Toxizitätstests - akute Schadwirkungen
In der Ökotoxikologie spielen Toxizitätstests mit Wasserorganismen eine bedeutende Rolle. Es gibt eine Vielzahl von standardisierten bzw. genormten Testverfahren, die sowohl in der Umweltbewertung, speziell im Bereich Wasser, Sedimente, Böden und Altlasten, bei der Überwachung von Industrieabwässern als auch bei der Gefährdungsabschätzung von Chemikalien in der Umwelt eingesetzt werden. Von akuten Schadwirkungen spricht man dann, wenn diese sich massiv (z.B. durch Wachstumshemmung oder Tod), innerhalb kurzer Zeit und unmittelbar manifestieren. In den Labors des LfU werden Toxizitätstests mit Fischen, Daphnien, Algen, Wasserlinsen und Leuchtbakterien durchgeführt, die nachfolgend erläutert werden.
Fischeitest - Giftigkeit gegenüber Fischen
Fische sind mit die wichtigsten Vertreter der Unterwasserwelt und von hohem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interesse. Die Bestimmung der Fischgiftigkeit von Wasser, Abwasser und Chemikalien erfolgt am LfU mit einem tierschutzfreundlichen Test. Durch dieses speziell für den Abwasserbereich entwickelte alternative Verfahren werden Tierversuche überflüssig, da anstelle von erwachsenen Fischen, lediglich deren Eier für die Untersuchung herangezogen werden.
Hierzu werden im Labor Zebrabärblinge (Danio rerio) in einem Aquarium zur Eiablage gebracht. Nur die befruchteten Eier werden entnommen und in die zu untersuchende Probe transferiert. Nach 48 Stunden wird unter dem Mikroskop festgestellt, ob die Eier durch Gifteinwirkung zerstört wurden, oder ob sich daraus ein Embryo entwickeln konnte. Die Bestimmung der Fischgiftigkeit erfolgt nach der Analysenmethode DIN 38415-6.
Daphnientest - Giftigkeit gegenüber Kleinkrebsen (Daphnien)
Kleinkrebse sind Fischnährtiere, die funktionell als Konsumenten niederer Ordnung eine wichtig Rolle im Stoffhaushalt von Gewässern spielen. Als Testorganismus dient Daphnia magna (großer Wasserfloh). In einer laboreigenen Zucht vermehren sich die weiblichen Tiere eines Klons durch Parthenogenese (Jungfernzeugung).
Für den Test nach DIN 38412-11 oder DIN 38412-30 werden 24 Stunden alte Jungtiere von den Muttertieren getrennt und in die zu untersuchende Wasserprobe bzw. Chemikalienlösung eingesetzt. Als Maß für die toxische Wirkung gilt der Verlust der Mobilität (Schwimmfähigkeit), die nach Ablauf der Testzeit durch Beobachtung ermittelt wird. Ziel ist es, die Abhängigkeit der Hemmwirkung von der Konzentration zu quantifizieren. Dies kann z.B. in Form einer sogenannten Dosis-Wirkungs-Kurve dargestellt werden, aus der die EC50 ermittelt wird.
Algentest - Giftigkeit gegenüber Algen
Einzellige Grünalgen sind mikroskopisch kleine Pflanzen, mit denen die Hemmung des Wachstums durch Stoffe und Stoffgemische nach DIN EN ISO 8692 oder von Abwasser nach DIN 38412-33 untersucht wird. Hierbei werden die Testorganismen in einer Nährlösung, die unterschiedliche Konzentrationen der Probe enthält, belichtet.
Lemnatest - Giftigkeit gegenüber höheren Wasserpflanzen
Im Vergleich zu einzelligen Grünalgen gehören die Wasserlinsen (Lemna minor) zu den höheren Wasserpflanzen. Sie wachsen in Kolonien und können durch Wasserinhaltsstoffe und Abwasser geschädigt werden. Die Bestimmung der Toxizität gegenüber Wasserlinsen erfolgt nach DIN EN ISO 20079.


Als Kriterium dient die Hemmung des Wachstums, das sich bei diesen Pflanzen in verschiedenen Beobachtungsparametern manifestiert u.a. in einer geringeren Anzahl und/oder Fläche der Pflanzenbestandteile (sogenannte „Fronds“) oder im Auftreten von Nekrosen (abgestorbenes Gewebe). Für die Zählung und Flächenermittlung wird am LfU eine Videokamera und ein Bildauswertesystem eingesetzt. Die Testdauer beträgt 7 Tage. Aus den Einzelmessungen werden Wachstumskurven erstellt und die Hemmung der Wachstumsrate ermittelt.
Leuchtbakterientest - Giftigkeit gegenüber Leuchtbakterien

Die akute Toxizität wird bei diesem Testverfahren durch die Hemmung der Lichtemission von Leuchtbakterien (Vibrio fischeri) bestimmt. Die lumineszierende Bakteriensuspension kann entweder frisch gezüchtet oder aus konservierten Präparaten hergestellt werden. Bei diesem sehr schnellen Toxizitätstests kann bereits nach einer Einwirkungszeit von 30 Minuten eine Hemmwirkung durch Schadstoffe festgestellt werden. Da es sich um marine Bakterien handelt, müssen die Testansätze vor der Messung mit Kochsalz auf Meerwasserkonzentration aufgesalzen werden.
