Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Geogene Belastungen

Bei geogenen Belastungen (= naturbedingt erhöhte Schadstoffgehalte) in Böden überschreiten die Hintergrundwerte die jeweiligen Vorsorgewerte der BBodSchV. Die Ursachen dieser geogenen Belastungen liegen vor allem im Mineralbestand des Ausgangsgesteins und in pedogenetischen Stoffumverteilungsprozessen (Anreicherung und Verarmung).
Eine Besonderheit in Bayern sind die hydrogeologischen Verhältnisse des Molassebeckens, die in Wechselwirkung vor allem mit organo-mineralischen Bodenformen naturbedingt zum Teil zu sehr hohen Arsenanreicherungen im Boden führen können.

Grenzfälle zwischen rein geogenen Belastungen und Überlagerungen natürlich erhöhter Schadstoffgehalte in Böden mit anthropogenen Einflüssen stellen die historischen Erzbergbaugebiete (z.B. im Raum um Freihung bei Weiden/Opf.) dar. Auch bei den Substraten der größeren Auensysteme nördlich der Donau (Regnitz, Main und Naab) muss zusätzlich zur geogenen von einer nicht näher quantifizierbaren, anthropogenen Komponente ausgegangen werden.

In der LfU-Vollzugshilfe werden Bodenausgangsgesteine aufgezeigt, in denen Hintergrundwerte die jeweiligen Vorsorgewerte überschreiten.

In Bayern wurden nach dem derzeitigen Kenntnisstand in einem ersten Überblick fünf Einheiten von Bodenausgangsgesteinen identifiziert, in denen geogene Belastungen auftreten können (in Klammern die jeweiligen Elemente, für die eine Überschreitung zu verzeichnen ist):

  • Verwitterungen von Kalk- und Dolomitstein, Kalkmergelstein, Mergel- und Tonstein des Muschelkalks, Unteren Keupers, aber auch des Doggers und Lias (Arsen, Chrom, Kupfer und Nickel)
  • Verwitterungen von Amphibolit, Serpentinit, Diabas, Basalt, Gabbro sowie Phyllit, Glimmerschiefer, Ton- und Sandstein, Grauwacken, Konglomerat, Quarzit, Tonschiefer und Gneise des Grundgebirges (Arsen, Chrom, Nickel und Zink)
  • Verwitterungen von Kalk- und Dolomitstein, Kalkmergelstein, Mergelstein vor allem Residuallehm/-ton des Malm (Nickel und Zink)
  • Substrate der größeren Auensysteme nördlich der Donau (Regnitz, Main und Naab) mit anthropogenen Belastungskomponeten (Nickel und Zink)
  • Niedermoortorf in Verbindung mit Flussmergel, Hochflutlehm, Alm und anmoorigen Bildungen des Freisinger/Erdinger Mooses bzw. des Winterrieder Moores sowie vermutlich weiterer Niedermoor(komplexe) Südbayerns (Arsen)

Nach Nr. 5.1 Absatz 3 Satz 2 der Verwaltungsvorschrift zum Vollzug des Bodenschutz- und Altlastenrechts in Bayern (BayBodSchVwV) sind Flächen/Gebiete, in denen die Hintergrundwerte die Vorsorgewerte überschreiten, vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Zusammenarbeit mit den Wasserwirtschaftsämtern zu ermitteln und für die Vollzugsbehörden darzustellen.

Der vorsorgende Bodenschutz will hier sicherstellen, dass anfallendes, geogen belastetes Bodenmaterial dieser Bodenausgangsgesteine nicht durch Verlagerung und Wiederaufbringung auf Böden anderer Bodenausgangsgesteine die dortigen Bodenfunktionen nachteilig verändert. Nach § 12 Abs. 10 der Bundes - Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) ist in Gebieten mit erhöhten Schadstoffgehalten die Verlagerung von Bodenmaterial innerhalb dieser Gebiete/dieses Bodenausgangsgesteines zulässig. Hier kommt der allgemeine Grundsatz im vorsorgenden Bodenschutz ´Gleiches zu gleichem´ bzw. das Verschlechterungsverbot zum Tragen. Weitere Anforderung an das Aufbringen und Einbringen von Bodenmaterial regelt § 12 BBodSchV, wichtige Hinweise zur Verwertung von Bodenmaterial finden sich zudem in der DIN 19731.

Schon während des Projektes "Wissenschaftliche Grundlagen für den Vollzug der Bodenschutzgesetze (GRABEN)" wurden von 2000 bis 2007 in mehreren Sonderprojekten Methoden der Probenahme, Beurteilung und flächenhaften Darstellung von Gebieten mit geogen erhöhten Schadstoffgehalten auf lokaler Maßstabsebene exemplarisch entwickelt. Dies erfolgte räumlich begrenzt für ausgewählte Substrate. Näheres dazu erfahren Sie auf den Übersichtsseiten der einzelnen Sonderprojekte. Mit dem Projekt "Geogenes Arsen in Böden und im oberflächennahen Untergrund Südbayerns" werden nun erstmals Hinweiskarten zu Gebieten mit natürlich erhöhten Arsengehalten in Südbayern auf regionaler Maßstabsebene erstellt (vgl. Unterseite "Hinweiskarten zu geogenem Arsen in Südbayern").

Literatur

BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT (BMU, 1999): Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV), BGBl. I. - S. 1554.

GEMEINSAME BEKANNTMACHUNG DER BAYERISCHEN STAATSMINISTERIEN FÜR LANDESENTWICKLUNG UND UMWELTFRAGEN, DES INNERN, FÜR ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN UND FÜR ARBEIT UND SOZIALORDNUNG, FAMILIE, FRAUEN UND GESUNDHEIT (STMUL et al., 2000): Verwaltungsvorschrift zum Vollzug des Bodenschutz- und Altlastenrechts in Bayern (BayBodSchVwV), Nr. 8772.6-1999/3. – S. 534, AllMBl. 2000.