Watzmann-Ostwand mit Eiskapelle

Mit fast 1.800 Meter Höhe ist die berühmte Ostwand des Watzmann eine der höchsten Felswände der Ostalpen. An Fuß des imposanten Gebirgsstockes am Ende des Eisbachtals bei St. Bartholomä am Königsee befindet sich das tiefst-gelegene dauerhafte Firneisvorkommen im deutschen Alpenraum. Dort hat sich eine Eishöhle gebildet, die ständig ihre Gestalt verändert.

In der Eiskapelle Bild vergrössern In der Eiskapelle. (Foto: Stefan Glaser, Krailling)

Anfahrt - So finden Sie zum Zugang zur Watzmann-Ostwand und Eiskapelle

Die A8 (München-Salzburg) an der Anschlussstelle Bad Reichenhall in Richtung Bad Reichenhall / Berchtesgaden verlassen und nach 3 km auf die B21 Richtung Berchtesgaden einbiegen. Dieser um Bad Reichenhall herum folgen, dann auf die B20 wechseln und nach Berchtesgaden fahren. In Berchtesgaden Richtung Königssee abbiegen und der Straße bis zu ihrem Ende am großen Parkplatz nahe des Königssees folgen. Mit dem Schiff weiter über den Königssee zur Anlegestelle St. Bartholomä, dort an der Kapelle St. Johann und Paul vorbei ins Tal des Eisbachs und weitere 2 km und 200 Höhenmeter talaufwärts bis zum Firneisfeld.

Die Eiskapelle ist ständig einsturzgefährdet, vor dem Betreten wird dringend gewarnt!

Beschreibung

2.000 Meter Erdgeschichte

Das wuchtige Erscheinungsbild des Watzmann, an dessen Fuß die Eiskapelle liegt, ergibt sich aus seiner beachtlichen relativen Höhe:
Vom Königssee aus gemessen sind es immerhin mehr als 2.100 m bis zum Gipfel. Der Sockel des Berges besteht zum großen Teil aus splittrig-grusig verwitterndem Dolomit, dessen enorme Schuttmassen auf der Ostseite des Berges den Schwemmfächer von St. Bartholomä aufbauen.

In der Oberen Trias, zur Zeit des Karns und des Nors vor ca. 220 Millionen Jahren, entstand das Gestein in einem seichten Meer. Darüber lagerte sich der Dachsteinkalk ab, der den größten Teil des Watzmann-Massivs einnimmt. Er ist außerordentlich fossilreich und bis zu ca. 1.000 m mächtig. Am Watzmann besteht er vorwiegend aus einer Wechsellagerung von dünnen Ton- und Dolomitlagen und bis zu 20 m dicken Kalkbänken. Eine derartige Gesteinsbank mit darüber folgender Schichtfuge repräsentiert durchschnittlich ca. 30.000 bis 50.000 Jahre Erdgeschichte.

Die Eiskapelle

Skizze: Schnitt durch Felswand und die, von Lawinen verschüttete Eiskapelle Bild vergrössern Eiskapelle im Frühjahr

Unterhalb der Watzmann-Ostwand befindet sich ein Firnfeld, das trotz der fast 2.000 m höher liegenden sommerlichen Schneegrenze das ganze Jahr über besteht. Der Grund hierfür sind die enormen Schneemassen, die im Winter und Frühjahr vor allem in Form von gewaltigen Lawinen aus der Wand abgehen und so das Firnfeld nähren. Die Mengen reichen aber nicht aus, um einen fließenden Gletscher zu erzeugen.
Innerhalb des unscheinbaren Firneisfleckens befindet sich ein geräumiger, gangförmiger Hohlraum, die so genannte Eiskapelle. Ihr Eingang gleicht einem Gletschertor, das Innere bilden verschiedene Schächte und Gänge, die im Sommer bis über 30 m Breite und 15 m Höhe erreichen. An den Wänden befinden sich durch Schmelzvorgänge entstandene, charakteristische Auskehlungen. Wenn im Winter die Zugänge durch Schnee erneut blockiert werden, schrumpfen die Höhlengänge wieder. So wechseln Firnfeld und Höhle ständig ihre Gestalt.

Ständiger Wandel der Eishöhle

Skizze: Durch Bach und Luftzirkulation bilden sich Hohlräume unter der Eiskapelle Bild vergrössern Eiskapelle im Herbst

Niederschlagswässer, die im Sommer über die Ostwand abfließen, schmelzen Schächte in die Rückseite des Firnfeldes. Auf dem Schuttboden unter dem Firnfeld entsteht ein Gewässernetz, das auch an der Unterseite des Eises Gänge frei schmilzt. Sobald das Gangsystem durchgängig ist, setzt Luftzug ein: Schwere, kalte Luft aus der Höhle fließt – entgegen dem Kamineffekt – aus dem unteren Eingang ab und saugt dadurch von oben warme Luft durch die Schächte nach. Durch diesen Luftzug erweitern sich die Höhlengänge im Sommer stark. Im Winter kommt die Luftzirkulation zum Stillstand und durch plastische Verformung des Eises verkleinern sich die Höhlengänge.

Abschmelzen durch Klimawandel ?

Der "Gletscher" am Wandfuß ist das tiefstgelegene Vorkommen von Firneis im deutschen Alpenraum, das ständig besteht – ungeachtet der fast 2.000 m höher liegenden sommerlichen Schneegrenze. Trotz des Klimawandels ist zu erwarten, dass es dauerhaft bestehen bleibt, da es in jedem Winter durch Lawinen erneut genährt wird.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern
Zeittafel. Die Gesteine des Watzmanns entstanden zur Zeit der oberen Trias

Weiterführende Informationen

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