Burgstein bei Dollnstein

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Die markante turmartige Felsbildung des Burgsteins ist ein Teil einer Kalkplattform, die in einem subtropischen Flachmeer zur Zeit des Oberen Jura abgelagert wurde. Die Felsen wurden von Ur–Donau und Altmühl herauspräpariert.

Anfahrt - So finden Sie den Burgstein bei Dollnstein

In Eichstätt auf die Staatstrafle 2230 Richtung Obereichstätt/Dollnstein.
Der Straße entlang der Altmühl bis nach Dollnstein folgen. In der Ortsmitte abbiegen Richtung Eberswang/Schernfeld, am Ortsende den Hinweisschildern Richtung Sportplatz folgen.
Der Geotop befindet sich ca. 1,5 km nach dem Sportplatz direkt am Altmühl-Radweg Richtung Eichstätt.

Das Geotop ist Teil des Naturschutzgebietes und Lebensraum gefährdeter Arten. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Die Zeit des Oberen Jura

Zur Zeit des Oberen Jura (auch "Malm" oder "Weißer Jura" genannt) war der süddeutsche Raum von einem flachen subtropischen Schelfmeer bedeckt, an das sich im Süden ein Vorläufer des Mittelmeeres (die "Tethys") und im Norden ein Inselarchipel anschloß. In diesem Flachmeer wechselten seichte "Plattformen" mit grobkörniger (sandiger) und tiefe "Wannen" mit feinkörniger (schlammig–toniger) Kalkablagerung.
Von den Wellen aufgearbeitete Schalenreste abgestorbener Schwämme, Kalkalgen, muschelähnlicher Brachiopoden, Seelilien und Seesterne lieferten das Material für diese Kalksande und Kalkschlämme. Einen wesentlichen Anteil am Gesteinsaufbau der Plattformkalke haben bis zu 2 mm große Kalk–Kügelchen, die im bewegtem Wasser entstanden sind: "Ooide" (konzentrische Kalk–Kügelchen) und "Peloide"(Kalkpartikel ohne Innenstruktur, die wahrscheinlich durch Algen gebildet wurden).

In den feinkörnigen und mergeligen Kalken der Wannen erhielten sich auch die Überreste schwimmender Organismen wie Ammoniten, Fische und Meeresreptilien als Versteinerungen. An den Hängen der Plattformen wuchsen Schwammriffe.
Neben Meeresbewohnern wurden in diesen Schichten auch zahlreiche Fossilien von Landtieren gefunden. Berühmte Beispiele im Bereich der Altmühlalb sind Flugsaurier, die im Verlauf des Jura als erste Wirbeltiere den Luftraum eroberten, wie der taubengroße Urvogel Archaeopteryx, der eine Übergangsform zwischen Reptilien und den echten Vögeln darstellt.
Der Obere Jura zählt zu den fossilreichsten Formationen Deutschlands. Er wird in sechs zeitliche Unterabschnitte gegliedert, die mit den griechischen Buchstaben Alpha bis Zeta bezeichnet werden.

Wie entstanden die Felsen am Burgstein?

Während die feinkörnigen und mergeligen Schichten der Wannen im Laufe der Zeit durch die überlagernden Sedimente stark kompaktiert wurden, widerstanden die schon frühzeitig durch kalzitischen Porenzement verfestigten Riff– und Plattformkalke dem Gebirgsdruck und blieben als Tafeln und mächtigere 'Stotzen' erhalten. Die Erosion präparierte diese härteren und massiveren Partien bevorzugt heraus, was insbesondere an den Prallhängen der Flüsse zu Felsfreistellungen führte.

Das heutige Altmühltal bei Dollnstein wurde einst von der Ur–Donau geschaffen, die damals noch durch das Wellheimer Trockental floss. Die Felsfreistellungen am Burgstein sind also nicht das Werk der jetzt im Tal fließenden Altmühl, sondern der eiszeitlichen Ur–Donau.

Wann entstanden die Kalke und Felsen des Burgstein?

Die Kalke des Malm entstanden vor etwa 135 bis 154 Millionen Jahren. Man vermutet, daß Süddeutschland damals auf etwa 30° nördlicher Breite lag (wie heute Florida). Der Atlantik begann sich gerade zu bilden und war nicht breiter als heute das Rote Meer.
Das Relief der Täler ist dagegen jung: Vor etwa 5 Millionen Jahren begann sich die Ur–Donau einzuschneiden und damit die Felsen herauszupräparieren. Erst während der Riß–Eiszeit vor rund 150 000 Jahren verlegte die Donau ihren Lauf vom jetzigen Altmühltal an den Südrand der Alb.

Biotop– und Geotopschutz am Burgstein

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Der ökologische Wert des Naturschutzgebiets "Trockenhänge Dollnstein" resultiert vor allem aus der Reichhaltigkeit verschiedener Biotoptypen, die einen intakten Lebensraum für viele gefährdete Tiere und Pflanzen bilden. Seit alters her wurden die Flächen als Schafweiden genutzt und entscheidend durch diese extensive Bewirtschaftungsweise mitgestaltet; es entstand die für das Altmühltal kennzeichnende Kulturlandschaft der "Wachholderheide".
Mit dem Rückgang der Schafbeweidung waren in den letzten Jahren Pflegemaßnahmen für den Erhalt dieses komplexen Lebensraums notwendig. Völlig zugewachsene Flächen wurden wieder entbuscht und für die Beweidung erforderliche Triebwege geschaffen. Ganz im Sinne des Geotopschutzes wurde dadurch aber auch das Naturdenkmal Burgsteinfelsen als markantes Landschaftselement freigestellt und damit aufgewertet. So kann man nun beispielsweise am Ostfuß des Felsens die Querschnitte verkieselter Tellerschwämme erkennen, die hier in 23 übereinander abgelagerten Generationen 1 Meter Gestein bilden. Für Kletterer ist der Felsen ein überregional bekanntes und beliebtes Ziel.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Burgstein bei Dollnstein entstand zur Zeit des oberen Jura

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