Frickenhäuser See

Blick auf den Frickenhäuser See Bild vergrössern Blick auf den Frickenhäuser See

Das Geotop Frickenhäuser See erschließt ein im nördlichen Unterfranken einmaliges Naturdenkmal: Durch das Zusammenspiel von Erddynamik, Gestein und Wasser im Verlauf der Erdgeschichte bildete sich hier durch Auslaugungsvorgänge im Untergrund ein sogenannter "Erdfall See", dessen Entstehung als einziger in der Region nicht vom Menschen beeinflusst wurde.

Anfahrt- So finden Sie den Frickenhäuser See

Auf der B19 zwischen Bad Neustadt und Mellrichstadt in Oberstreu abbiegen Richtung Frickenhausen. Am Ortseingang von Frickenhausen in Richtung Sportplatz abzweigen. Nach ca. 150 Metern befindet sich der Geotop auf der linken Seite.

Beschreibung

Die Zeit des oberen Perm

Im geologischen Zeitalter des Oberen Perm, im sogenannten Zechstein (vor ca. 260 Millionen Jahren) war Unterfranken Teil eines Binnenmeeres, das weite Teile Mitteleuropas bedeckte. Aufgrund des damals herrschenden warmen Klimas waren die Verdunstungsraten in diesem Zechstein Meer hoch und es kam zur Abscheidung von Karbonaten (Kalke und Dolomite) und Salzgesteinen (Kali und Steinsalz).
Die hohe Verdunstung führt im Meerwasser bei fehlender oder eingeschränkter Frischwasserzufuhr zu einer Erhöhung der Salzkonzentration (z.B. Totes Meer). Wenn die Konzentration der gelösten Salze so hoch geworden ist, dass das Wasser sie nicht mehr in Lösung halten kann, scheiden sich die Salze als Kristalle ab (ähnlich wie verdunstendes Meerwasser auf der Haut eine Salzkruste hinterlässt). Kali und Steinsalze sind sehr gut wasserlöslich und werden daher als letztes abgeschieden, aber bei Frischwasserzufuhr auch als erstes wieder gelöst. An der Erdoberfläche werden Salzablagerungen daher nur selten angetroffen. Mit Hilfe von Tiefbohrungen konnte im Bereich von Mellrichstadt eine Mächtigkeit der Zechstein–Ablagerungen von fast 250 Meter festgestellt werden.
Im weiteren Verlauf der Erdgeschichte wurden diese Gesteine jedoch durch die Ablagerungen des Erdmittelalters überdeckt und in Unterfranken fast gänzlich von Oberflächeneinflüssen abgeschirmt. Im Gebiet um Frickenhausen lassen sich wiederum mit Hilfe von Bohrdaten Überlagerungsmächtigkeiten von rund 700 Metern rekonstruieren.

Wie entstand der Frickenhäusener See?

Bewegungen der Erdkruste im Zuge der Alpenentstehung ( Kollision Afrika Europa) gegen Ende des Erdmittelalters führten in ganz Deutschland zu tiefgreifenden Rissen und Brüchen innerhalb des Gesteinsverbandes. Dabei wurden Gesteinsblöcke auf Gleitflächen (sog. Störungsflächen) im Millimeter bis zu Kilometerbereich gegeneinander verschoben.

Frickenhausen liegt inmitten einer dieser Bruchzonen, der "Heustreuer Störungszone". Diese Gleitflächen stellen eine Schwächezone innerhalb des Gesteinsverbandes dar und ermöglichten in einigen Fällen durch die Schaffung neuer Fließwege den Zutritt von Oberflächen oder Grundwasser in tieferliegende Gesteinsschichten bis hinunter zu den Zechstein Salzen. Durch Auslaugung des wasserlöslichen Gesteins bildeten sich hier im Verlauf von mehreren Millionen Jahren große Hohlräume im Untergrund, die schließlich unter der Last des Deckgebirges zusammenstürzten.

Schemazeichnung der Schichtenabfolge (von Oben nach Unten dargestellt: Muschelkalk, Buntsandstein, Dolomit, Zechsteinsalz, Grundgebirge) im Gebiet des Frickenhäuser Sees. Erläuterung im nachfolgenden Text Bild vergrössern Sedimentabfolge in ungestörter Lagerung
Schemazeichnung der Schichtenabfolge im Gebiet des Frickenhäuser Sees. Erläuterung im nachfolgenden Text Bild vergrössern Durch Bewegungen in der Erdkruste werden die Sedimentlagen gestört und gegeneinander verschoben. An den so entstandenen Störungsflächen kann Wasser bis zum Zechsteinsalz vordringen und dieses lösen
Schemazeichnung der Schichtenabfolge im Gebiet des Frickenhäuser Sees. Erläuterung im nachfolgenden Text Bild vergrössern Der durch die Auslaugung entstandene Hohlraum bricht ein und die darüber liegenden Sedimentlagen stürtzen nach. Die an der Oberfläche entstehende trichterförmige Mulde (Doline) füllt sich mit Wasser und es entsteht ein See

Dieser Vorgang, der auch als Subrosion bezeichnet wird, hat sich bis zur Erdoberfläche durchgepaust, das heißt die darüberliegenden Schichten sind nachgesackt und bilden an der Oberfläche nun einen Absenkungstrichter. Die spezielle Lage im Tal und Grundwassernähe führten schließlich dazu, dass sich dieser Trichter mit Wasser füllte.

Was ist hier zu sehen?

Der abflusslose und fast kreisrunde Frickenhauser See hat einen Umfang von 380 Metern und eine maximale Tiefe von 28 Metern. Der See wird halbseitig von einer hohen Felswand umschlossen, die Schichten des Unteren Muschelkalks zeigt und durch den Abriss des Nebengesteins beim Erdfall entstanden ist. Die Hohlform, in der sich hier ein See gebildet hat, wird aufgrund ihrer Entstehung durch Auslaugungsvorgänge im Untergrund auch als Doline oder Einsturztrichter bezeichnet.

Blick auf den Frickenhäuser See Bild vergrössern Blick auf den Frickenhäuser See

Welche Bedeutung hat der Frickenhäuser See?

Der Geotop bei Frickenhausen zeigt in eindrucksvoller Weise, welchen komplizierten Mechanismen die Ausformung der heutigen Landoberfläche zugrunde liegen und wie die einzelnen Naturelemente dabei ineinander greifen. In Gebieten, wo sich auslaugungsfähige Gesteine nahe der Oberfläche befinden (z.B. Sachsen–Anhalt), stellen diese Senkungen und Einstürze an der Erdoberfläche ein ständiges Risiko dar. Hier in Frickenhausen hat die Natur mit dem Erdfall jedoch ein landschaftliches Kleinod geschaffen, das von der einheimischen Bevölkerung gepflegt und als öffentliches Bad genutzt wird. Es ranken sich zahlreiche Mythen um ihn und das jährlich stattfindende Seefest ist ein fester Bestandteil im lokalen Terminkalender.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Die "Grundlagen" für die Entstehung des Erdfall-Sees liegen in der Zeit des Perm

Weiterführende Informationen

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