Wachsender Felsen von Usterling

Der wachsende und bemooste Felsen von Usterling Bild vergrössern Der wachsende und bemooste Felsen von Usterling

An den Quellaustritten von kalkreichen Grundwässern findet man häufig Quellkalkbildungen. In seltenen Fällen kommt es zur Entwicklung einer besonderen Form, der "Steinernen Rinne". Der "Wachsende Felsen" von Usterling ist mit fast 40 m Länge und 5 m Höhe die größte Steinerne Rinne in Deutschland.

Anfahrt - So finden Sie den wachsenden Feslen von Usterling

Die Autobahn A92 München-Deggendorf an der Abschlußstelle 19 (Landau a.d. Isar) verlassen und auf der B20 Richtung Landau fahren.
Nachdem Sie die Isar überquert haben, biegen Sie am Ortsrand von Landau nach rechts auf die Kreisstraße nach Mamming/Dingolfing ab.
Das Geotop ist ab dieser Abzweigung ausgeschlildert und befindet sich nach ca. 3 km am östlichen Ortsrand von Usterling. Tipp: Das Geotop liegt direkt am Isarradweg.

Das Geotop ist ein Naturdenkmal. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Wie entstehen Quellkalke und Steinerne Rinnen?

Quellkalke entstehen dort, wo kalkreiches Grundwasser gleichmäßig an der Oberfläche austritt. Durch Druckentlastung und Erwärmung gibt das Wasser seine Fracht an gelöstem Kohlendioxid (CO2) ab. Schnelles Fließen des Wassers verstärkt diesen chemischen Prozess, der vergleichbar mit dem Öffnen einer Mineralwasserflasche ist. Durch den Entzug des gasförmigen Kohlendioxids entsteht das wenig lösliche Kalziumkarbonat (CaCO3), das als Quellkalk abgeschieden wird.
Dieser Vorgang ist übrigens auch im heimischen Haushalt als Kesselsteinbildung zu beobachten. Bei der Entstehung von Steinernen Rinnen spielen auch biologische Faktoren eine wichtige Rolle. Moose und Algen entziehen dem Wasser zusätzlich Kohlendioxid, da sie dieses Gas für ihre Atmung brauchen. Der Prozess ist für einen wesentlichen Teil der Kalkabscheidung verantwortlich.
So entstandene Kalke haben eine poröse, bröckelige Struktur und werden als "Kalktuffe" bezeichnet. Da Pflanzen Licht benötigen, sind sie bestrebt, über die entstehenden Kalkkrusten hinauszuwachsen. Das Wasser gräbt sich also nicht, wie sonst üblich, in den Untergrund ein, vielmehr baut sich durch die Wechselbeziehung von Pflanzenwachstum und Kalkfällung nach und nach einen Damm auf, dessen Scheitel vom Quellbach durchflossen wird.

Detailbild zum Wachstum des Felsens Bild vergrössern Details zum Wachstum

Der Aufbau des Wachsenden Felsens

Außerhalb der zentralen Rinne wird der Damm beidseitig von tuffbildenden Moosen (z.B. Starknervenmoose, v.a. Cratoneuron commutatum und Lebermoose) aufgebaut. Die Auskleidung des Bachbettes auf dem Dammscheitel erfolgt dagegen durch Blau- und Grünalgen sowie Zieralgen.

Mit dem Wort "tofus" (Tuff) wurden in der Antike raue, poröse Gesteine beschrieben, die durch Hohlräume und Lufteinschlüsse gekennzeichnet sind. Deshalb wird der Name sowohl für vulkanische Ablagerungen ("vulkanischer Tuff") als auch für Kalkabscheidungen an Quellaustritten ("Kalktuff") verwendet.

Wie alt ist der Wachsende Felsen von Usterling?

Die Steinerne Rinne liegt in einem Hang, der aus ca. 20 Millionen Jahre alten Lockergesteinen der Oberen Süßwassermolasse (OSM) aufgebaut wird. Das Grundwasser tritt seit langem an einer Stelle an der Schichtgrenze von wasserführenden Kiesen zu wasserstauenden Mergeln (kalkhaltige Tone) aus. Genaue Altersangaben für die Entstehung der Kalktuffbildungen am Quellbach liegen bisher nicht vor; Schätzungen belaufen sich aber auf einige tausend Jahre. Damit ist die Steinerne Rinne - geologisch betrachtet - sehr jung.

Geschichte und Bedeutung des Johannisfelsen

Das älteste Abbild vom "Wachsenden Stein" von Usterling ist das Altarbild in der Usterlinger Kirche aus dem Jahr 1520. Dort ist die Taufe Christi durch Johannes den Täufer dargestellt. Die Taufwasser spendende Quelle läuft über die Steinerne Rinne, deshalb wird dieser Stein auch "Johannisfelsen" genannt. Dem Wasser wurde Heilkraft für Augenkrankheiten zugeschrieben. Aus diesem Grund war Usterling Jahrhunderte lang ein Wallfahrtsort. Noch heute waschen sich die Menschen der Umgebung ihre Augen am 24. Juni, dem Johannistag, mit dem Quellwasser.

Wie wird die Rinne geschützt?

Über viele Generationen hatte der Messdiener der Kirche in Usterling dafür Sorge zu tragen, dass das Gerinne von Laub und Erde frei blieb. Im Winter wurde das Wasser umgeleitet, damit an der Rinne keine Schäden durch Frosteinwirkung entstehen. Vor 10 Jahren hat diese Arbeiten die Naturschutzwacht des Landkreises Dingolfing-Landau übernommen.
Seit 1937 steht der eindrucksvolle, insgesamt 37 m lange und bis zu 5,4 m hohe Kalktuffdamm unter Naturschutz. Wenngleich die Entstehung der Rinne eine geologische Ursache hat, so erhielt sie ihr heutiges Gesicht auch mit Hilfe des Menschen. Ohne die erhaltende Tätigkeit und die behutsamen baulichen Eingriffe wäre der Johannisfelsen längst verfallen.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Wachsende Fels von Usterling entstand zur Zeit des Quartärs

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