Freileitungen des Hoch- und Höchstspannungsnetzes

Bleihaltige Mastbeschichtungen

Bis Anfang der 1970er Jahre wurden die meisten Stahlkonstruktionen in Deutschland mit bleihaltigen Korrosionsschutzanstrichen versehen (Bleimennige). Bereits 2001 hatten erste Untersuchungen in der Schweiz gezeigt, dass Blei und andere Schwermetalle aus diesen Mastbeschichtung mit der Zeit in den darunter liegenden Boden eingetragen werden können. Als dann 2008 auch in Nordrhein-Westfalen Anreicherungen von Blei unterhalb solcher Masten nachgewiesen wurden, veranlasste das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (StMUG) die nähere Untersuchung der Belastungssituation in Bayern. In Kooperation mit den in Bayern agierenden Stromnetzbetreibern wurde eine gemeinsame Vorgehensweise zur Beprobung und Untersuchung ausgewählter Maststandorte abgestimmt. Als Konsequenz wurden alle Maststandorte untersucht, die sich auf Kinderspielflächen befinden (bayernweit 12 Stück) sowie zahlreiche weitere Standorte in Wohngebieten, Nutzgärten oder auf landwirtschaftlichen Anbauflächen.

Alte Strommasten sind auf unterschiedlichen Flächennutzungen zu finden

Ergebnisse der Untersuchungen / Untersuchungsbericht

Die Untersuchungen von Netzbetreibern, LfU und LfL machen deutlich, dass unterhalb von entsprechend beschichteten Stahlgitterstrommasten kleinflächig die Gefahr einer schädlichen Bodenveränderung aufgrund von Schwermetalleinträgen aus der Beschichtung bestehen kann. Dies betrifft vor allem Masten mit älterem Baujahr (vor 1980). Ob eine Belastung auftritt ist von mehreren Faktoren (Standort, Frequenz und Umfang von Instandhaltungsmaßnahmen) anhängig, der Hauptbelastungsbereich liegt i.d.R. im Bereich direkt unterhalb der Masten, die Stoffgehalte nehmen normalerweise mit zunehmender Entfernung vom Mast rasch ab. An den untersuchten Standorten mit Prüfwertüberschreitungen für den Pfad Boden-Mensch wurden durch die Kreisverwaltungsbehörden Maßnahmen zur Gefahrenabwehr (i.d.R. Bodenaustausch) veranlasst.

Die im Rahmen der Untersuchung zum Wirkungspfad Boden – Nutzpflanze von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) entnommenen Pflanzen- und Futtermittelproben wiesen auch bei erhöhten Gehalten im Boden keine Überschreitungen der Höchstgehalte nach Futtermittelverordnung und EU-Kontaminantenverordnung auf.

Beschichtete Mastfundamente

Die Fundamente von Strommasten wurden bei einigen Leitungen in Bayern bis in die 1970er Jahre zum Materialschutz durch Anstriche oder Imprägnierungsmethoden behandelt. Dadurch wurden im Lauf der Jahre Schadstoffe in das umgebende Erdreich abgegeben, so dass es teilweise zu schädlichen Bodenveränderungen kommen konnte. Beim Rückbau solch beschichteter oder imprägnierter Mastfundamente sind mit Blick auf die bodenschutzrechtlichen Pflichten der Netzbetreiber insbesondere i. S. v. § 4 Abs. 3 Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) Maßnahmen gegen schädliche Bodenveränderungen zu treffen.

Da in den nächsten Jahren vermehrt Leitungserneuerungen anstehen, hat das bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) die Erstellung einer bayernweit einheitlichen Handlungshilfe veranlasst, die darlegt, was v.a. aus bodenschutzrechtlicher Sicht beim Rückbau von beschichteten oder imprägnierten Fundamenten zu beachten ist. Die Handlungshilfe wurde unter Federführung des StMUV in Zusammenarbeit mit den bayerischen Netzbetreibern, dem Landesamt für Umwelt (LfU) und der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) erarbeitet und findet in erster Linie Anwendung bei Rückbaumaßnahmen im Hoch- und Höchstspannungsnetz. Sollten auch im Mittel- oder Niederspannungsnetz Fundamente mit schadstoffhaltigen Beschichtungen auftreten, wären hier ebenfalls die Anforderungen der Handlungshilfe umzusetzen.