Beispiele guter Pflege

Die nachfolgenden Beispiele stellen gelungene Maßnahmen vor.

1 Wiederherstellung eines wissenschaftlichen Referenzprofils - Aufschluss einer ehemaligen Meeresküste: Ehemaliger Steinbruch bei Obertrübenbach, Landkreis Cham

Bedeutung des Geotops und Ausgangssituation

Im Steinbruch Obertrübenbach liegen kreidezeitliche Sedimentgesteine direkt über viel älteren Gesteinen des Grundgebirges. Der Aufschluss bietet die einzigartige Möglichkeit in Bayern, die Spuren des Meeresvorstoßes in der Oberkreidezeit zu studieren. Nur ein Rest der Aufschlusswand von wenigen Quadratmetern Größe war noch vorhanden, der auch nur schwer zugänglich war. Der größte Teil war verschüttet, verfüllt und zugewachsen.

Maßnahme

In einer gemeinsamen Aktion der Naturparke Vorderer Bayerischer Wald und Oberer Bayerischer Wald, der Stadt Roding und des Landratsamtes (untere Naturschutzbehörde) wurde der Steinbruch im Jahr 2008 von Unrat und Grünabfällen gereinigt sowie die Auffüllungen beseitigt. Ein flacher Tümpel für spezialisierte Amphibienarten wurde neu angelegt. Heute ist der erdwissenschaftlich bedeutende Steinbruch frei zugänglich und wurde bereits von Expertengruppen begutachtet. Zwei Tafeln informieren die Besucher über die geologischen Besonderheiten und den Lebensraum "alter Steinbruch".

Der fast ganz verwachsene und verfüllte Steinbruch Bild vergrössern Der fast ganz verwachsene und verfüllte Steinbruch im Jahr 2007
Schautafel am Geotop Bild vergrössern Die Schautafel informiert über die Bedeutung des Steinbruchs als eines von Bayerns schönsten Geotopen, eine zweite Tafel über das "Leben im alten Steinbruch"

2 Freistellung von markanten Verwitterungsformen: "Matratzenverwitterung": Drei-Brüder-Felsen, Landkreis Wunsiedel

Bedeutung des Geotops und Ausgangssituation

Die drei eng benachbarten Felstürme südwestlich des Rudolfsteins bilden eine imposante Felsgruppe aus Granitgestein, das vor ca. 285 Millionen Jahren entstand und später durch Verwitterung und Abtragung heraus präpariert wurde. Aufgrund der horizontalen Klüftung des Granitgesteins sind in eindrucksvoller Weise die charakteristischen Formen der Matratzenverwitterung entstanden. Durch die Lage im Fichtenwald und der Fichtenaufwuchs im direkten Umfeld der Felstürme wird die Bedeutung des Geotops für die Wanderer nicht mehr sichtbar und erlebbar.

Maßnahme

Die Drei-Brüder-Felsen werden im Rahmen einer forstwirtschaftlichen Pflegemaßnahme "ausgelichtet".

Freigelegter Felsen Bild vergrössern Nach der Auslichtung sind die Felsen wieder in ihrer vollen Größe und Schönheit sichtbar

3 Sichtbarmachen von eiszeitlichen Bildungen: Gletscherschliff bei Fischbach, Landkreis Rosenheim

Bedeutung des Geotops und Ausgangssituation

Der großräumig freigelegte Gletscherschliff ist eine Hinterlassenschaft des eiszeitlichen Inntal–Gletschers und wurde beim Autobahnbau freigelegt. Der abgeschliffene Riegel aus Wettersteinkalk weist typische Erscheinungen wie "Kritzungen", "Rundhöcker" und "Kolke" auf. Die Ablagerungen von Erde, Laub und anderem Feinmaterial fördern den Bewuchs, mit Moosen, Sträuchern und Bäumen und überdecken mit der Zeit die erdgeschichtlichen Zeichen des Gletschers.

Maßnahme

Damit diese Ausbildungen aus der Eiszeit langfristig wieder für jedermann erkennbar bleiben, hat die Gemeinde Flintsbach am Inn mit dem hohen und ehrenamtlichen Einsatz ihrer Jugendfeuerwehr den Gletscherschliff gereinigt: Größere Bäume, Sträucher, Moos und Abfälle wurden aus dem Bereich des Gletschergartens entfernt. Zum Abschluss wurden Teile des Gletscherschliffs – soweit es ohne Gefährdung der nahen Autobahn möglich war – mit Strahlrohren abgespritzt.
Die Pflege wurde in enger Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim durchgeführt, um seltene Pflanzen und Tiere nicht zu gefährden. Der Gletscherschliff ist als Naturdenkmal ausgewiesen.

Freigelegte Spuren des Gletschers im Fels Bild vergrössern Der Inntal-Gletscher hat seine Spuren hinterlassen

4 Extensive landwirtschaftliche Nutzung zum Erhalt von seltenen Bodenformen: Mahd der Buckelwiesen bei Mittenwald, Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Bedeutung des Geotops und Ausgangssituation

Rund um Mittenwald existieren heute noch die größten Buckelwiesen-Restbestände im gesamten Alpenraum – eine geomorphologische Besonderheit. Den Höhenrücken zwischen Mittenwald, Klais und Krün bilden Grundmoränen und darunter liegende Schotter- und See-Ablagerungen des Würm-Glazials (Eiszeit). Auf diesem kalkreichen Untergrund entwickelte sich eine mehr oder weniger zusammenhängende Buckelflur aus tausenden einzelner Hügel von 50 bis 100 Zentimeter Höhe. Über Jahrhunderte wurden die Buckelfluren als Grünland genutzt. Um die Bewirtschaftung zu erleichtern, wurden früher, vor allem in den 1920/30er-Jahren, große Bereiche eingeebnet. Die Restbestände der Buckelwiesen stellen nicht nur eine landschaftliche Besonderheit dar, sondern sind auch äußerst reich an Pflanzen- und Tierarten.

Maßnahme

Um diese Kostbarkeit zu erhalten, werden die Wiesen heute nicht mehr eingeebnet, nicht gedüngt und nur mehr extensiv –oft noch mit der Hand - bewirtschaftet. Die Naturschutzbehörden fördern diese aufwändige Bewirtschaftungsform über das Vertragsnaturschutzprogramm. Die Mahd verhindert auch, dass die Buckelfluren verbuschen, so dass ihre Bedeutung als Geotope und Biotope erhalten bleibt. Zu dichter Gehölzaufwuchs soll andernfalls entfernt werden.

Eingeebnete und erhaltene, gemähte Buckelwiesen nebeneinander Bild vergrössern Eingeebnete und erhaltene, gemähte Buckelwiesen nebeneinander

5 Dynamik zulassen/ Verbauungen entfernen bei natürlichen Aufschlüssen

Viele natürlich entstandene Prallhänge und Aufschlüsse sind durch bauliche Maßnahmen des Menschen verloren gegangen. Renaturierungsmaßnahmen entfernen heute – wo es möglich ist – Verbauungen und lassen somit eine natürliche Dynamik wieder zu. Auf diese Weise entstehen nicht nur wertvolle Biotope, sondern auch Geotope, die einen Einblick in die Schichtfolge des geologischen Aufbaus unserer Erde erlauben.

Bei der Bodenmühle am Roten Main befindet sich einer der wenigen natürlichen Gesteinsaufschlüsse im Mittleren Keuper Nordostbayerns – die Bodenmühlwand.

Die Bodenmühlwand Bild vergrössern Die Bodenmühlwand

6 Bergbauspuren sichern und darüber informieren: Künstliches Stollenmundloch und Informationstafeln bei der Peitinger Pechkohle, Landkreis Weilheim-Schongau

Bedeutung des Geotops und Ausgangssituation

Am Bühlach bei Peiting wurde beim Straßenbau ein Kohleflöz freigelegt. Der Aufschluss von Flöz 2 an der Ostseite des Bühlach erinnert nicht nur an den bis 1968 andauernden Kohlebergbau in Peiting, sondern ist darüber hinaus ein besonders wertvolles Objekt für die wissenschaftliche Forschung und Lehre sowie für die Natur- und Heimatkunde. Hier lassen sich nicht nur die Ablagerungsbedingungen zur Zeit der Entstehung der Gesteine, sondern auch die damaligen klimatischen Verhältnisse sowie Flora und Fauna rekonstruieren.

Maßnahme

Das damalige Geologische Landesamt und das Straßenbauamt Weilheim trafen im Jahr 1996 Vorkehrungen, dieses wichtige Geotop und damit den Blick in die geologischen Verhältnisse vor circa 25 Millionen Jahren auf Dauer zu erhalten und für Interessierte zugänglich zu machen. Ein künstliches Stollenmundloch dient heute dazu, den Aufschluss als Dokument der Erd- und Bergbaugeschichte dauerhaft zu erhalten.

Das 'Stollenmundloch' wird ausgemessen Bild vergrössern Das "Stollenmundloch" wird ausgemessen
Ein Gitter schützt das freigelegte Flöz Bild vergrössern Ein Gitter schützt das Flöz. Information und Betreuung: Knappenverein Peißenberg e.V.

7 Räumung und Restaurierung des geohistorischen Objektes: Felsenkeller in der Goldkronacher Kellergasse, Landkreis Bayreuth

Bedeutung des Geotops und Ausgangssituation

Die in den Buntsandstein gehauenen Keller sind teilweise über 200 Jahre alt. Die hier sichtbaren Deformationsstrukturen geben derzeit den besten Einblick in die Entwicklungsgeschichte der "Fränkischen Linie", der wichtigsten geologischen Störungszone in Bayern. Die Keller waren durch hoch anstehendes Wasser, Ablagerungen und Abfälle nur eingeschränkt bzw. nicht mehr zugänglich.

Maßnahme

Mit hohem Einsatz der Feuerwehr stellte die Stadt Goldkronach das Entwässerungssystem der Keller wieder her und ließ Müll und Ablagerungen entfernen. Der Geopark Bayern-Böhmen und das Goldbergbaumuseum leisteten wertvolle Unterstützung. Auch die Eingänge wurden saniert. Die Keller sind über Führungen zugänglich, die von der Stadt Goldkronach und dem Goldbergbaumuseum in Goldkronach angeboten werden.

Im Keller Bild vergrössern Die Keller im Buntsandstein sind für Führungen wieder zugänglich

8 Informationsvermittlung und Besucherlenkung

Der Untergrund auf dem wir leben bildet das Ausgangsmaterial für die Bodenbildung und die Nahrungsmittelproduktion, für Rohstoffe und Baugrund und ist auch Ursache für Erdrutsche und andere Georisiken.

Die geologische Vielfalt Bayerns lässt sich leicht anhand dem Projekt "Bayerns 100 schönste Geotope" erkennen. Zu den einzelnen Geotopen, seien es Felsen, Steinbrüche, Quellen, Schluchten oder vulkanische Reste wurde je eine Schautafel und Faltblatt erarbeitet. Wegweiser führen Einheimische und Touristen zum prämierten Objekt.

Hinweisschild 'Geologie erleben' auf ein Geotop Bild vergrössern Wegweiser zu einem von Bayerns schönsten Geotopen
Informationstafel in der Kellergasse Goldkronach Bild vergrössern Informationstafel zur sichtbar gewordenen Geologie in der Kellergasse Goldkronach

Auch können kleinere Infrastrukturmaßnahmen, wie Ergänzung oder Bau des Wanderwegs oder Absicherungsmaßnahmen sinnvoll und notwendig werden, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen.

Steinbruch Horwagen mit Seilsicherung Bild vergrössern Das abschüssige Gelände wurde am Steinbruch Horwagen mit einen durchgehenden Seil gekennzeichnet
Steinblöcke und Drahtseile kennzeichnen die Grenze zur Abbruchkante Bild vergrössern Steinblöcke und Drahtseile kennzeichnen die Grenze zur Abbruchkante des Kalksteinbruchs bei Solnhofen. Die "optische Barriere" ist nur gering

Vielseitige Erfahrungen zur Informationsvermittlung und Besucherlenkung bieten auch die Geoparks und die Naturparke in Bayern. Gemeinsam mit den Kommunen werden Lehrpfade, Wander(Themen-)wege und Exkursionen erarbeitet sowie Naturführer ausgebildet.