Hinweise zur Bearbeitung von Fischsterben

Aufklärung von Fischsterben im Vollzug des Wasserrechts (VwVBayWG, Art. 68.5.3.3)

Das Wasser stellt nicht nur für Menschen eine der wichtigsten Lebensgrundlagen dar, Wasser ist gleichermaßen für Tier- und Pflanzenwelt unentbehrlich. Durch die vielseitige Nutzung des Wassers durch den Menschen, sind Beeinträchtigungen bezüglich der Qualität des Wassers oft die Folge. Die im Wasser lebenden Organismen stehen in einer engen Wechselbeziehung mit sämtlichen im Wasser ablaufenden Prozessen, sei es mit natürlichen chemisch-physikalischen und biologischen oder mit künstlichen vom Mensch induzierten Abläufen. Je nach Häufigkeit und Intensität derartiger Einflüsse kommt es in den Organismen zu unterschiedlichen Reaktionsmustern, die in ihrer dramatischsten Form den Tod bedeuten können, so auch bei Fischen.

Tote Fische als Folge einer Gewässerverunreinigung Bild vergrößern Tote Fische als Folge einer Gewässerverunreinigung

Alljährlich sind Fischsterben auch in bayerischen Gewässern zu beklagen, die u.U. zur Verarmung oder sogar zu Totalverlusten der Fischbestände führen können. Fische sind aber nicht nur von großer Bedeutung für das aquatische Ökosystem sondern spielen auch wirtschaftlich eine Rolle. Bei großen Fischverlusten kann den Fischereirechtsinhabern und den Pächtern von Gewässern großer materieller Schaden entstehen.
Der Ursachenfindung bei Fischsterben kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Die Rechtsgrundlage stellt die Verwaltungsvorschrift zum Vollzug des Wasserrechts, VwVBayWG, Art. 68.5.3.3, dar. Bei Fischschädigungen ermitteln die Wasserwirtschaftsämter in Zusammenarbeit mit der Polizei.

Vorgehensweise und Zuständigkeiten bei Fischsterben Bild vergrößern Vorgehensweise und Zuständigkeiten bei Fischsterben

Die Sicherstellung von Wasserproben im Verlauf des Fließgewässers bzw. an verschiedenen Stellen bei Teichen dient der Feststellung, wieweit eine mögliche Gewässerverunreinigung als Ursache des Fischsterbens in Frage kommt. Die Erstuntersuchung der Wasserproben erfolgt an den WWÄ.
Einen besonderen Stellenwert kommt der korrekten Sicherstellung toter Fische zu, deren sachgerechter Verpackung, deren Zwischenlagerung in gefrorenem Zustand sowie der exakten Protokollierung und Beschreibung der Situation vor Ort. Als weiterer Punkt zu nennen ist die schnellst mögliche Zustellung der Fische an das LfU. Die Untersuchung der Fische zur Aufklärung möglicher Ursachen ist Aufgabe des LfU.

Die Maßnahmen, die zur Aufklärung von Gewässerverunreinigung und Fischsterben berücksichtigt werden sollen, sind in einem entsprechenden Merkblatt übersichtlich zusammengestellt. Für den Personenkreis (in der Regel Polizei und WWA), der mit der Bearbeitung und der Probensicherung von Fischen und Wasserproben vor Ort zu tun hat, steht ein Protokollblatt zur Verfügung, das in jedem Schadensfall ausgefüllt und auch am PC direkt bearbeitet werden kann. Eine Bestückungsliste für den Probenahmekoffer mit notwendigen Utensilien, der zur Probensicherung mitgeführt werden sollen, wurde erstellt, um die korrekte Probenahme zu erleichtern. Ein Anschriftenlistenformular, das alle Behörden, die benachrichtigt und eingeschaltet werden müssen, aufführt, hilft die Benachrichtigungsketten einzuhalten. Die Dokumente stehen am Ende dieser Seite zum Download zur Verfügung.

Eine pathologisch-anatomische Untersuchung der Fische sollte in jedem Fall durchgeführt werden und zwar unabhängig davon, ob bereits ein konkreter Verdacht vorliegt wie z.B. Gülleeintrag, Chemieunfall, Bautätigkeiten am Gewässer usw.. Eine Ursachenabgrenzung einer möglichen Schadwirkung aus dem Wasser gegenüber Parasitosen und Infektionserkrankungen bakterieller und viraler Natur, die je nach Ausprägung auch einen tödlichen Verlauf aufweisen können, ist ein erster Schritt für weitere gezielte Untersuchungsmethoden. Pathologisch-anatomische Merkmale der Organe können im gegebenen Fall Hinweise auf eine Vergiftung liefern, sodass eine chemische Rückstandsuntersuchung aus den Organen notwendig erscheint. Fische nehmen Schadstoffe aus dem Wasser vor allem über die Kiemen auf und können diese in ihren Organen speichern.
Die Höhe der Stoffkonzentration im Wasser, die chemisch-physikalischen Eigenschaften der Stoffe sowie deren Kontaminationszeit auf die Fische sind ausschlaggebend, wie hoch die Stoffkonzentration in den Organen sein wird und welche lebenswichtige physiologische Prozesse u. U. verändert oder blockiert werden: eine mögliche Folge – der Fisch stirbt.
Mit Hilfe der modernen instrumentellen Analytik ist man in der Lage Schadstoffe aus Fischorganen zu detektieren. Die wichtigsten hierbei zum Einsatz kommenden Geräte sind GC-MS, HPLC, Headspace-MS und die ICP-MS.

Ergeben die pathologisch-anatomische Untersuchungen Symptome einer bakteriellen oder viralen Infektion, so müssen entsprechende Erregernachweise veranlasst werden, um den Verdacht zu bestätigen. Derartige Infektionskrankheiten können wie auch Parasiten auf Haut und Kiemen bzw. im Magen-Darm-Trakt oder in den Organen der Leibeshöhle zu massiven Fischverlusten führen. Der Auslöser solcher Erkrankungen kann ein Besatz mit bereits erkrankten Fischen oder auch die Folge einer chronischen Dauerbelastung im Gewässer sein, die zu einer allgemeinen Schwächung und erhöhten Empfänglichkeit der Fische gegenüber Erregern führen kann.

Ursachen für Fischsterben 2006. Tortendiagramm; Abwasser Landwirtschaft 24%, Abwasser Industrie/kommunal 5%, Schadstoffe/Gift 16%, gewässerinterne Ursachen 10%, Bewirtschaftungsfehler 3%, Fischkrankheiten 21%, sonstige Ursachen 8%, unbekannte Ursachen 13%. Bild vergrößern Ursachen für Fischsterben 2006

Es gibt eine große Vielfalt an Ursachen, die ein Fischsterben auslösen können. Sowohl die Anzahl der Fischsterben als auch deren Ursachen variieren von Jahr zu Jahr. Um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, wie gehäuft eine bestimmte Ursache als Grund für das Verenden von Fischen im Vergleich zu anderen Ursachen verantwortlich war, hat man die häufigsten Ursachen für Fischsterben in acht Übersichtsgruppen aufgeteilt. Anteilig werden dann die aufgezählten Fälle pro Ursachengruppe prozentual erfasst und grafisch dargestellt.