Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Naturschutzfachliche Untersuchungen mit Hilfe von DNA-Tests

Neue Tierarten, sogenannte „Neozoen“, die in unsere Gewässer einwandern und sich dort verbreiten sind gleichermaßen ein Problem der Wasserwirtschaft und des Naturschutzes. Sie greifen in das Nahrungsnetz ein, verdrängen oft die heimischen Arten und vermehren sich i.d.R. sehr rasch, wenn natürliche Feinde fehlen. Im Unterschied zu einer gezielten, lokal begrenzten Aussetzung bilden vernetzte Gewässer, Schiffsverkehr und Boot-Tourismus ideale Voraussetzungen für die unbewusste Ausbreitung fremder Arten. DNA-Untersuchungen können hier dazu beitragen, Identität, Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen zu klären.

Höckerflohkrebs Dikerogammarus im Bodensee

Eine dieser invasiven Arten ist der Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus (Amphipoda). Er hat u.a. den Bodensee besiedelt und breitet sich dort aus. Ein Teilprojekt des LfU widmet sich diesem illegalen Einwanderer.

Der Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus ist ein illegaler Einwanderer, der den im Bodensee erobert. Bild vergrößern Der Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus ist ein illegaler Einwanderer, der den im Bodensee erobert. | Martin Huber, WWA-Kempten

Der zu den Flohkrebsen (Amphipoda) gehörende Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus stammt aus dem Pontokaspischen Raum und ist vom Kaspischen Meer über die Donau in bayerische Gewässer gelangt. Die Tiere sind stark invasiv und verdrängen einheimische Arten, wie den kleineren Flussflohkrebs (Gammarus roeseli), den sie z.T. auch direkt attackieren, aus ihrem angestammten Biotop.

Durch populationsgenetische Untersuchungen anhand von DNA-Tests werden Hinweise über die Abstammung erwartet, ob es sich um eine singuläre oder Mehrfacheinschleppung handelt und inwieweit Besiedlungsschübe genetisch manifestiert sind. Teile der DNS des Höckerflohkrebs sind wissenschaftlich entschlüsselt. Die molekularbiologische Unterscheidung der Fundtiere hängt unter anderem von der Besiedelungsstrategie und von der bereits stattgefundenen Durchmischung der Genome ab.

Für die DNA-Tests werden sowohl Proben von frischen als auch von konservierten Organismen aus früheren Jahren untersucht. Die Tiere stammen von ausgewählten Uferregionen des Bodensees und von dessen Zuflüssen. Nach DNS-Extraktion und Reinigung, erfolgt die Amplifikation der spezifischen DNS –Fragmente mittels PCR (Polymerase Kettenreaktion), und eine Differenzierung mittels denaturierender Gradienten-Gelelektrophorese (DGGE) oder anderer Methoden. Eine hohe Zahl von Nachkommen und bis zu drei Generationen während eines Sommers stellt die molekularbiologische Verwandtschaftsanalyse vor große Herausforderungen.