Littering - Vermüllung der Landschaft und deren Vermeidung

In den Kommunen laufen traditionell vielfältige Aktionen zum Frühjahrs- und Herbstputz ("Kehraus", "Rama dama", wie auch immer umgangssprachlich genannt) in Stadt und Land, Wäldern, Gewässern und Bergen. Diese Aktionen sind für alle Beteiligten aus Vereinen, Gruppen und Familien wichtig für die Bewusstseinsbildung. Wer anderer Leute Müll weg räumt, wird den eigenen nicht auf die gleiche Weise entsorgen. Hiermit erreicht man aber nicht die Verursacher einer Vermüllung der Landschaft, die sich eher "endsorgen", also keine Sorgen mehr machen um das, was sie weg werfen.

Weggeworfene Fastfood-Verpackung auf dem Gelände einer Hochschulanlage Bild vergrössern Das tägliche Problem (hier auf dem Gelände einer Hochschulanlage)

Das Problem scheint noch immer größer statt kleiner zu werden, sicher auch wegen der zahllosen "to-go"-Angebote, einwegverpackte Getränke und Speisen mit auf den Weg zu nehmen. Schwerpunkte der Vermüllung finden sich entlang der Wege, Straßen wie auch Wanderwege, auf Park-, Rast- und Grillplätzen, auf Großveranstaltungen, an Wertstoff-Inseln und in öffentlichen Verkehrsmitteln, überall dort, wo viele Menschen vorbei- oder zusammenkommen. Natur und Ambiente werden nicht mehr von allen als grundlegend positiv und damit nur bedingt als erhaltenswert wahrgenommen. Verantwortung wird abgeschoben. Hinzu kommt Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Eigentum (Graffitis, Schmierereien) oder Gemeinschaftsbesitz, so im Falle festgetretener Kaugummis auf Straße und Pflaster (unschön, dauerhaft und für die Kommunen äußerst kostspielig zu entfernen).

Hinweisschild an Straße, wer Dreck macht zahlt Bild vergrössern Wer Dreck macht, zahlt! Mindestens 150 €

"Vermeidung" ist jede Maßnahme, die ergriffen wird, bevor etwas zu Abfall, hier zu Müll in der Landschaft, geworden ist, und die dazu dient, die Abfallmenge und schädliche Auswirkungen hieraus auf Mensch und Umwelt zu verringern. Dazu zählt die "Wiederverwendung" von Behältnissen oder ein Konsumverhalten, das auf abfallarme Produkte sowie Mehrwegverpackungen gerichtet ist. So gilt es, Strategien zu entwickeln, um dem Littering vorzubeugen. Aufklärung und adäquate Maßnahmen sollen und können einer Vermüllung entgegen wirken, bevor sie stattfindet, damit man im Nachhinein nicht „rama“/ räumen und säubern muss. Das kann dann auch in kommunale Abfallvermeidungskonzepte aufgenommen werden. Nachfolgend werden Beispiele für ein Vorbeugen aus der Praxis gegeben.

Das beste Beispiel für ein diesbezüglich vorbildliches Verhalten seiner Bürger ist Lettland. Den Letten ist ihr Boden heilig, deshalb wird dort nicht "gelittert". Wer sein Land liebt, vermüllt es nicht.

Gedanken

  • Gemeinsame Aktionen von kommunaler und staatlicher Seite mit Herstellern, Handel, Verbänden, Vereinen oder Clubs, auch der Landesverkehrswacht Bayern und Großveranstaltern sowie den Medien.
  • Posteraktionen an Schulen zum Gesamtproblem "Littering"; das Poster könnte im Unterricht erarbeitet werden.
  • Wiederholte kommunale Werbeaktionen zur Reduzierung von Kaugummis, Zigarettenkippen und Hundehaufen (kleiner Aufwand statt großer Folgen):
    • Kaugummifreunde könnten ihren Gummi nach dem Genuss in die aufbewahrte Verpackung wickeln und in Abfallkörbe werfen.
    • Raucher sollten ihre ausgedrückten Kippen und leeren Schachteln in die dafür vorgesehenen Abfallkörbe geben, anstatt sie auf Straße, Gleise oder den Rasen zu schnippen.
      Sie könnten sich aber auch mit einer Blechdose ausstatten, in der sie die Kippen mit nach Hause nehmen, um sie dort zu entsorgen.
    • Herrchen und Frauchen sollten für die Hinterlassenschaften ihres Hundes entsprechende Tütchen mit sich führen und könnten diese dann ebenso in die Abfallkörbe werfen oder beim "Gassi gehen" auch mit nach Hause nehmen und dort entsorgen.
  • Plakataktionen à la Marcus Sonntag zur Verdeutlichung der Kaugummiproblematik in Fußgängerzonen (s. Link zur Diplomarbeit).
  • Beschilderung von Containerstandplätzen, Jugendtreffpunkten, Grillplätzen etc. etwa mit "Verlasst den Platz bitte so, wie ihr ihn vorzufinden wünscht."

Maßnahmen

  • Die Einheit "Mensch, Natur und Umwelt" einschließlich einer sauberen Landschaft sollte schon im Kindergarten vermittelt werden.
  • Behandlung des Littering in Schulen (s. oben genannte Poster-Anregung und Links) als lokales und globales Problem.
  • Voraussetzungen für die Benutzung von Liegewiesen oder Grillplätzen: Bei Picknicks im Grünen oder auf Grillplätzen ist jeder für seinen Abfall verantwortlich. Dieser sollte wieder nach Hause, denn die aufgestellten Abfallkörbe reichen hierfür nicht aus. Säcke für Verpackung und für Restmüll sind mitzubringen. Das sollte helfen, auf Einweg-Verpackungen zu verzichten. Komfortabel wäre ein öffentlicher Müllsackspender.
  • An stark besuchten Grillplätzen könnten alternativ entsprechend große Müllcontainer mit Einwurf-Öffnungen für Müllbeutel installiert werden.
  • Kontrollen unterstützen das Einhalten der Regeln.
  • Verfolgung von "Vermüllungsdelikten": Das Ausmaß eines Delikts oder mehrere Verwarnungen sollten zu einer Geldstrafe plus Verpflichtung zur Teilnahme an Aktionen der Säuberung vermüllter Bereiche führen.
    Gleiches gilt für "Delikte" wie Hundehaufen, Graffitis und Kaugummispucken etc.. Jeder säubert eine Zeitlang das, wozu er selber beigetragen hatte.
    Mit der Sprayer-Szene sollten Kontakte aufgenommen und gehalten werden. Ihr könnten bestimmte Wände (Bauzäune, ansonsten triste Unterführungen etc.) zur Besprühung angeboten werden.
  • Vermüllte Stellen sollten so rasch wie möglich gesäubert werden, damit sie nicht neuen Müll "anziehen", denn auch schlechte Beispiele machen Schule.
    Maßnahmen wie eine immer wieder auf Schwerpunkte ausgerichtete, nicht nur routinemäßig ablaufende Stadtreinigung, die Zusammenlegung von Zuständigkeiten einer innerstädtischen Reinigung von Orts-, Kreis- und Bundesstraßen, Grünstreifen, Ausfahrten von Schnellstraßen etc.) und eine Entlastung der Stadtreinigung durch teilweise Redelegierung auf den Bürger in reinen, grünen Wohnvierteln bei Gebührenentlastung (z. B. Reinigen von auf die Straße gewehten Zweigen und Blättern aus den Gärten) könnten hier helfen (s. Links zu Maßnahmen in Nürnberg und Langenfeld/Rheinland). Dann stünden genügend Kräfte für die Schwerpunktreinigung zur Verfügung.
  • Sperrmüll sollte maximal zwei Tage vor Abholung bereitgestellt werden dürfen.
  • Zu große Restmülltonnen verführen zu mangelhafter Trennung der Abfälle, zu kleine aber zu einer Verlagerung der Entsorgung.
  • Eine zu teure Abfuhr des Sperrmülls kann dazu verleiten, diesen sonst wo zu "littern". Andererseits unterstützen teurere Sperrmüllabfuhren die Abfallvermeidung, weil gut Erhaltenes dann eher der Wiederverwendung als dem Sperrmüll zugeführt wird. Hier müssen jeweils passende, lokal ausgewogene Einzelfalllösungen gefunden werden.
  • Zu lange Wege insbesondere in ländlichen Gegenden können dazu führen, dass Grüngut oder Bauschutt nicht den Sammelstellen zugeführt, sondern gelittert wird.
  • Es wäre zu prüfen, ob nicht "take-away-Restaurants" oder "coffee-to-go-Shops" zur Produktverantwortung für deren Einwegabfälle verpflichtet werden können, wie auch zu personeller oder finanzieller Beteiligung an Anti-Littering-Aktionen im näheren und weiteren Umfeld.
  • "Coffee-to-go-Tassen aus Porzellan" oder "Thermotassen" der Dauerkunden könnten es ermöglichen, auf Einwegbecher zu verzichten. Es gibt keine Hygienevorschriften, die das grundsätzlich verbieten würden. Hier gilt es jedoch, von Seiten des Kunden wie des Geschäfts, hygienische Grundregeln einzuhalten. Selbstverständlich ist, dass nur saubere Tassen angenommen werden. Es gibt daher Kaffeegeschäfte, die das Befüllen privater Tassen zulassen, ja sogar belohnen, und andere, die sich darauf nicht einlassen wollen. Im Übrigen könnten die Tassen den Coffee-to-go-Shops als Werbeträger dienen.
  • Zur Zulassung von "Coffee-to-go-stay"-Einwegbechern fällt einem so gar nichts mehr ein.
  • Auf Volksfesten oder Weihnachtsmärkten werden in der Regel Pfandtassen aus Steingut mit dem Emblem des Festes statt Einwegtassen ausgegeben.

Weiterführende Informationen

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