Pilotprojekt "Stadtrandbewertung Boden"

Anlass

Der Boden ist eines der wichtigsten Umweltmedien im Ökosystem. Er erfüllt vielfältige Funktionen, z. B. als Lebensgrundlage und Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanze, als Regler im Wasser- und Nährstoffkreislauf, als Filter, Puffer und Speicher für Stoffe und als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte.
Den größten Eingriff in den Boden stellt die Überbauung dar. Durch die Umwandlung von natürlichen Böden in Siedlungsflächen wird der Boden so zerstört, dass er seine Funktionen nur noch teilweise bzw. gar nicht mehr erfüllen kann. Dies ist v. a. vor dem Hintergrund problematisch, dass Böden Jahrtausende benötigen, um durch Verwitterungs- und Umwandlungsprozesse des Ausgangsgesteins zu entstehen und somit nicht wieder hergestellt werden können.

Mit der Einführung des Bundesbodenschutzgesetzes 1998 ist auch der Boden wie bereits die Umweltmedien Wasser und Luft sowie der Naturschutz durch ein eigenes Gesetz geschützt. Demnach sollen bei Einwirkungen auf den Boden Beeinträchtigungen seiner natürlichen Funktionen sowie seiner Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte so weit wie möglich vermieden werden. Verschiedene Böden erfüllen diese Funktionen in unterschiedlichem Maße. Beispielsweise können Tonböden stärker als Sandböden Schwermetalle zurückhalten und dadurch das Grundwasser schützen. Diese unterschiedlichen Potentiale sollten daher im geeigneten Maßstab erfasst werden, um besonders wertvolle Standorte vor einer Zerstörung durch Überbauung zu schützen und eine Flächeninanspruchnahme auf weniger leistungsfähige Böden zu lenken.

Durch ihre unterschiedlichen Eigenschaften lassen sich Böden vielfältig nutzen

Niedermoor mit einem Nadelwald im Hintergrund
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Naturbelassenes Niedermoor

In der kommunalen Planung, welche die örtliche Flächeninanspruchnahme steuert, wurde in der Vergangenheit das Schutzgut Boden nur wenig berücksichtigt. Seit der Novellierung des Baugesetzbuches 2004 ist jedoch die Durchführung einer Umweltprüfung bei der Aufstellung von Bauleitplänen (Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen) vorgeschrieben, in der auch die Belange des Bodenschutzes einfließen müssen. Dazu werden Daten benötigt, die den Boden großmaßstäbig beschreiben und bewerten sowie problemlos für die Planungsverantwortlichen handhabbar sind. Solche detaillierten Daten liegen in der Regel bisher nicht vor.

Projektziel und Projektdurchführung

In Ergänzung zu der vorliegenden Arbeitshilfe „Das Schutzgut Boden in der Planung“ und der vorliegenden Planungshilfe „Das Schutzgut Boden im Landschaftsplan“ führt das Bayerische Landesamt für Umwelt in einem Pilotprojekt in drei Modellkommunen eine großmaßstäbige Bewertung des Bodens durch.
Ziel dieses Projektes ist es, eine großmaßstäbige Planungsgrundlage zum Schutzgut Boden für jene Flächen im Stadtrandgebiet der Kommunen zur Verfügung zu stellen, für die Nutzungsänderungen in nächster Zeit möglicherweise zu erwarten sind.
Dazu werden die entsprechenden Flächen unter Berücksichtigung bereits vorhandener Daten im Maßstab 1:10.000 bodenkundlich kartiert. Mit diesen Daten werden die wichtigsten Bodenfunktionen bewertet und eine Gesamtbewertung durchgeführt. Aus den Ergebnissen soll anschließend eine Karte mit Planungshinweisen für das Schutzgut Boden erstellt werden, die bei der aktuellen Neuaufstellung des Flächennutzungsplans der Modellkommunen berücksichtigt werden können.
Außerdem sollen die Ergebnisse mit den bisher vorliegenden Datengrundlagen verglichen und dadurch deren Verwendbarkeit für die kommunale Planung überprüft werden. Aufgrund dieser Erkenntnisse wird ein kurzer Erfahrungsbericht für die Kommunen erarbeitet.

Projektleitung

Bayerisches Landesamt für Umwelt, Ref. 108 - Vorsorgender Bodenschutz und Bodenmonitoring

Projektbeteiligte

  • Stadt Hof
  • Wasserwirtschaftsamt Weiden
  • Bayerisches Landesamt für Umwelt:
    • Ref. 101 - Landesaufnahme Geologie und Boden Nord
    • Ref. 15 - Nachhaltigkeit, Indikatoren und medienübergreifender Umweltschutz
    • Ref. 52 - Landschaftsentwicklung"