Gebäuderückbau

Ehemalige Industrieareale sind unweigerlich mit einem ausgedehnten Gebäudebestand - Produktions- und Lagerhallen, Verwaltungsgebäude, Anlagen zur Energieerzeugung etc. verbunden. Beim Flächenrecycling spielt daher nicht nur die Sanierung der Schadstoffe im Untergrund, sondern auch der Rückbau kontaminierter Gebäude eine große Rolle. In vielen Fällen geht die Beseitigung der aufstehenden Bausubstanz mit der Untergrundsanierung Hand in Hand einher - ermöglicht der Abbruch der Gebäude doch erst den Eingriff in den Boden.

In der Vergangenheit wusste man häufig nichts von den Gefahren, die von den eingesetzten Baumaterialien und Bauchemikalien ausgehen können. Die Bewältigung der "Gebäude-Altlasten" ist besonders prägnant bei Bauten, die nach dem 2. Weltkrieg bis in die 90er Jahre erstellt wurden. Dabei sind nicht nur jene Baustoffe zu beachten, denen schon bei der Herstellung Schadstoffe hinzugefügt wurden (primäre Schadstoffe). Währende der Nutzung kommt ein weiteres Schadstoffspektrum, z.B. durch produktionsspezifische Stoffe (nutzungsbedingte Schadstoffe) oder Desinfektions- und Reinigungskampagnen (Kontaminationen aus dem Gebäudeunterhalt) hinzu. Im Gesamtbild kann sich also, insbesondere bei gewerblich und industriell genutzten Gebäuden, ein komplexes Belastungsmuster ergeben.

Typische Beispiele für häufig anzutreffende Gebäudeschadstoffe sind:
  • Asbest (Wellasbestplatten, Flex-Platten, Spritzasbest, Asbestdichtungen)
  • Künstliche Mineralfasern - KMF (Mineralwolle, Akustik-Platten)
  • Polychlorierte Biphenyle - PCB (Kondensatoren. Trafos, Fugendichtungen)
  • Holzschutzmittel (Lindan, alte Produkte "Xyladekor" und "Xylamon", DDT)
  • Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe - PAK (Gussasphalt, Dachbahnen aus Teerpappe)
  • Mineralöle (Maschinenöle, Heizöl)
Waschbetonplatten mit schwarzer, PCB-haltiger FugendichtungBild vergrößern PCB-haltige Fugendichtung

Zunehmend geraten auch die biologisch bedingten Gefährdungen in den Mittelpunkt des Interesses beim Gebäuderückbau. Über längere Zeit leerstehende Gebäude werden insbesondere in den Städten von Tauben als Unterschlupf genutzt. Taubenkot stellt ohne vorherige Reinigung ein potentielles Risiko z.B. durch Salmonellen, Campylobacter-Bakterien oder Taubenzecken dar. Ein weiteres Problemfeld sind Schimmelbeläge.

Kontrollierter Rückbau

Bei einem kontrollierten Rückbau werden zunächst die Gebäude auf Schadstoffe untersucht. In Anlehnung an die Altlastenerkundung unterscheidet man folgende Verfahrensschritte:

  • Recherche der Bau- und Nutzungsgeschichte, Ortsbegehung, Personenbefragung
  • Aufstellung eines Probenahmeplans
  • Technische Erkundung
    • Ersterkundung
    • ggf. Nacherkundung
    • Sanierungsuntersuchung
  • Erstellen des Rückbau- und Entsorgungskonzeptes
Kontrollierter Rückbau eines 7-geschossigen Verwaltungsgebäudes, Bagger mit Longfront und Abbruchzange bei der Baustoffseparierung
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Kontrollierter Rückbau eines Verwaltungsgebäudes

Die schadstoffhaltigen Baustoffe werden vor dem Abbruch oder rückbaubegleitend ausgebaut und getrennt entsorgt. Ziel ist es, durch die weitgehend sortenreine Trennung der Baumaterialien einen möglichst hohen Anteil der Bauabfälle zu verwerten - das spart auch Entsorgungskosten. Ebenso steigt die Planungssicherheit und es verbessert sich der Schutz der Arbeiter und Anwohner durch die vorherige Kenntnis der gefährlichen Gebäudeschadstoffe.

Online-Informationssystem zu Gebäudeschadstoffen

Der Schadstoffratgeber Gebäuderückbau ist ein kostenloses online-Informationssystem des Freistaates Bayern zur Unterstützung des Vollzugs sowie zur Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Abfalltrennung und -entsorgung beim Gebäuderückbau. Er enthält eine Vielzahl an Informationen zu schadstoffhaltigen und auch nicht schadstoffhaltigen Baustoffen. Zu den Kernthemen zählen Materialbeschreibungen, Besonderheiten, Einsatzbereiche, Verwendungszeiträume, Verbote, Schadstoffgehalte und Fotos zur Visualisierung. Es werden Hinweise zur Beprobung und Entsorgung gegeben. Außerdem finden sich Aussagen zum Arbeitsschutz.