Archiv der Natur- und Kulturgeschichte

Jeder Boden ist ein Archiv der Naturgeschichte, denn er zeigt uns durch seine Ausprägung, wie die Umweltbedingungen während seiner Ausbildung waren. Fossile Böden oder Paläoböden sind sehr wertvolle Archive der Naturgeschichte, denn sie konservieren Hinweise auf das Klima und die Vegetation vergangener Epochen. Böden können aber auch Archive der Kulturgeschichte sein, denn menschliche Siedlungs- und Kulturaktivitäten haben vielfältige Spuren in den Böden hinterlassen.

Um die Archivfunktion nutzbar zu erhalten, genügen kleine Flächen der jeweiligen Bodenausprägung. Böden, die weit verbreitet sind, benötigen daher keinen besonderen Schutz hinsichtlich der Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. Von besonderer Bedeutung ist die Archivfunktion nur bei Böden, die nur sehr selten vorkommen und in einer Landschaft eine Besonderheit darstellen oder die von besonderem wissenschaftlichen Interesse sind.

Fossiler Podsol aus Dünensanden bei Weißenbrunn Fossiler Podsol aus Dünensanden bei Weißenbrunn

Da die Bedeutung der Archivfunktion immer im Landschaftskontext gesehen werden muss, können derzeit keine generell gültigen messbaren Kriterien zur Bewertung der Archivfunktion aufgestellt werden. Zur Beurteilung der Seltenheit einer bestimmten Bodenausprägung ist daher zuerst der Landschaftsbereich und damit der Maßstab festzulegen, in dem die Bodenausprägung eine Besonderheit darstellt und in dem die Seltenheit beurteilt werden soll.

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie auch beim Landesamt für Denkmalpflege

Kriterien für die Beurteilung der Archivfunktion eines Bodens

  • Bedeutung für die Kenntnis der Erd- und Landschaftsgeschichte, der Klimageschichte und der Bodengenese
  • Bedeutung für die Kenntnis der menschlichen Siedlungsgeschichte, der Landnutzungsgeschichte und der heimatkundlichen Geschichte
  • Bedeutung für die geologische, mineralogische, paläontologische und pedologische Forschung
  • Regionale und überregionale Seltenheit eines Bodens
  • Besondere Eigenart eines Bodens
  • Erhaltungszustand, Zugänglichkeit und Wert als Anschauungsobjekt

Beispiele für Böden mit einer bedeutenden Funktion als Archiv der Naturgeschichte

  • Paläoböden (Reste von Böden aus früheren erdgeschichtlichen Perioden)
  • Seltene Böden wie Tschernoseme, Vertisole, Terrae rossae
  • Periglazialböden wie Eiskeil- oder Frostmusterböden
  • Böden aus besonderen Substraten, wie aus Verkieselungen, Kalksinter, Quarzintrusionen, Seetonen oder Schieferkohlen
  • Böden aus regional seltenen Substraten, wie magmatischen Gesteinen auf der Frankenalb
  • Besonders mustergültig ausgeprägte Böden, wie Podsole und Parabraunerden
  • Besonders deutliche, anschauliche Bodenbildungen in gut zugänglicher Lage

Beispiele für Böden mit einer bedeutenden Funktion als Archiv der Kulturgeschichte

  • Ackerterrassen, Hochäcker, Wölbäcker
  • Böden in historischen Bergbaugebieten
  • Böden in historischen Weinbergslagen
  • Böden an Stätten frühgeschichtlicher Besiedlung
  • Grabstätten wie Hügelgräber
  • Böden auf vor- und frühgeschichtlicher Erzschürfflächen

Das Landesamt für Umwelt erfasst und dokumentiert laufend Einzelobjekte und erarbeitet zurzeit ein standardisiertes Bewertungssystem. Bei Anfragen zu Planungszwecken werden die entsprechenden Informationen zu den Objekten bereitgestellt. Die Bewertung muss immer einzelfallbezogen und im regionalen Kontext erfolgen.

Weiterführende Informationen

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