die Wasserfläche nicht. An kalten Wintertagen hängt Dampf über der Quelle.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Die Osterseen entstanden zur Zeit des Quartärs

Weiterführende Informationen

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