Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Tierarzneimittel im Sickerwasser

Austrag aus Wirtschaftsdünger in Sickerwasser, Grundwasser und oberirdische Gewässer

Einleitung

Mit der in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzten Gülle gelangen Tierarzneimittel in die Umwelt. Das Verhalten dieser Substanzen in Böden und im Sickerwasser ist jedoch weitgehend unbekannt.

Arbeiten am LfU

In einem Forschungsprojekt hat das LfU auf 300 m2 großen, gedränten Flächen das Auswaschungsverhalten von Antibiotika (Sulfadimidin, Enrofloxacin, Tylosin, Chlortetracyclin) und einem Antiparasitikum (Flubendazol) aus Schweinegülle bei simuliertem Starkregen untersucht. Mit den flächenhaft durchgeführten Versuchen lassen sich im Gegensatz zu Labor- und Lysimeterexperimenten die Verfrachtungen über Grobporen (z.B. Maus- und Regenwurmgänge, Wurzelkanäle, Trockenrisse) verfolgen und quantifizieren.

Beregnung einer mit Gülle gedüngten Versuchsfläche Bild vergrößern Beregnung einer mit Gülle gedüngten Versuchsfläche

Untersuchungsergebnisse und Handlungsempfehlungen für den Landwirt

Im Dränabfluss wurden zwischen 0,01% und 16% der mit der Gülle aufgebrachten Arzneimittelwirkstoffe einschließlich der wichtigsten Abbauprodukte gefunden. Die Böden von Grünlandstandorten wiesen aufgrund ihres ausgeprägten Makroporensystems im Vergleich zu Ackerland eine deutlich größere Durchlässigkeit auf. Die höchste Belastung im Sickerwasser wurde bei Sulfadimidin mit 16 µg/l gemessen. Arzneimittelwirkstoffe mit starken Sorptionseigenschaften (Chlortetracyclin, Enrofloxacin) werden nicht oder nur auf Grünland ausgewaschen. Eine umfassende Risikoabschätzung für die Umwelt ist noch nicht möglich, da keine Daten zur Langzeitwirkung der Arzneimittelwirkstoffe auf Wasser- und Bodenorganismen vorliegen. Im Sinne eines vorbeugenden Gewässerschutzes ist eine Düngeranwendung grundsätzlich zu vermeiden, wenn starke Niederschläge kurz nach der Ausbringung zu erwarten sind. In sensiblen Bereichen wie Trinkwassereinzugsgebieten sollte die Ausbringung von Gülle insbesondere auf Grünland minimiert werden Weiterhin sollte der Arzneimitteleinsatz in der Tierhaltung auf das absolut notwendige therapeutische Maß reduziert werden.

Informationen und Veröffentlichungen zum Thema

K. Weiß, W. Schüssler & M. Porzelt (2006): Quantifizierung von Sulfadimidin im Sickerwasser nach Beregnung gedüngter Flächen. Vom Wasser 104, 12-16

K. Weiß, W. Schüssler & M. Porzelt (2006): Sulfadimidin und Flubendazol im Sickerwasser nach Beregnung gedüngter Flächen. Marktredwitzer Bodenschutztage, Tagungsband 4, ISSN 1439-0175, pp. 118-123

K. Weiß (2007): Verfrachtung von Tierarzneimitteln über das Sickerwasser – Gedränte Flächen und Halbschalenlysimeter im Vergleich. In: Lysimetrie im Konnex zu nationalen und internationalen Regelwerken, 12. Lysimetertagung der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, ISSN 1818-7722, pp. 67-70

K. Weiß, W. Schüssler & M. Porzelt (2007): Auswaschung von Sulfadimidin, Enrofloxacin und Flubendazol in das Sickerwasser. In: Tierarzneimittel in der Umwelt. Münchener Beiträge zur Abwasser-, Fischerei- und Flussbiologie Bd. 58, Oldenbourg Industrieverlag München, ISBN 978-3-8356-3135-9, pp. 37-60

K. Weiß, W. Schüssler & M. Porzelt (2008): Sulfamethazine and flubendazole in seepage water after the sprinkling of manured areas. Chemosphere 72, 1292-1297