Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Vermüllung der Landschaft (Littering) und Möglichkeiten zur Vermeidung

In den Kommunen laufen traditionell vielfältige Aktionen zum Frühjahrs- oder Herbstputz ("Kehraus", "Rammadamma" etc.) von Stadt und Land, Wäldern, Flüssen und Bergen. Diese Aktionen sind für alle von privater Seite Beteiligten – aus Vereinen, Gruppen, Familien etc. – wichtig zur eigenen Bewusstseinsbildung. Wer anderer Leute Müll wegräumt, wird nicht den eigenen Müll auf die gleiche Weise "entsorgen". Mit diesen Aktionen können aber nicht die Verursacher der Vermüllung der Landschaft erreicht werden.

Derzeit scheint das Problem eher größer als kleiner zu werden. Schwerpunkte der Vermüllung finden sich entlang der Wege – Straßen wie auch Wanderwege – auf Park-, Rast- und Grillplätzen, auf größeren und großen Veranstaltungen, neben Inseln zur Wertstoffentsorgung und in den öffentlichen Verkehrsmitteln, überall dort, wo viele Menschen vorbei- oder zusammenkommen. Die Natur und das Ambiente werden offensichtlich von immer mehr Bürgern – unabhängig von Geschlecht oder Klasse – nicht mehr als positiv und damit bewahrenswert wahrgenommen.

Nach der EU-Richtlinie über Abfälle sind unter "Vermeidung" Maßnahmen zu verstehen, die ergriffen werden, bevor ein Stoff, ein Material oder ein Erzeugnis zu Abfall, diesbezüglich zu Müll in der Landschaft, geworden ist, und die dadurch schädliche Auswirkungen von Abfällen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit verringern. Es gilt daher Strategien zu entwickeln, wie Littering vor seiner Entstehung minimiert werden kann. Über Appelle, vor allem aber Maßnahmen kann der Vermüllung entgegengewirkt werden, um nicht nur hinterher räumen zu müssen. Nachfolgend werden hierzu Beispiele aus der Praxis gegeben.

Appelle

  • Denkbar wären gemeinsame Aktionen von kommunaler und staatlicher Seite mit Herstellern, dem Handel, mit Verbänden, Vereinen, Clubs, ggf. auch der Landesverkehrswacht Bayern und Großveranstaltern sowie den Medien.
  • Plakataktionen an den Schulen zum Gesamtproblem "Littering". Dieses Plakat könnte/sollte im Unterricht erarbeitet werden.
  • Plakataktionen an den Straßen in Bereichen besonderer Vermüllung
  • Plakataktionen à la Marcus Sonntag zur Verdeutlichung der Kaugummiproblematik (s. Dokumente)
  • Beschilderung von Containerstandplätzen, Jugendtreffpunkten, Grillplätzen etc. etwa mit "Verlassen Sie diesen Platz/Raum etc. bitte so, wie Sie ihn vorzufinden wünschen."
  • Von Grillplätzen sollte jeder seinen Abfall wieder mit nach Hause nehmen müssen. Hierzu ist vorher lediglich daran zu denken, dass ausreichend große Verpackungsabfall- und Restmüllsäcke mitgenommen werden.
    Nur unter dieser Voraussetzung ist die Benutzung einer Liegewiese, eines Grillplatzes zulässig. Komfortabel wäre ein öffentlicher Müllsackspender.
  • Appellen sollten gelegentlich auch Kontrollen folgen.

Maßnahmen

  • Behandlung des Littering-Problems in den Schulen (s. o. a. Plakat-Anregung und Links)
  • Verfolgung von Vermüllungsdelikten durch Respektspersonen, Geldstrafen plus Verpflichtung zur Teilnahme an Aktionen zur Säuberung vermüllter Bereiche.
    Vergleichbares sollte für "Delikte" im Zusammenhang mit Hundehaufen, Graffiti-Sprayen und Kaugummispucken etc. gelten. Jeder säubert zusätzlich zu einer Geldstrafe eine Zeitlang das, wozu er mit beigetragen hatte.
    Mit der Sprayerszene sollten Kontakte aufgenommen und gehalten werden. Bestimmte Wände (Bauzäune etc.) könnten zur Besprühung zur Verfügung gestellt werden.
  • Beschränkungen oder Verboten müssen auch Kontrollen folgen.
  • Vermüllte Stellen sollten sobald wie möglich gesäubert werden, um nicht neuen Müll "anzuziehen", denn auch schlechte Beispiele machen Schule.
  • Sperrmüll sollte allenfalls zwei Tage vor Abholung rausgestellt werden dürfen.
  • Nicht selten werden unter großem zeitlichen, personellen und energetischen Aufwand (wider den Klimaschutz) Straßen gereinigt, die visuell sauber sind, während andere Straßenstücke sehr unangenehm vermüllt bleiben (getrennte Zuständigkeiten?).
    Hier empfiehlt es sich vor allem in Außenbezirken, nur die Straßenstücke zu reinigen, die wirklich vermüllt sind. Diese Stellen sollten vorher ermittelt werden.
    In Außenbezirken könnten auch Versuche gestartet werden, gegen Vergütung den Bürger bei der Reinigung seines ggf. verunreinigten (hauptsächlich Blätter, Äste und Zweige aus seinem angrenzenden Garten) Straßenabschnitts einzusetzen, um Kapazitäten für wirklich vermüllte Bereiche freizustellen (s. hierzu Nürnberg und Langenfeld/Rheinland).
  • Je entgegenkommender die Abfallsatzung (Zulassung zu kleiner Tonnen zu geringeren Gebühren) desto höher das Risiko, dass der Hausmüll anderweitig, ungeordnet entsorgt wird.
    Unabhängig hiervon können kleine Restmüll- und große Wertstofftonnen Betriebe und den Bürger veranlassen, den Siedlungsabfall besser zu trennen.
  • Eine zu teure Abfuhr des Sperrmülls könnte zur Versuchung führen, diesen in der Landschaft zu entsorgen. Andererseits begünstigt eine teurere Sperrmüllabfuhr die Abfallvermeidung dadurch, dass gut erhaltenes Material eher zur Wiederverwendung weitervermittelt als dem Sperrmüll übergeben wird. Hier müssen optimale Einzelfalllösungen gefunden werden.
  • Prüfung der Frage, ob Fast-food-Restaurants, coffee-to-go-Shops etc. zur Produktverantwortung für Ihre Einwegabfälle verpflichtet werden können, beispielsweise. zu einer erhöhten Anzahl von Abfallbehältern im näheren Umfeld und Übernahme der Kosten, zu personeller oder finanzieller Beteiligung an Anti-Littering-Aktionen im näheren und weiteren Umfeld.
    Bei Eingabe von "Coffee-to-go-Werbetassen aus Porzellan" im Internet erhält man zahlreiche Einträge. So könnte der Kunde jeden Morgen über seine gesäuberte Tasse verfügen, Abfall fiele keiner an.
  • An stark besuchten Grillplätzen bietet sich die Möglichkeit, entsprechend große Müllcontainer mit Einwurföffnungen für Müllbeutel zu installieren. Vielleicht reichte aber auch ein Müllsackspender für die Abfälle, die der Bürger wieder nach Hause mitzunehmen hat.

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