Schadensfallbearbeitung
Die Schadensfallbearbeitung ist das „kriminalistische“ Teilgebiet der Umweltanalytik des LfU. Während bei Unfällen die dabei in die Umwelt ausgetretenen Stoffe oft bekannt sind, werden Umweltdelikte häufig erst durch den eingetretenen Schaden erkannt. Die Ursache ist dann meist nicht bekannt und es muss nach der schädigenden Substanz gesucht werden.
Dazu werden verschiedenste Analysenverfahren zur Identifikation der Ursachen für Umweltbeeinträchtigungen bestimmt.Allgemeine Vorgehensweise bei der Bearbeitung von Schadensfällen:
Im einfachsten Fall ist die Ursache einer Umweltverschmutzung bekannt und es muss nur die Konzentration der in die Umwelt gelangten Stoffe bestimmt werden. Dazu werden meist die in der routinemäßigen Umweltüberwachung eingesetzten Analysenverfahren verwendet.
In den meisten Fällen sind die Stoffe, die eine Umweltbeeinträchtigung verursachen, jedoch nicht genau bekannt. Gibt es Hinweise auf mögliche Ursachen, wird zunächst nach diesen Stoffen gesucht. Da z.B. Fischsterben oft durch Einleitungen von Gülle oder Pflanzenschutzmitteln verursacht werden, wird in solchen Fällen zunächst mit den Routineverfahren nach diesen Stoffen gesucht. Wenn sich diese Vermutung nicht bestätigt, wird ein „Screening“ auf unbekannte Stoffe durchgeführt. Dazu können auch anorganische Stoffe wie z.B. Titanoxid oder andere Pigmente gehören, die häufig die Ursache von Verfärbungen von Gewässern sind, wenn Farbreste beseitigt wurden.
Liegen keine Hinweise auf die Kontaminanten vor, wird ein „Screening“ durchgeführt. Dazu wird zunächst eine Headspace-Analyse mit Gaschromatografie/Massenspektrometrie (GC/MS) auf leicht flüchtige organische Verbindungen durchgeführt. Dann wird ein neutraler Pentan-Extrakt und ein saurer Dichlormethan-Extrakt hergestellt und mit GC-MS untersucht. Mit Hilfe von großen Spektren-Bibliotheken wird dann versucht die Substanzen zu identifizieren. Wenn eine Substanz(-klasse) erkannt wurde, wird gegebenenfalls mit den entsprechenden Routineverfahren eine genaue Quantifizierung durchgeführt.
Manchmal lassen sich auch mit diesen Methoden keine Hinweise auf die Schadstoffe finden. Dann wird versucht weitere Hinweise auf die Ursache zu bekommen und entsprechende Analysen angeschlossen. Können keine weiteren Hinweise gefunden werden, bleibt dieser Schadensfall ungelöst.
Die Identifikation unbekannter Kontaminanten ist wie eine Suche im Heuhaufen, wobei man noch nicht einmal weiß, dass man eine Nadel suchen soll. Der Aufwand eine solche Substanz zu identifizieren wird mit jeder weiteren Methode größer und die Wahrscheinlichkeit einen Stoff zu identifizieren geringer. In diesen Fällen ist daher abzuwägen, ob durch eine Identifikation tatsächlich erfolgreiche Maßnahmen zur Abwehr von weiteren Schädigungen oder Sanierungen möglich sind.
Dabei muss stets berücksichtigt werden, dass der Aufwand für weitergehende Untersuchungen im angemessenen Verhältnis zu möglichen Konsequenzen steht.
