Chronische Schadstoffwirkungen

Im Wasser lebende Wirbeltiere wie Fische und Amphibien stellen als Endglieder der Nahrungskette wichtige Indikatoren für eine Schadstoffbelastung dar und liefern Informationen zur Risikoabschätzung von Umweltchemikalien. Zahlreiche Chemikalien wie z.B. hormonell wirksame Substanzen oder Arzneimittel sind in der Umwelt nur in Spuren vorhanden, sodass von ihnen keine akuten Gefahren für Gewässerorganismen ausgehen. Eine langfristige Einwirkung dieser Stoffe kann jedoch zur Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes von Wassertieren führen.

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Am LfU werden seit vielen Jahren Untersuchungen zur längerfristigen oder chronischen Fischtoxizität von Umweltchemikalien durchgeführt. Die technische Durchführung der Versuche erfolgt in der Regel in Anlehnung an die OECD Richtlinie 204.
Die Dauer der Exposition richtet sich nach dem Einzelfall, beträgt aber mindestens 28 Tage, z.T. auch mehrere Monate oder findet sogar generationsübergreifend statt.
Zur Erfassung von Auswirkungen auf frühe Lebensstadien von Fischen dienen Versuche nach OECD Richtlinie 210.

Das LfU verfügt über toxikologische Versuchseinrichtungen vor Ort, die flexibel und problemorientiert eingesetzt werden können. Neben einer Testanlage zur Ermittlung von Schadstoffwirkungen unter Laborbedingungen stehen Mesokosmen (Modellökosysteme) Durchführung von Freilanduntersuchungen im Modellmaßstab zur Verfügung.
In den meisten Fällen dienen Fische als Versuchstiere zur Abbildung einer Schadstoffwirkung. Für manche Fragestellungen werden auch unterschiedliche Entwicklungsstadien von Amphibien eingesetzt und die vorgegeben Testvorschriften für diese Tierarten modifiziert.

Nach den chemikalienrechtlichen Vorgaben erfolgt die Überprüfung der langfristigen Toxizität anhand klassischer toxikologischer Prüfparameter wie z.B. Wachstumsrate, Verhalten oder Reproduktionserfolg. Das Spektrum der am LfU angewandten Untersuchungsmethoden umfasst darüber hinaus hämatologische, klinisch-chemische, biochemische und pathologische Untersuchungen. Diese medizinisch-toxikologischen Disziplinen ermöglichen die Erfassung von mit dem bloßen Auge nicht sichtbaren, subtilen Schädigungen der Tiergesundheit, die langfristig Auswirkungen auf den Bestand von Tierpopulationen haben können.