FAQ: Häufig gestellte Fragen

1) Wo begegnet uns Plastik?

Antwort

Kunststoffe (umgangssprachlich: "Plastik"; wissenschaftliche Bezeichnung: "synthetisch hergestellte Polymere") sind ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags und haben aufgrund ihrer flexiblen Materialeigenschaften eine Vielzahl von technischen und medizinischen Innovationen ermöglicht. Aus ökonomischer und gesellschaftlicher Perspektive gesehen sind sie bedeutende Wertstoffe. Die weltweite Produktion von Kunststoffen ist seit den 50er Jahren auf 288 Millionen Tonnen im Jahr 2012 angestiegen und damit auch der Prozentsatz an anfallendem Plastikmüll. Geraten Kunststoffe in die Umwelt, können sie dort lange Zeit verbleiben.



2) Was ist Mikroplastik?

Antwort

Als Mikroplastik bezeichnet man Plastikpartikel, die kleiner als 5 Millimeter sind. Oft sind die Teilchen jedoch nur ein tausendstel Millimeter groß und mit bloßem Auge nicht erkennbar.

Ein Teil der Mikroplastikpartikel wird gezielt industriell hergestellt (primäres Mikroplastik). Die Einsatzbereiche sind vielfältig und reichen von der Verwendung in Haushaltsreinigern und Kosmetika bis hin zu Kunststoffwachsen.

Im Gegensatz dazu entstehen Mikroplastikpartikel auch aus größerem Kunststoffmüll, der in der Umwelt durch äußere Einflüsse, wie z.B. UV-Strahlung oder andere chemische, biologische oder mechanische Einflüsse, klein gerieben oder zersetzt wird (sekundäres Mikroplastik). Hierzu werden auch Kunststofffasern aus Textilien sowie Verluste bei der Kunststoffherstellung und –verarbeitung gezählt. Einzelne Studien diskutieren auch den Abrieb von Autoreifen als Beitrag zur Mikroplastik-Belastung der Umwelt.



3) Wie gelangt Mikroplastik in die Umwelt?

Antwort

Nach einer Studie des Umweltbundesamtes stellt sekundäres Mikroplastik die Haupteintragsquelle in die Umwelt dar. Es wird vermutet, dass ein nicht unerheblicher Anteil an Mikroplastik über die Flüsse in die Meere eingetragen wird. Neben unsachgemäß entsorgtem Plastikmüll, wie zum Beispiel Flaschen oder Tüten, der entweder direkt oder über den Wind in Gewässer eingetragen wird und dort zu Mikroplastikpartikeln zerfällt, trägt beispielsweise auch der Verlust von Pellets in der Herstellung und Weiterverarbeitung von Kunststoffen zur Umweltbelastung bei. In Kosmetikartikeln verwendete Mikroplastikpartikel leisten gegenüber Plastikmüll einen mengenmäßig untergeordneten, aber gleichfalls vermeidbaren Beitrag. Auch synthetische Chemiefasern von Kleidungsstücken, die über das Abwasser in die Gewässer gelangen, dürften nach der UBA-Studie insgesamt eher eine geringere Rolle spielen.

Eine exakte Quantifizierung der einzelnen Eintragspfade von Mikroplastik in Gewässern ist aber derzeit noch nicht möglich.



4) Wie wird Mikroplastik in der Umwelt nachgewiesen?

Antwort

Da es Kunststoffsorten gibt, die auf der Wasseroberfläche schwimmen, und andere, die auf den Grund absinken, sollten Proben von der Wasseroberfläche, der Wassersäule, dem Gewässergrund sowie dem Ufersediment entnommen werden.

Zur Aufbereitung werden die Mikroplastikpartikel dann meist durch Dichtetrennung und einen enzymatischen Reinigungsschritt vom übrigen Material getrennt. Danach werden die Partikel spektroskopisch analysiert. Die Partikel werden dabei hinsichtlich der Kunststoffart identifiziert, gezählt und größenbestimmt.

Eine rein mikroskopische, visuelle Identifizierung ist für die zum Teil sehr kleinen Mikroplastikpartikel aufgrund der möglichen Verwechslung mit anderen Partikeln nicht geeignet.



5) Wie lange dauert es, bis so ein Plastikteilchen sich ganz aufgelöst hat?

Antwort

Hierzu kann auf Grund der vielfältigen Kunststoffsorten keine generelle Aussage getroffen werden. Die Abbauzeit wird jedoch bei einigen Sorten auf mehrere hundert Jahre geschätzt.



6) Wo hat man Mikroplastik in der Umwelt überall entdeckt?

Antwort

Mikroplastik wurde im Meer bis hinab in die Tiefsee, aber auch im Süßwasser, also in Flüssen und Seen nachgewiesen. Im Gardasee zum Beispiel hat man im Uferbereich bis zu 1.000 Mikroplastikpartikel auf einer Fläche von 1 x 1 m gezählt. In ersten orientierenden Untersuchungen der Universität Bayreuth wurden auch in bayerischen Gewässern Mikroplastikpartikel gefunden.



7) Welche Gefahren bestehen für die Umwelt?

Antwort

Da Mikroplastik nicht oder nur sehr langsam abgebaut wird, kann es im Laufe der Zeit zu einer fortschreitenden Belastung der Gewässer und möglicherweise zu Veränderungen der Gewässerökologie kommen.



8) Wird Mikroplastik von Tieren in der Umwelt aufgenommen?

Antwort

Aufgrund der geringen Größe können Lebewesen die der Mikroplastikpartikel mit der Nahrung aufnehmen. Bis jetzt konnte Mikroplastik in Muscheln, Schnecken, Würmern, Wasserflöhen, Bachflohkrebsen und Fischen nachgewiesen werden. Da diese Organismen als Nahrungsquelle für andere Tiere dienen, können sich Mikroplastikpartikel eventuell auch in der Nahrungskette anreichern. Dies ist jedoch noch Gegenstand der Forschung.



9) Welche Auswirkungen kann die Aufnahme von Mikroplastikpartikeln auf Lebewesen haben?

Antwort

Bisherige Untersuchungen zu möglichen Auswirkungen von Mikroplastik auf die aquatische Tierwelt konzentrieren sich in erster Linie auf marine Ökosysteme. Demnach ist es möglich, dass Mikroplastik neben der Auslösung mechanischer Schädigungen von vielen Tierarten anstelle von Futter aufgenommen wird und sich im Verdauungstrakt anreichern kann. Als Konsequenz wurde neben einem Verhungern der Tiere eine Anreicherung in der Nahrungskette beobachtet. Zudem können einige, bei der Produktion beigemengte Zusatzstoffe wie z.B. Cadmium, Flammschutzmittel, Weichmacher (z.B. Phthalate), Bisphenol A oder Alkylphenole direkte toxische oder hormonähnliche Wirkungen entfalten. Ferner wird vermutet, dass Mikroplastik auch als Überträger für invasive Arten und Krankheitserreger, die sich an der Oberfläche anreichern, dienen kann.

Für Binnengewässer liegen aktuell noch keine Daten hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf aquatische Organismen vor.



10) Was bedeutet dies für den Menschen?

Antwort

Zum jetzigen Zeitpunkt kann über eine Mikroplastikaufnahme keine gesicherte Aussage getroffen werden.

Bislang gibt es im Rahmen der regulären Lebensmittelüberwachung noch keine Hinweise auf Mikroplastik in Lebensmitteln. Entwarnung gibt es auch für das Trinkwasser. Das hochwertige Trinkwasser wird in Bayern überwiegend aus unbelastetem Grundwasser gewonnen. Nur wenn kein geeignetes oder ausreichendes Grundwasservorkommen zur Verfügung steht, wird Oberflächenwasser aus Trinkwassertalsperren oder Grundwasser mit Uferfiltratanteil zur Trinkwasserversorgung genutzt. Bei Entnahme von Rohwasser aus den tieferen Regionen eines Stausees bzw. bei der Entnahme von Seewasser werden entsprechende Filter verwendet.

Die Forschung zu möglichen Umwelt- und Gesundheitsgefahren wird in den kommenden Jahren weiter intensiviert werden.



11) Was wird zurzeit untersucht?

Antwort

Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene werden gegenwärtig Forschungsprojekte zum Thema Mikroplastik bearbeitet. In Bayern wurde vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz im Jahr 2014 eine Initiative mit zwei Forschungsprojekten gestartet. Am Bayerischen Landesamt für Umwelt wird ein dreijähriges Projekt zu Eintragspfaden und potenziellen Belastungen von Gewässern mit Mikroplastik sowie deren Auswirkungen auf Lebewesen in den Gewässern durchgeführt, das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit führt eine Studie zur Bestimmung von Mikroplastik in Lebensmitteln durch.

Neben der Standardisierung der Untersuchungsverfahren sind einheitliche Maßstäbe für die Bewertung der Mikroplastikbelastung in der Umwelt anzustreben, um erforderlichenfalls wirksame und zielgerichtete Maßnahmen nach einheitlichen Vorgaben zu etablieren.



12) Was kann jeder Einzelne tun, um eine weitere Belastung unserer Gewässer zu vermeiden?

Antwort

Unnötige Einwegprodukte und Verpackungen sollten vermieden werden.

Zudem sollte der Plastikmüll einer ordnungsgemäßen Entsorgung (Wertstofftonne oder gelber Sack) zugeführt werden und nicht einfach auf die Straße geworfen werden. Achtlos weggeworfener Plastikmüll kann früher oder später durch Wind oder Regen in Flüssen und Seen landen.

Ein Einkaufsratgeber mit Produkten, die industriell hergestellte Mikroplastikpartikel enthalten, kann unter nachfolgendem Link abgerufen werden.