Fäkale Abschwemmung aus der Landwirtschaft

Einleitung

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Qualität vieler oberirdischer Gewässer erheblich verbessert. Dieser Erfolg ist im Wesentlichen dem fortschreitenden Ausbau und verbesserten Reinigungstechniken von Abwasserbehandlungsanlagen zuzuschreiben. Demgegenüber erlangen die Verunreinigungen aus diffusen Quellen, d.h. die aus der Fläche stammenden Stoffverlagerungen, zunehmende Bedeutung, insbesondere für das Grundwasser. Um geeignete Maßnahmen zu ihrer Minderung bzw. Eliminierung veranlassen zu können, müssen die diffusen Eintragsquellen und –pfade identifiziert und die zugehörigen Stoffeinträge quantifiziert werden.

Arbeiten am LfU

Das LfU untersucht die Verlagerung von Fäkalbakterien in der Bodenpassage unter Einbeziehung des Standorttyps und der Bewirtschaftungsform. Die Ansätze reichen hierbei von Messungen auf Einzugsgebietsebene bis hin zur Bilanzierung des Bakterienaustrags aus gedränten Flächen und ehemaligen Trinkwassersammlern unter simulierten Niederschlagsereignissen.

Beregnung einer mit Gülle gedüngten Versuchsfläche Bild vergrößern Beregnung einer mit Gülle gedüngten Versuchsfläche
Als Nachweis einer fäkalen Belastung im Sickerwasser dienen Fäkalindikatorbakterien, die auch als Bewertungsparameter in der EG-Richtlinie über die Qualität der Badegewässer vorgesehen sind.

Untersuchungsergebnisse und Handlungsempfehlungen für den Landwirt

Abflussmessungen weisen auf eine schnelle Wasserbewegung im Boden über Grobporen hin. Der Gesamtaustrag über den Dränabfluss erreichte bei den Beregnungsversuchen bis zu 14% der aufgebrachten Fäkalbakterien. Hochgerechnet auf einen Hektar Fläche werden bis zu 1012 Fäkalbakterien über das Sickerwasser ausgeschwemmt. Diese Fracht würde reichen, 50.000 m3 sauberes Wasser über den Grenzwert für Badegewässer zu belasten. Selbst in einem Trinkwassersammler (4,5 m Tiefe) konnte eine bakterielle Kontamination über den schnellen Grobporenfluss nachgewiesen werden. Die Ausbildung von Grobporen führt zu einer schnellen Verlagerung von Fäkalbakterien im Boden.

Die wirksamste Maßnahme, die Belastung des Sickerwassers mit Fäkalbakterien zu verringern, liegt in der Reduzierung der Düngemenge auf das für die Bodenfruchtbarkeit absolut notwendige Maß. Eine weitere Möglichkeit besteht im Ausbringen von Gülle oder Festmist mit einer geringen Konzentration an Fäkalbakterien, sei es durch Lagerung oder Behandlung (Güllehygienisierung, Mistkompostierung). Düngeranwendungen sind zu vermeiden, wenn starke Niederschläge kurz nach der Ausbringung zu erwarten sind, da nicht ausreichend Zeit für ein Absterben der Bakterien an der Bodenoberfläche (UV-Strahlung, Austrocknung) oder für eine Diffusion in die Bodenaggregate besteht.

Informationen und Veröffentlichungen zum Thema:

  • Weiß, K. (2003): Belastung von Oberflächengewässern durch Eintrag auslandwirtschaftlich genutzten Flächen. In: Hygienische Aspekte von Oberflächengewässern aus wasserwirtschaftlicher Sicht. Münchener Beiträge zur Abwasser-, Fischerei- und Flussbiologie Bd. 55, Oldenbourg Industrieverlag München, pp. 79-91
  • Weiß, K. (2002): Einträge von Fäkalbakterien in Oberflächengewässer aus gedränten Flächen. KA Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 49, 834-836