Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Was sind Hintergrundwerte genau?

Hintergrundwerte geben den stofflichen Ist-Zustand von Böden an und werden aus den Hintergrundgehalten ermittelt. Hintergrundwerte anorganischer Schadstoffe beinhalten den geogenen Grundgehalt, das ist der natürliche Stoffbestand des Bodens, der sich aus dem Ausgangsgestein (lithogener Anteil) und der pedogenetisch beeinflussten Umverteilung (Anreicherung und Verarmung) im Boden ergibt, und den ubiquitären diffusen Einträgen des Stoffes in die Böden. Hintergrundwerte organischer Schadstoffe zeigen dagegen vorrangig den ubiquitären, atmosphärischen Eintrag auf. Bei der Ermittlung von Hintergrundwerten wurden Böden von Altablagerungen und Altstandorten, Standorten mit schädlichen Bodenveränderungen sowie Böden entlang von Straßen und in Siedlungsnähe ausgeschlossen.

Hintergrundwerte werden als Perzentile angegeben. Von besonderer Bedeutung ist dabei das 90. Perzentil (LABO, 2003), das als Obergrenze des als sicher geltenden Hintergrundgehaltes gedeutet werden kann und als eigentlicher Hintergrundwert definiert wird. Das 90. Perzentil ist der Wert, der größer ist als 90 % der gemessenen Gehalte einer Stichprobe.

Mit dem Projekt "Wissenschaftliche Grundlagen für den Vollzug der Bodenschutzgesetze (GRABEN)" wurden am Bayerischen Geologischen Landesamt, jetzt Bayerisches Landesamt für Umwelt, in den Jahren 2000-2007 auf Grundlage der Vorgaben der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO, 2003) aktuelle Hintergrundwerte zu 15 anorganischen und sechs organischen Schadstoffen in Böden Bayerns ermittelt.

Für anorganische Schadstoffe erfolgte dabei eine Differenzierung nach den Horizontgruppen Auflage, Oberboden, Unterboden und Untergrund, 33 verschiedenen Bodenausgangsgesteinen sowie den Nutzungen Acker/Grünland bzw. Forst. Organische Hintergrundwerte wurden ebenfalls getrennt nach Horizontgruppen und Nutzung ermittelt, doch erfolgte die Gebietscharakterisierung für Bayern über einen geostatistischen Ansatz (Indikatorkriging) (siehe Rubrik "Abweichende Methodenentwicklung").

Das Ergebnis ist ein umfangreiches Tabellenwerk zu Hintergrundwerten der Elemente Arsen (As), Cadmium (Cd), Kobalt (Co), Chrom (Cr), Kupfer (Cu), Quecksilber (Hg), Molybdän (Mo), Nickel (Ni), Blei (Pb), Antimon (Sb), Selen (Se), Zinn (Sn), Thallium (Tl), Vanadium (V) und Zink (Zn) sowie Hintergrundwerteübersichtskarten zu den organischen Schadstoffen BAP (Benzo(a)pyren), HCB (Hexachlorbenzol), PAK16 (Summenparameter für 16 polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), PCB6 (Polychlorierte Biphenyle der IUPAC-Nummern 28,52,101,138,153 und 180) und ?-DDT (Summe aus op-DDE, pp-DDE, op-DDD, pp-DDD, opDDT, pp-DDT). Ferner wurde eine Bodenausgangsgesteinskarte im Maßstab 1:500 000 (BAG500) erarbeitet, die den Einstieg zum Tabellenwerk der anorganischen Hintergrundwerte bildet.

Die Veröffentlichung des Tabellenwerks und der Hintergrundwerteübersichtskarten versteht sich als Vollzugshilfe und kann genauso wie die Bodenausgangsgesteinskarte auf dieser Seite heruntergeladen werden.

Hinweise für den Vollzug

Anorganische und organische Schadstoffe im Boden müssen anhand der Vorsorge-, Prüf- und Maßnahmenwerte nach Anhang 2 der Bundes - Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) eingeordnet und bewertet werden.

Überschreiten die tatsächlich angetroffenen Stoffgehalte einen Vorsorgewert, so müssen sie zur Klärung der Besorgnis des Entstehens einer schädlichen Bodenveränderung zusätzlich mit den jeweiligen Hintergrundwerten der oben genannten Vollzugshilfe verglichen werden. Nach Nr. 5.1 Absatz 2 der Verwaltungsvorschrift zum Vollzug des Bodenschutz- und Altlastenrechts in Bayern (BayBodSchVwV) ist das Verhältnis Vorsorgewert – Hintergrundwert und die daraus folgenden Konsequenzen für den Vollzug in Bayern wie folgt geregelt:

"Bei Überschreitungen der Vorsorgewerte sind Maßnahmen in der Regel entbehrlich, wenn die Hintergrundwerte nicht erreicht werden".

Liegen die Hintergrundwerte über den Vorsorgewerten, so sind diese Hintergrundwerte für die Einordnung von Analysenergebnissen bezüglich des Entstehens der Besorgnis einer schädlichen Bodenveränderung heranzuziehen. Vorsorgemaßnahmen sind für den Fall demnach erst bei Überschreitung dieser Hintergrundwerte erforderlich.

In der oben genannte Vollzugshilfe werden auch Hintergrundwerte für den Untergrund angegeben. Der Geltungsbereich dieser Hintergrundwerte ist auf das in etwa 1 Meter Tiefe angetroffene Bodenausgangsgestein beschränkt und kann nicht pauschal für die Gesteine im Untergrund herangezogen werden. Für geochemische Analysenwerte der Gesteine Bayerns sei auf den GLA-Fachbericht 24 hingewiesen, der auf dieser Seite auch als - PDF heruntergeladen werden kann.

Bei Böden mit geogenen Belastungen aber auch Böden mit großflächig siedlungsbedingt erhöhten Gehalten können die Grenzwerte/Hintergrundwerte deutlich überschritten werden. Dies ist dann unbedenklich, wenn die Schadstoffe im Boden fest gebundenen sind, die Schadstoffe nicht durch eine Veränderung der Bodeneigenschaften oder Standortbedingungen freigesetzt werden und keine zusätzlichen Einträge erfolgen.

Generell ist bei Standorten mit natürlich erhöhten Schadstoffgehalten zusätzlich zur Einordnung der Analysenwerte nach den Grenzwerten der BBodSchV bzw. den Hintergrundwerten vor allem die erhebliche Freisetzung des Schadstoffes zu klären (§4 Absatz 8 BBodSchV). Die Ausdrücke "unter Einwirkungen auf den Boden" und "erhebliche Freisetzung" in diesem Paragraph sind derzeit für den Vollzug nicht geklärt. Das LfU strebt in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen die Klärung dieser unbestimmten Rechtsbegriffe an.

Literatur

BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT (BMU, 1999): Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV), BGBl. I. - S. 1554.

GEMEINSAME BEKANNTMACHUNG DER BAYERISCHEN STAATSMINISTERIEN FÜR LANDESENTWICKLUNG UND UMWELTFRAGEN, DES INNERN, FÜR ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN UND FÜR ARBEIT UND SOZIALORDNUNG, FAMILIE, FRAUEN UND GESUNDHEIT (STMUL et al., 2000): Verwaltungsvorschrift zum Vollzug des Bodenschutz- und Altlastenrechts in Bayern (BayBodSchVwV), Nr. 8772.6-1999/3. – S. 534, AllMBl. 2000.

LABO (BUND-LÄNDER-ARBEITSGEMEINSCHAFT BODENSCHUTZ) (2003): Hintergrundwerte für anorganische und organische Stoffe in Böden. Beschlussfassung der 33. StäA4-Sitzung 29./30.1.2003. - 58 S.