Bakteriologisch-hygienische Untersuchungen

Nachweis von Gesamt- und Fäkalcoliformen Bakterien

Der Nachweis von Gesamt- und Fäkalcoliformen Bakterien (entsprechend der EG-Badegewässerrichtlinie) erfolgt nach dem „Most Probable Number (MPN)“-Verfahren mit Fluorocult® Laurylsulfat-Bouillon. Bei dieser Methode werden mit Nährbouillon gefüllte Röhrchen mit unterschiedlichen Verdünnungen des zu untersuchenden Wassers beimpft. Anhand von Statistiktabellen kann aus der Anzahl der positiven Röhrchen die wahrscheinliche Anzahl (MPN) der in 100 ml Wasser enthaltenen Bakterien ermittelt werden.

Gasproduktion im Kulturröhrchen zeigt das Vorhandensein Gesamtcoliformer Bakterien in der Wasserprobe an. Das Gas entsteht bei der Vergärung der im Medium enthaltenen Laktose.

Nachweis von Fäkalcoliformen Bakterien mit der Fluoreszenzmethode Bild vergrößern Nachweis von Fäkalcoliformen Bakterien mit der Fluoreszenzmethode
Fluoresziert das Medium nach Zugabe von Natronlauge außerdem unter ultraviolettem Licht (360 nm), ist der Nachweis für Fäkalcoliforme Bakterien (E. coli) erbracht. Dieser Nachweis beruht auf einem bei E. coli vorhandenen Enzym, das aus einem Substrat (4-Methylumbelliferyl-β-D-glucuronid) eine fluoreszierende Substanz freisetzt.
Das im Medium enthaltene Laurylsulfat hemmt das Wachstum von Begleitorganismen.

Eine alternative Bestimmungsmethode für Fäkalcoliforme Bakterien (E. coli) ist ein miniaturisiertes MPN-Verfahren in Mikrotiterplatten (nach EN ISO 9308-3). Entsprechende Verdünnungen der Wasserprobe werden in die Mikrotiterplatten-Vertiefungen eingeimpft, die getrocknetes Nährmedium enthalten. Das Vorkommen Fäkalcoliformer Bakterien (E. coli) wird durch Fluoreszenz angezeigt.

Nachweis von Fäkalcoliformen Bakterien mit der Fluoreszenzmethode in MikrotiterplattenBild vergrößern Nachweis von Fäkalcoliformen Bakterien mit der Fluoreszenzmethode in Mikrotiterplatten
Zur Bestätigung werden die bewachsenen Filter auf Galle-Äsculin-Agar übertragen. Kolonien Fäkaler Streptokokken färben diesen dunkelbraun an.

Nachweis von Fäkalen Streptokokken (intestinale Enterokokken)

Fäkale Streptokokken (intestinale Enterokokken) werden mit dem Membranfiltrationsverfahren nach EN ISO 7899-2 bestimmt. Die Methode beruht auf der Filtration eines bestimmten Volumens der Wasserprobe durch einen Membranfilter, der die Bakterien zurückhält. Der Filter wird anschließend auf ein festes Nährmedium gelegt (Membranfilter-Enterokokken-Agar nach Slanetz und Bartley), welches Natriumazid enthält, um das Wachstum von Gram-negativen Bakterien zu unterdrücken. Charakteristische Kolonien von Fäkalen Streptokokken färben sich rot an.

Nachweis von Fäkalen Streptokokken mit der Membranfiltermethode auf Enterokokken-Agar nach Slanetz und Bartley (links) und Galle-Äsculin-Agar (rechts)Bild vergrößern Nachweis von Fäkalen Streptokokken mit der Membranfiltermethode auf Enterokokken-Agar nach Slanetz und Bartley (links) und Galle-Äsculin-Agar (rechts)

Fäkale Streptokokken (intestinale Enterokokken) können alternativ ebenfalls mit einem miniaturisierten MPN-Verfahren in Mikrotiterplatten (nach EN ISO 7899-1) bestimmt werden (siehe oben).

EG-Badegewässerrichtlinien

Grundlage für die Überwachung der Badegewässer in den Ländern sind die entsprechenden Landesverordnungen, in denen die EG-Richtlinie über die Qualität der Badegewässer (76/160/EWG) umgesetzt wurde. Die Überwachung umfasst nach dieser Richtlinie 19 Parameter, darunter folgende mikrobiologische Parameter:

EG-Richtlinie über die Qualität der Badegewässer vom 08.12.1975 (76/160 EWG)bzw. Bayerische Badegewässerverordnung (BayBadeGewV) vom 20.07.1998
Mikrobiologische Parameter Vol. Leitwert Grenzwert
Gesamtcoliforme Bakterien 100 ml 500 (80) 10 000 (95)
Fäkalcoliforme Bakterien 100 ml 100 (80) 2 000 (95)
Fäkale Streptokokken* 100 ml 100 (80) -
* dieser Parameter muss nicht routinemäßig untersucht werden
Die Ziffern in Klammern geben die Probenanzahl in Prozent an, bei denen die Werte nicht überschritten werden dürfen. Der Probenahmeabstand beträgt 14 Tage, bei negativem Befund im Vorjahr 4 Wochen.

Am 24.03.2006 ist die novellierte Badegewässerrichtlinie 2006/7/EG in Kraft getreten, die von Bund und Ländern innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umzusetzen ist. Dann wird sie die alte Richtlinie ersetzen. Die neue Richtlinie enthält nur noch 2 anstatt bisher 19 Parameter:

EG-Richtlinie über die Qualität der Badegewässer vom 15.02.2006 (2006/7/EG)
Parameter Vol. Ausgezeichnete Qualität Gute Qualität Ausreichende Qualität
Escherichia coli 100 ml 500 (95) 1 000 (95) 900 (90)
Intestinale Enterokokken 100 ml 200 (95) 400 (95) 330 (90)

Die Ziffern in Klammern geben die Grundlage der Perzentil-Berechnung an.

  • Weiß, K. (2003): Belastung von Oberflächengewässern durch Eintrag auslandwirtschaftlich genutzten Flächen. In: Hygienische Aspekte von Oberflächengewässern aus wasserwirtschaftlicher Sicht. Münchener Beiträge zur Abwasser-, Fischerei- und Flussbiologie Bd. 55, Oldenbourg Industrieverlag München, pp. 79-91
  • Zaglauer, A. (2003): Belastung von Oberflächengewässern durch Wasservögel. In: Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft (Hsg.): Hygienische Aspekte von Oberflächengewässern aus Sicht der Wasserwirtschaft. Münchener Beiträge zur Abwasser-, Fischerei- und Flußbiologie 55, 93-105; Oldenbourg München
  • Weiß, K. (2002): Einträge von Fäkalbakterien in Oberflächengewässer aus gedränten Flächen. Korr. Abw. 49 (6), 834-836