Georisiken – geologisch bedingte Gefahren in Bayern

Die Lage in Bayern

Die zunehmende Besiedelung auch in früher nicht bewirtschafteten Gebieten führt dazu, dass sich menschliche Aktivitäten auch in Bereiche ausdehnen, die durch geologische Gefahren gekennzeichnet sind. Insgesamt werden die Höhe der bedrohten Sachwerte und die Anzahl der Menschenleben immer größer, sei es durch immer aufwändigere Baukonstruktionen (Brücken, Gebäude, Talsperren etc.) oder durch eine immer größere Zahl an Menschen pro Flächeneinheit. Darüber hinaus ist unsere Gesellschaft heute auch stärker vom reibungslosen Funktionieren einer immer komplexeren Infrastruktur abhängig, als noch vor einigen Jahrzehnten.

Zwar zählt Bayern nicht zu den Hochrisikozonen wie beispielsweise die Länder im Umkreis des Pazifischen Feuergürtels oder dem Himalaya, aber im Einzelfall können durchaus auch in bestimmten Gegenden Bayerns erhebliche geologisch bedingte Gefahren drohen: Hangbewegungen in den Alpen, Erdfälle in Nordbayern, Felsstürze an praktisch allen steilen Böschungen sind die hauptsächlichen geologischen Gefahren. Erdbeben hingegen spielen in Bayern nur eine geringe Rolle. Neben diesen Gefahren zeichnet sich in den letzten Jahren eine Veränderung ab, die Einfluss auf einige geologische Gefahren hat. Durch die weltweite Klimaerwärmung werden sich die natürlichen Grundlagen auch in Bayern verändern und sowohl die Natur als auch der Mensch müssen sich auf diese Herausforderung einstellen. Zunehmende Niederschläge werden Konsequenzen für Massenbewegungen, Überschwemmungen und Erosion haben.

Massenbewegungen

Besonders in den Alpen, aber auch in den Mittelgebirgen Bayerns, verursachen die sogenannten gravitativen Massenbewegungen immer wieder große Schäden. Große Mengen Gestein verlagern sich - der Schwerkraft folgend - talwärts. Je nach Gestein, Wassersättigung und Hangneigung unterscheidet sich der Bewegungsvorgang. Die Klimaerwärmung mit sich verändernden Niederschlägen und abtauendem Permafrostbereichen beschleunigt in Teilen die Erosion und vergrößert damit die Häufigkeit solcher Ereignisse.

Berg mit Abbruchstelle und darunter aufgehäuften Felsmassen Bild vergrössern Felssturz bei Eiblschrofen

Ganz anderer Art ist vor allem in Nordbayern im Bereich der verkarstungsfähigen Gesteine des Muschelkalks und des Malms das Auftreten von Dolinen/Erdfällen. Diese durchaus plötzlich und unerwartet auftretenden Phänomene treten bevorzugt am Kreuzungspunkt von geologischen Störungen auf und führen zu einer verstärkten unterirdischen Auslaugung und Hohlraumbildung im Gestein. Dies kann lange Zeit völlig unbemerkt vor sich gehen und wird durch das plötzliche Durchbrechen von Teilen der Erdoberfläche zu einer Gefahr beispielsweise bei der Bewirtschaftung von Feldern durch Traktoren.

Erdbeben

Im Oktober 1356 ereignete sich in Basel das bislang schwerste Erdbeben in Mitteleuropa. Dabei wurden hunderte Menschen getötet und allein im näheren Umkreis 34 Burgen, Schlösser und Dörfer verwüstet. Die Abbildung zeigt einen Holzschnitt dieses Bebens. Auch in Bayern waren die Erschütterungen dieses Bebens deutlich zu spüren und angeblich verursachte es sogar noch in Rothenburg erhebliche Schäden.

Bayernkarte mit Markierung von Erdbeben Bild vergrössern Karte der historischen Beben in Bayern

Erdbeben entstehen hauptsächlich an den Rändern der tektonischen Platten der Erdkruste. Da Bayern nicht unmittelbar von einem solchen Rand durchzogen wird, sind die Risiken für große Erdbeben hierzulande glücklicherweise gering. Andererseits finden im Zuge der noch andauernden Auffaltung der Alpen und anderer geologischer Vorgänge auch hier Deformationen der Erdkruste statt, die sich in Erdstößen äußern.

Die wichtigsten bayerischen Erdbebengebiete sind dabei der Alpenrand, die Fränkische Alb und das Gebiet um Tirschenreuth - Marktredwitz. Letzteres liegt an einem Ausläufer des Eger-Grabens - eine recht junge geologische Struktur, an der auf tschechischer Seite auch die weltberühmten Brunnen von Karlsbad liegen.

Meteorite

Am 6. April 2002 zeichneten die Messgeräte des Feuerkugelnetzwerkes den Fall eines Meteoriten auf.

Neuschwanstein Meteorit Bild vergrössern Neuschwanstein Meteorit

Am Abend des 6. April 2002 wurden Tausende in Südbayern Zeugen, wie eine gleißend helle Feuerkugel den Himmel erhellte. Ein kosmischer Körper von etwa 300 - 400 kg Gewicht kollidierte mit der Erde. Durch intensive, systematische Suche konnten mittlerweile sogar einige Bruchstücke des Meteoriten in der Nähe des weltberühmten Schlosses Neuschwanstein gefunden werden. Seit dem Fall des sogenannten Schönenberger Meteoriten (25.12.1846) war dies das erste mal wieder, dass es in Bayern gelang, einen beim Fall beobachteten Meteoriten auch tatsächlich zu finden.

Regelmäßige astronomische Beobachtungen und theoretische Überlegungen zeigen, dass solche Ereignisse nicht so selten sind, wie man allgemein annimmt. Man geht davon aus, dass in Bayern ein Ereignis wie der Fall des Neuschwanstein-Meteoriten - statistisch gesehen - sich etwa alle 10 Jahre zuträgt. Nur selten sind die Beobachtungsumstände jedoch so günstig wie am Abend des 6. April 2002.

Dennoch: die Gefahr, von einem solchen Himmelsboten getroffen zu werden ist verschwindend gering.

Zeichnung vom Einschlag des Meteoriten Das Nördlinger Ries – ein gewaltiger Krater durch einen Meteoriteneinschlag im Tertiär

Weitaus drastischer verlief ein Ereignis, das sich vor fast 15 Millionen Jahren in der Fränkischen Alb zutrug: Damals kollidierte die Erde mit einem etwa 1 Kilometer großen Himmelskörper und seinem ca. 80 m großen Begleiter. Der Aufprall der beiden Körper mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 70.000 km/h setzte schlagartig etwa hundertmal mehr Energie frei, als bei dem verheerenden Beben im Dezember 2004 vor Sumatra abgestrahlt wurde. Innerhalb von Sekunden war im Umkreis von weit über 100 km jegliches Leben ausgelöscht, kopfgroße Steinbrocken flogen bis in die Gegend von Augsburg und Pfaffenhofen, Gesteinsschmelze sogar bis Böhmen, Mähren und in die Lausitz. Am Boden blieben zwei Einschlagkrater: Das Nördlinger Ries (Durchmesser ca. 25 km) und das Steinheimer Becken (Durchmesser ca. 3,5 km). Beides sind heute geologische Sehenswürdigkeiten von Weltrang und durch Museen, geologische Wanderwege, Karten etc. gut erschlossen.

Wie groß ist die Gefahr, dass sich eine ähnliche Katastrophe wiederholt? Durch gezielte astronomische Suche kennt man heute über 1.000 Asteroiden, die auf ihrer Bahn den Weg der Erde kreuzen. Keiner davon stellt aber eine unmittelbare Gefahr dar. Statistisch ist etwa alle 500.000 Jahre die Kollision mit einem 1 km großen Körper zu erwarten.