Kupferbergwerk Wilhelmine

Eingang des Bergwerks Wilhelmine Bild vergrössern Bergwerkseingang

Im "Bergwerk Wilhelmine" wurde früher eines der wenigen Kupfervorkommen Bayerns abgebaut. Vor allem die Wand des ehemaligen Tagebaues, in der sich die Stollenmundlöcher befinden, ist von spektakulär blau und grün gefärbten Sekundärmineralen überzogen

Anfahrt - So finden Sie das Bergwerk Wilhelmine

Sommerkahl erreichen Sie über die Autobahn A3 Aussfahrt Hösbach. Hier biegen Sie rechts auf die B26 ab und nach 400 Metern gleich wieder links auf die Staatsstraße 2307 Richtung Schimborn/Königshofen.
Bei Schimborn rechts abbiegen Richtung Sommerkahl.
Das Geotop befindet sich am östlichen Ortsende von Sommerkahl und ist im Ortsbereich ausgeschildert.

Wenn Sie das Besucherbergwerk besichtigen möchten, finden Sie die Öffnungszeiten unter

Beschreibung

Wie und wann entstand das Gestein der Wilhelmine

Stollen und Schächte des Bergwerks auf einem Plan Bild vergrössern Stollen und Schächte des Bergwerks

Das Kupfervorkommen befindet sich im kristallinen Grundgebirge des Spessarts innerhalb eines Muskovit Biotit Gneises ("Schöllkrippener Gneis"). Dieser Gneis entstand vor etwa 405–420 Millionen Jahren in der Zeit des Silur während der variszischen Gebirgsbildung. Damals wurde sein Ausgangsgestein ein Granit durch Temperatur und Druckeinwirkung tief unter der Erdoberfläche umgewandelt ("Metamorphose").
Im Perm überflutete ein Meer den inzwischen durch Erosion freigelegten Gneis und bedeckte ihn mit Sedimenten dem Kupferschiefer des Zechsteins (dunkle Tonschiefer mit hohem Anteil an biogenem Material).

Wie kam es zur Kupferanreicherung?

Kupfer ist in den meisten Gesteinen in geringer Konzentration vorhanden. Wirtschaftlich interessant wird ein Abbau aber erst, wenn durch geologische Prozesse das Kupfer auf engem Raum zu einer Lagerstätte angereichert wurde.
In der Lagerstätte "Wilhelmine" ist die Kupferanreicherung an Quarz und Schwerspat Gänge gebunden. Die bis zu 30 Zentimeter mächtigen Gänge zeichnen Risse und Störungen im Gneis nach, die durch Spannungen in der Erdkruste entstanden waren. Diese Störungszonen "verheilten" später, indem zirkulierende heiße, wässrige ("hydrothermale") Lösungen dort ihre Fracht abschieden. Es kristallisierten Quarz und Schwerspat sowie mengenmäßig untergeordnet kupferhaltige Erzminerale aus.

Für die Anreicherung des Kupfers gibt es zwei unterschiedliche Erklärungen: Entweder brachten aufsteigende Lösungen das Kupfer aus tieferen Gesteinskörpern mit, oder von der Erdoberfläche versickernde Wässer lösten das Kupfer aus den überlagernden Gesteinen – vermutlich dem Kupferschiefer und setzten es in den Quarz und Schwerspat Gängen ab.

Warum sind die Felsen grün und blau?

Als primäre Kupfer Minerale findet man in den Gängen des Bergwerks vor allem die Sulfide (Schwefelminerale, Kupferkies (Chalkopyrit CuFeS2), Buntkupferkies (Bornit Cu5FeS4) und Arsenfahlerz (Tennantit Cu12As4S13). Diese primären Erzminerale verändern sich unter dem Einfluss von Luft, Wasser und Karbonaten – ähnlich wie Eisen verrostet. Während allerdings aus Eisen rote Eisenhydroxide entstehen, bilden sich aus den Kupfersulfiden farbenprächtige blaue und grüne Kupfer Sekundärminerale, vor allem Malachit (grün) und Azurit (blau).
Sie überkrusten als dünner Überzug das anstehende Gestein, sind jedoch meist nicht abbauwürdig. Wegen ihrer Auffälligkeit sind sie bei der Suche ("Prospektion") nach neuen Lagerstätten allerdings wertvolle Helfer. Man bezeichnet sie daher auch als Prospektionsminerale.

Geschichte des Bergbaus bei Sommerkahl

Arbeiter des Bergwerk Wilhelmine. Aufnahme aus dem Jahr 1920 Bild vergrössern Arbeiter des Bergwerk Wilhelmine 1920

Der älteste, urkundlich dokumentierte Bergbau aus der Umgebung Sommerkahls fand Mitte des 16. Jahrhunderts statt. Mit wechselndem Erfolg wurden über die folgenden Jahrhunderte kupfer– und eisenhaltige Minerale gewonnen. Zahlreiche alte Schürfe, Abraumhalden und Stollen zeugen von den bergbaulichen Aktivitäten.
Im Bergwerk "Wilhelmine" wurde erst 1871 mit dem untertägigen Kupferabbau begonnen. Nach mehreren Unterbrechungen der Schürftätigkeiten gipfelte die Förderung von 1920 bis 1922 in einer Tagesleistung der über 100 Arbeitskräfte von etwa 70 Tonnen Erz. Daraus konnte etwa eine Tonne hüttenfertiges Erzmineralkonzentrat gewonnen werden. Die unrentabel niedrigen Kupfergehalte führten schließlich zur endgültigen Stilllegung des Bergwerks im Jahr 1922.

Der Verein "Kupferbergwerk Grube Wilhelmine Sommerkahl e. V. 2000" hat es sich zum Ziel gemacht, die untertägigen Anlagen für Besucher wieder zugänglich zu machen.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Das Gestein entstand zur Zeit des Karbon

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