Bodenversauerung in Bayern

Bodenversauerung ist in Böden des humiden Klimas ein natürlicher Prozess, der über Jahrhunderte bzw. Jahrtausende stetig stattfindet. Aufgrund der europaweit hohen Emissionen an Säurebildnern aus fossilen Energiequellen bildete sich der sogenannte "saure Regen", wodurch sich der natürliche Prozess der Bodenversauerung stark beschleunigte. Die zunehmende Bodenversauerung wird als mögliche Ursache für die "neuartigen Waldschäden" angesehen.

Betroffene Regionen

Die Bodenversauerung betrifft vorwiegend Waldböden und andere Böden naturnaher Ökosysteme. Landwirtschaftlich genutzte Böden werden – wenn notwendig – gekalkt, um möglichst optimale Produktionsbedingungen zu ermöglichen.

Darstellung der versauerungsgefährdeten Gebiete Bayerns Bild vergrössern Bodenversauerung in Bayern

Nordostbayern und der Spessart sind in Bayern besonders stark von der Bodenversauerung betroffen. Die Versauerung der Böden ist in Nordostbayern am weitesten fortgeschritten und zwar nicht nur im kristallinen Grundgebirge, sondern teilweise auch im daran angrenzenden Vorland. In diesem Gebiet kommen einige ungünstige Bedingungen zusammen:

  • überwiegend schlechte Basenversorgung durch die Ausgangsgesteine
  • teilweise hoher Säureeintrag über die Atmosphäre
  • hohe Niederschlagsraten
  • zumindest örtlich eine intensive historische Nutzung der Wälder für die Glasproduktion, Kohleherstellung oder als Waldweide

Warum wird der Boden sauer?

Natürliche Faktoren der Bodenversauerung

Der Regen besitzt von Haus aus bereits einen leicht sauren pH-Wert von 5,6 (Leitungswasser – pH7; Essig – pH 3), da sich das CO2 aus der Luft in den Regentropfen löst und Kohlensäure entsteht, ähnlich wie im Mineralwasser. Somit findet bereits auf natürliche Art und Weise ein schwacher Säureeintrag über den Niederschlag in den Boden statt. Zudem entstehen auch beim Abbau organischer Substanz durch die Bodenfauna organische Säuren. Aber auch die Pflanzen tragen leicht zur Versauerung bei, denn zur Nährstoffaufnahme (Basenpumpe) geben diese über ihre Wurzeln Protonen (H+) in den Boden ab.

Pflanze Ziegenbart Bild vergrössern Ziegenbart

Durch den Menschen bedingte Versauerung

Wenn Luftschadstoffe wie Schwefel- und Stickoxide über die Deposition oder den Regen in den Boden gelangen bilden sich dort Säuren. Diese Säuren bewirken ein zusätzliches Absinken des pH-Wertes. Da in den 80er und 90er Jahren die Konzentration an Schwefeldioxid in der Luft sehr hoch war, führte dies zu einer deutlichen Beschleunigung der Versauerung der Böden.

Folgen der Versauerung

Die Abnahme des pH-Werts hat für nahezu alle Bodeneigenschaften nachteilige Folgen:
Das Bodengefüge verschlechtert sich, die als Wasser- und Nährstoffspeicher wichtigen Tonminerale werden zerstört, die Gefahr von Verschlämmung, Verdichtung, Bodenerosion und Auswaschung von Nährstoffen nimmt zu, während die Filterleistung für Schadstoffe abnimmt.

Podsol-Bodenprofil Bild vergrössern Podsol-Bodenprofil

Starke Versauerung führt zur Verarmung der Bodenflora und -fauna. Spätestens ab einem pH-Wert von 3,5 verschwinden z.B. die Regenwürmer, die sonst den Boden durchmischen und dabei die organische Substanz in ihm verteilen. Stattdessen häuft sich der Humus auf der Bodenoberfläche an.