Silberberg Bodenmais

Bergbauspuren (Stollenzugang) am Silberberg Bild vergrössern Bergbauspuren am Silberberg

Wegen seiner historischen Bergbauspuren über- und untertage gehört der Silberberg bei Bodenmais zu den bekanntesten geologischen Sehenswürdigkeiten des Bayerischen Waldes. Dort wurden seit dem 15. Jahrhundert unter anderem silberhaltige Erze gewonnen. Alte Stollen sind heute durch das Besucherbergwerk zugänglich.

Anfahrt - So kommen sie zum Silberberg bei Bodenmais

Aus Richtung München über A92 oder aus Richtung Regensburg über A3 am Autobahnkreuz Deggendorf abfahren nach Norden über B11 bis Patersdorf.
Ab dort über die St2136 durch Teisnach und Böbrach bis nach Bodenmais. In Bodenmais der Beschilderung Richtung Besucherbergwerk / Silberbergbahn folgen.
Das Geotop befindet sich an der Mittelstation der Silberbergbahn.

Wenn Sie das Besucherbergwerk besichtigen möchten, finden Sie die Öffnungszeiten unter

Beschreibung

Gesteine des Silberbergs

Der Silberberg besteht aus ehemaligen sandig-tonigen Meeresablagerungen und Erzschlämmen, die vor 900 Millionen Jahren entstanden und bei einer späteren Gebirgsbildung quasi "unter die Räder" kamen. Sie wurden dabei tief unter die Erdoberfläche versenkt und bei hohen Druck- und Temperaturbedingungen zu den heutigen Gneisen und Erzkörpern umgewandelt.
Diese als "Metamorphose" bezeichneten Überprägungen wiederholten sich in großen Zeitabständen, die letzte endete vor etwas über 275 Millionen Jahren.

Warum gibt es Silber am Silberberg?

Ausgangsmaterialen des späteren Silberbergs waren typische Meeressedimente, in denen man normalerweise kein abbauwürdiges Silber findet. Hier trafen aber zwei entscheidende Faktoren zusammen: Aus Öffnungen am damaligen Meeresgrund traten heiße Wässer, sogenannte hydrothermale Lösungen, aus. Beim Kontakt mit dem Meerwasser wurden die darin enthaltenen Metalle wie Eisen, Zink, Blei und Silber als Erzschlämme ausgeschieden und bald darauf wieder mit Sand und Ton überdeckt.

Später, im Verlauf mehrerer Metamorphosen, entstanden daraus die heutigen Erzkörper, die meist in 2 bis 6 Meter großen, perlschnurartig aufgereihten Linsen im Gneis zu finden sind. Sie enthalten bereichsweise auch silberhaltigen Bleiglanz.

Welche Mineralien kann man hier finden ?

Die hydrothermalen Lösungen waren vulkanischen Ursprungs. Wegen ihres starken Schwefelgehaltes bildeten sich überwiegend Schwefelminerale, sogenannte Sulfide. Während der Metamorphosen entstanden unter anderem die Eisensulfide Pyrrhotin (Magnetkies) und Pyrit (Schwefelkies), das Zinksulfid Sphalerit (Zinkblende) und das Bleisulfid Galenit (Bleiglanz). Mit Ausdauer und etwas Glück kann man heute noch derbe Stücke mit grünem Plagioklas (Andesin), veilchenblauem Cordierit oder weißem Sillimanit finden. Am Silberberg sind über 80 verschiedene Mineralien nachgewiesen – ein Eldorado für Mineralogen!

Geschichte des Bergbaus

Bergmänner aus historischer Zeit im Stollen Bild vergrössern Bergmänner aus historischer Zeit im Stollen

Mit der Grube "des allmechtigen Gottes Gab" wurde der Silberberg 1463 erstmals urkundlich erwähnt, ohne Zweifel ging hier aber schon früher Bergbau um. Wegen der Silbergehalte bis ein Prozent baute man anfangs vor allem Bleiglanz ab. Als die Edelmetallgewinnung unrentabel geworden war, konzentrierte man sich ab 1530 auf Eisensulfide. Aus ihnen wurden Vitriol und Polierrot hergestellt.
Vitriole, kristallwasserhaltige Schwefelsalze verschiedener Metalle, waren damals ein gesuchtes Produkt zum Gerben von Leder und Färben von Textilien. Polierrot, ein rotes Eisenoxid-Pulver, fand zunächst als Mauerfarbe, ab 1750 auch zum Spiegelschleifen Verwendung.
Später entwickelte sich die Polierrotherstellung zur tragenden Säule des Bergbaus, da Bodenmais bis zum ersten Weltkrieg dafür das Monopol in Europa besaß. Nach über 500 Jahre andauernder Abbauzeit erlosch die Erzgewinnung am Silberberg im Jahre 1952.
Die Stollen und Schächte, mit denen der Silberberg durchlöchert ist, erreichen eine Gesamtlänge von mehr als 20 Kilometern.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Silberberg entstand zur Zeit des Perm

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