Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Was sind PFC für Stoffe? Worin kommen sie häufig vor?

Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) sind eine Stoffgruppe, die seit einigen Jahren in den Blickpunkt der Fachöffentlichkeit gelangt ist. Eine Untergruppe der PFC sind perfluorierte Tenside (PFT). Besonderes Augenmerk gilt den Leitsubstanzen Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonat (PFOS).
Nach heutigem Kenntnisstand sind PFC ausschließlich anthropogenen Ursprungs und kommen in der Natur nicht vor.
Aufgrund ihrer schmutz-, farb-, fett-, öl- und gleichzeitig wasserabweisenden Eigenschaften finden die perfluorierten Chemikalien Anwendungen in zahlreichen Industrie- und Konsumprodukten. Beispielsweise werden sie eingesetzt bei Textilien zur Imprägnierung und Beschichtung (z. B. Outdoor-Bekleidung) oder in Galvaniken (z.B. in Bädern zur Verchromung von Autoteilen); bis Mitte 2011 waren PFOS auch Bestandteil von Feuerlöschschäumen.

2. Gibt es Grenzwerte?

In einer EU-Richtlinie wurden 2006 der Einsatz und die Verwendung von PFOS stark eingeschränkt. Ausnahmen gibt es beispielsweise für Hydraulikflüssigkeiten in der Luft- und Raumfahrt.
PFOS-haltige Feuerlöschschäume mit einem Gehalt von mehr als 0,001% dürfen seit 27.06.2011 EU-weit nicht mehr verwendet werden.
Für die menschliche Gesundheit gibt es einen Trinkwasser-Leitwert für die Summe der Konzentrationen von PFOA und PFOS von 0,3 µg/l. Das ist der lebenslang gesundheitlich duldbare Wert für Trinkwasser, der von der Trinkwasserkommission am Umweltbundesamt festgelegt wurde.

Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat Bewertungsleitlinien für die Wasserwirtschaftsämter erarbeitet, um ein einheitliches Vorgehen im Fall von PFC-Verunreinigungen zu gewährleisten.

3. Welche Auswirkungen können erhöhte Konzentrationen haben? Sind sie gesundheitsgefährdend?

Einzelne Perfluorierte Chemikalien stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen.

4. Wie stark ist unsere Umwelt in Bayern mit PFC belastet?

In Bayern gibt es punktuelle Belastungen mit PFC, z.B. im Umfeld von Flughäfen, Raffinerien und Standorten der chemischen Industrie.
Das LfU arbeitet in Kooperation mit den Wasserwirtschaftsämtern intensiv an der Erfassung weiterer möglicher Schadensfälle. Monitoringergebnisse finden Sie unter:

5. Kann ich in Gewässern baden, in denen PFC nachgewiesen wurde?

Für Trinkwasser gibt es einen Leitwert für die Summe der Konzentrationen von PFOS und PFOA von 0,3 µg/l. Dies ist der lebenslang gesundheitlich duldbare Wert für Trinkwasser, der von der Trinkwasserkommission am Umweltbundesamt festgelegt wurde. Dieser Wert berücksichtigt eine lebenslange Aufnahme von 2 Litern Trinkwasser pro Tag und eine Ausschöpfung des TDI von 10 % (TDI, tolerable daily intake).
Nimmt man als lebenslangen Durchschnitt 35 Badetage pro Jahr und eine verschluckte Wassermenge von 200 ml pro Badetag, so wird eine Ausschöpfung des gesundheitlich definierten Grenzwertes für eine PFOA- und PFOS-Aufnahme erst bei Badewassergehalten erreicht, die ca. um das 1000-fache über dem Trinkwasserrichtwert liegen. Derartige Werte wurden in Bayern in Oberflächengewässern bislang nirgends gemessen.

6. Kann ich Fisch aus Gewässern essen, in denen PFC nachgewiesen wurde?

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersucht regelmäßig gezielt Fische aus Gewässern, bei denen eine PFC-Belastung bekannt ist. PFC kann sich in Muskulatur und Organen von Fischen anreichern. Die nachgewiesenen Kontaminationen der untersuchten Fische hängen in erheblichem Maße von Art, Alter und Größe der Fische ab.
In der toxikologischen Bewertung kam das LGL bisher immer zu dem Ergebnis, dass auch der dauerhafte Verzehr von Fisch aus den untersuchten belasteten Gewässern nicht zu einer Gesundheitsgefährdung führt. Denn die mittlere Belastung des Fisches führt selbst bei überdurchschnittlichem Verzehr zu einer PFC-Zufuhr unterhalb der Menge, die man lebenslang gefahrlos aufnehmen kann. Dennoch empfehlen die Behörden vorsorglich, bis auf weiteres auf den Verzehr von Fischen aus belasteten Gewässern zu verzichten, um eine Anreicherung im menschlichen Körper zu verhindern.
Die Kontamination mit PFC kann dem Minimierungsgebot der Kontaminanten-Verordnung zuwider laufen, weshalb stark PFC-belastete Fische nicht verkehrsfähig sein können und damit nicht verkauft werden dürfen.

7. Wie wird der Stoff wieder abgebaut? Wie ist das weitere Vorgehen?

Perfluorierte Chemikalien sind weitgehend resistent gegen Abbaumechanismen in der freien Natur wie z.B. UV-Strahlung und biologische Abbauprozesse.
Die EU hat die Anwendung des Stoffes stark eingeschränkt.
Ein Eintragspfad waren Feuerlöschschäume; ein wichtiger Schritt war somit, dass die Verwendung und das Inverkehrbringen von PFOS 2006 EU-weit stark eingeschränkt wurden.

8. Was machen die Behörden?

Das LfU hat seit 2006 Grundwasser, Oberflächenwasser und Abwässer in Bayern auf Per- und Polyfluorierte Chemikalien (PFC) untersucht.
Die festgestellten Konzentrationen im Grundwasser lagen in der Regel deutlich unter dem Leitwert für Trinkwasser von 0,3 µg/l für die Summe der Konzentrationen von PFOS und PFOA. Bei Schadensfällen wie z.B. am Nürnberger Flughafen kann es vereinzelt zu höheren Konzentrationen kommen.
Durchschnittlich liegen die Belastungen in den bayerischen Oberflächengewässern im einstelligen Nanogramm pro Liter-Bereich.
Das LfU entwickelt Sanierungsmaßnahmen. Beispielsweise im Rahmen eines Forschungsprojektes am Nürnberger Flughafen (Projektlaufzeit: 1.12.2011 bis 31.12.2013). Ziel ist eine Technologie zur Reinigung von PFC-belasteten Wässern zu entwickeln. Getestet werden dazu verschiedene Verfahren mit Aktivkohlefiltern und Ionenaustauschern.
Das LfU-Forschungsprojekt untersucht in Zusammenarbeit mit den Wasserwirtschaftsämtern auch andere bayerische Flugplätze. Auch im Umfeld der übrigen bayerischen Flughäfen werden Boden- und Wasserproben genommen - erhöhten PFC-Werten wird in diesem Rahmen nachgegangen.

9. Was tun die Feuerwehren um die Belastung durch PFC-haltige Löschschäume zu vermindern?

Viele kommunale und auch Werkfeuerwehren haben bereits vor der Verbotsfrist 2011 auf fluorfreie Löschschäume umgestellt. Der bewusste Umgang mit entsprechenden Löschschäumen und die Minimierung des Einsatzes auf den zwingend notwendigen Einsatzbereich sind auch Thema im Bereich der Ausbildung an den Feuerwehrschulen. Umweltverwaltung und Feuerwehrverbände kooperieren seit einigen Jahren eng, um die Umweltrisiken so weit wie möglich zu minimieren.
Ganz vermeiden lassen sich die Risiken aber noch nicht, da noch nicht für alle Einsatzzwecke Alternativen zur Verfügung stehen. Gerade in Sicherheitsbereichen, wo es ggf. auf die Rettung von Menschenleben ankommt, sind PFC-haltige Löschschäume für eine möglichst rasche Brandbekämpfung derzeit noch unerlässlich.

10. Wo können sich die Feuerwehren über geeignete fluorfreie Schaummittel informieren?

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat in Kooperation mit dem Bayerischen Innenministerium sowie den Bayerischen Feuerwehrverbänden und -schulen eine erste Infoveranstaltung durchgeführt. Es sind weitere Veranstaltungen dieser Art geplant. Die Vorträge der ersten Veranstaltung finden sich unter:

Das Umweltbundesamt hat einige Basisinformationen zusammengestellt unter:

11: Was kann ich persönlich tun, um den PFC-Eintrag in die Umwelt zu vermindern?

Viele Produkte werden mit Hilfe von PFC hergestellt (z.B. Teflon) oder enthalten selbst noch PFC (z.B. Textilien). Für den Verbraucher ist dies oft schwer nachvollziehbar. Viele Hersteller werben zwar mittlerweile mit einer PFOS/PFOA-freien Herstellung, sind aber nur auf andere fluorierte Verbindungen umgestiegen. Diese sind zwar i.d.R toxikologisch weniger bedenklich aber trotzdem persistent, also in der Umwelt nicht abbaubar.
Aktuell haben sich bereits einige Textilproduzenten, vor allem im Bereich Outdoor-Bekleidung, einer Aktion mit dem Ziel angeschlossen, bis 2015 keine PFC mehr bei der Produktion zu verwenden. Informationen finden sich meist auf den jeweiligen Herstellerseiten im Internet.
Darüber hinaus kann jeder Einzelne für sich prüfen, ob eine schmutz- und wasserabweisende Beschichtung für den jeweiligen Einsatzzweck (Bekleidung, Heimtextilien, Haushaltsgeräte) wirklich unerlässlich ist.