Rechtliches und Richtwerte

Bundesweit gibt es außer in der Düngemittelverordnung mit 100 µg/kg Trockenmasse für die Summe aus PFOS und PFOA noch keine gesetzlichen Grenzwerte für diese Stoffklasse. In der Novellierung der Klärschlammverordnung soll ein Grenzwert für PFOS enthalten sein. Für Grund-, Trink- und Oberflächengewässer gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte z.B. im Rahmen der Trinkwasserverordnung. Für die am weitesten verbreiteten Verbindungen PFOA und PFOS wurden aber wegen ihrer Toxizität Richtwerte für die verschiedenen Umweltmedien vorgeschlagen (s.u.). Für Trinkwasser hat die Trinkwasserkommission am Umweltbundesamt einen Orientierungswert von 0,3 µg/l festgelegt, der die bei lebenslanger Aufnahme gesundheitlich duldbare Konzentration angibt. Dieser Orientierungswert wird auch für die Beurteilung von Grundwasser herangezogen. Oberhalb von 0,3 µg/l [Summe aus PFOS, Perfluorhexansäure (PFHxS) und PFOA] wird von einer schädlichen Grundwasserveränderung ausgegangen, d.h. die Qualität des Grundwassers wird beeinträchtigt.

PFOS ist chemikalienrechtlich als so genannter PBT-Stoff eingestuft. Die Anwendung und das Inverkehrbringen von PFOS wurden europaweit durch die Verordnung 850/2004/EG ("POP"-Verordnung) verboten, die durch die EU-Verordnung 757/2010 geändert wurde. Demnach gelten in der europäischen Union folgende Beschränkungen für PFOS:

  • Stoffe oder Gemische mit einem PFOS-Gehalt von > 0,001 %,
  • Neue Erzeugnisse oder Teile davon mit einem PFOS-Gehalt von 0,1 % und mehr,
  • Neue Textilien oder andere neue beschichtete Werkstoffe mit einem Gehalt von 1 µg/m2 oder mehr in Verkehr zu bringen.

Ausnahmen gelten für folgende Anwendungen so lange keine Alternativen bestehen:

  • Fotoresistlacke und Antireflexbeschichtungen für fotolithographische Prozesse
  • Fotographische Beschichtungen von Filmen, Papieren und Druckplatten
  • Mittel zur Sprühnebelunterdrückung für nicht dekoratives Hartverchromen (Chrom VI) in geschlossenen Kreislaufsystemen
  • PFOS-haltige Netzmittel für überwachte Galvanotechniksysteme dürfen noch bis 26. August 2015 verwendet werden
  • Hydraulikflüssigkeiten für Luft- und Raumfahrt
  • PFOS-haltige Feuerlöschschäume mit einem Gehalt von mehr als 0,001 % durften noch bis zum 27. Juni 2011 verwendet werden

Außerdem ist PFOS in Anhang B der Stockholmer Konvention enthalten, die die Vertragsstaaten verpflichtet, PFOS in ihrem jeweiligen Hoheitsgebiet zu beschränken. Die Stockholmer Konvention ist eine internationale Übereinkunft (derzeit 151 Staaten) über völkerrechtlich bindende Verbots- und Beschränkungsmaßnahmen für sogenannte "POPs" (persistente organische Schadstoffe). Bereits im Jahr 2003 wurde PFOS als prioritärer Stoff in die OSPAR-Konvention (Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt im Nordost-Atlantik aus 15 europäischen Staaten) aufgenommen.

In Zusammenarbeit mit der norwegischen Klima- und Umweltverschmutzungsbehörde (Klif) verfasste das deutsche Umweltbundesamt (UBA) 2012 einen Antrag, um PFOA in die Kandidatenliste der europäischen Chemikalienagentur (ECHA) für das im Chemikalienrecht neue Zulassungsverfahren aufzunehmen. Da PFOA persistent, giftig und fortpflanzungsgefährdend ist, soll es als sogenannter "besonders besorgniserregender Stoff" ("substance of very high concern", SVHC) identifiziert werden und mittelfristig vom Markt genommen werden. Ein Anhang XV-Dossier, als erstem Schritt im Zulassungsverfahren, liegt der ECHA seit dem 4. Februar 2013 vor. Dies gilt auch für den Stoff APFO (Ammoniumpentadecafluoroctanoat), der die gleichen Eigenschaften aufweist.

Seit dem 19. Dezember 2012 befinden sich vier perfluorierte Carbonsäuren (C11-14-PFCAs) in der Kandidatenliste der ECHA, da diese vier Stoffe sehr persistent sind und sich in Organismen stark anreichern können (vPvB-Eigenschaften).

Für Bayern gelten aktuell folgende Richtwerte zur Beurteilung

Grundwasser

  • 0,3 µg/l als Geringfügigkeitsschwelle (abgeleitet aus Empfehlung der Trinkwasser- kommission, gilt für die Summe aus PFOS, PFOA und PFHxS)
  • 0,23 µg/l für PFOS als Einzelsubstanz. Dieser Wert resultiert aus der Ableitung einer Umweltqualitätsnorm der EU für PFOS in Oberflächengewässern. Nach bundesweit einheitlichen Bewertungsmaßstäben wird dieser Wert auch auf das Grundwasser übertragen, solange hier aufgrund von humantoxikologischen Kriterien (für die Nutzung als Trinkwasser) kein niedrigerer Wert angesetzt werden muss.

Oberflächengewässer

Für die Bewertung von Oberflächengewässern (Schutz der aquatischen Lebensgemeinschaft) werden die PNECaquatisch-Werte herangezogen (PNEC = Predicted No Effect Concentration, Konzentration bei der nach derzeitigem Kenntnisstand keine nachteiligen Effekte auf Gewässerorganismen auftreten). Da jedoch für die meisten PFC keine oder nur unzureichende Wirkungsdaten für die Ableitung einer PNEC nach dem Gefahrstoffrecht der EU vorliegen, stehen bislang nur folgende Werte zur Verfügung.

  • PFOS 0,05 µg/l
  • PFOA 570 µg/l

Dabei ist zu beachten, dass PNEC-Werte nur für mögliche Beeinträchtigungen aquatischer Lebensgemeinschaften herangezogen werden können, die oft sehr empfindlich reagieren.
Für die Beurteilung z.B. der Badegewässerqualität sind diese Werte nicht geeignet.
Der sehr niedrige Wert für PFOS beruht auf den Untersuchungen des LfU an Regenbogenforellen (vgl. Umweltrelevanz).

Abwasser

Für die Einleitung PFC-haltiger Abwässer in Gewässer enthält die AbwV, abgesehen von allgemeinen einzuhaltenden Mindestanforderungen und Summenparametern, keine konkreten stoffspezifischen Konzentrationswerte. Gemäß § 57 Abs 1 Nr. 2 WHG sind bei Abwassereinleitungen jedoch auch die Anforderungen an Gewässereigenschaften einzuhalten. Deshalb ist der PFC-Eintrag soweit zu begrenzen, dass die prognostizierten PFC-Konzentrationen im Gewässer nach Durchmischung mit dem Abwasser keine Beeinträchtigung der aquatischen Lebensgemeinschaft besorgen lassen, d.h. unterhalb der o.g. PNECaquatisch liegen. Dabei ist nicht nur die Einleitung, sondern ggf. auch eine PFC-Vorbelastung des Gewässers zu berücksichtigen. Ferner sind im Falle möglicher Beeinträchtigung des Grundwassers (z.B. bei erheblicher Infiltration von Oberflächenwasser ins Grundwasser) oder einer Trinkwassernutzung (z.B. bei Verwendung von Uferfiltrat) bei der Begrenzung des PFC-Eintrags in Oberflächengewässer auch die vorläufigen Schwellenwerte für das Grundwasser zu berücksichtigen. Um den "worst case" zu berücksichtigen, ist für die Berechnung der prognostizierten PFC - Konzentrationen im Gewässer in der Regel der mittlere Niedrigwasserabfluss (MNQ) des betroffenen Vorfluters anzusetzen. Bei ausgeprägter Fahnenbildung im Gewässer kann im Einzelfall ein anderer Ansatz, z.B. 1/2 MNQ, für die Berechnung der PFC-Gewässerkonzentrationen gewählt werden. Bei der Einleitung von PFC-haltigem Abwasser in eine kommunale Kläranlage muss dieser indirekte PFC-Eintrag ins Gewässer soweit begrenzt werden, dass auch hier nach Durchmischung mit dem Abwasser die prognostizierten PFC - Gewässerkonzentrationen die PNECaquatisch unterschreiten.

Das LfU hat für eine bayernweit einheitliche Bewertung von PFC-Kontaminationen Bewertungsleitlinien entwickelt.