Secondhand: Gebrauchte Kleidung und mehr,
Weitervermittlung mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit

Karitativ-gemeinnützige Organisationen (KGOs) widmen sich der Vermittlung gebrauchter Bekleidung (Kleider, Schuhe etc.): Annahme (Kleiderkammern, Sozialkaufhäuser etc.), Sammlung (Kleidercontainer, Straßensammlung), ggf. auch der Sortierung der Bekleidung aus den Containern und Weitervermittlung noch tragbarer Kleidung zur Wiederverwendung bzw. nicht mehr tragbarer Bekleidung an Recyclingfirmen zur Aufbereitung als Material zur Rückführung in den Produktionskreislauf. Die Weitervermittlung qualitativ hochwertiger Secondhand-Bekleidung oder sonstiger gebrauchter Waren ermöglicht auch denjenigen mit weniger Mitteln – z.B. jungen Familien und vielen anderen mehr – an einem Konsum light teilzuhaben, der ihnen sonst verwehrt wäre. Sowohl die Wiederverwendung als auch für das Recycling aussortierte Altkleider helfen, Primärressourcen zu schonen.

Um die Weitergabe gut erhaltener und gewaschener Secondhand-Bekleidung an KGOs zu erleichtern, hat das Bayerische Landesamt für Umwelt die hieran interessierten Kaufhäuser, Läden und Kammern in den kreisfreien Städten Bayerns in einer Liste zusammengestellt:

Saubere Bekleidung kann auch über Kleidercontainer oder Straßensammlungen weiter gegeben werden, vor allem dann, wenn es sich bei den Organisatoren um KGOs handelt. Es ist jedoch oft nicht zu durchschauen, wer für die Sammlung verantwortlich ist. Vielfach mieten gewerbliche Sammler Namen und Logo einer KGO gegen einen Pauschalbetrag, um so einen karitativen Eindruck zu erwecken. Deshalb sollte man sich Sammelaufrufe und Hinweise auf den Containern genau ansehen. Wenn keine vollständige Adresse angegeben ist, sondern nur Telefon- oder Handynummern, unter denen dann niemand zu erreichen ist, oder Hilfsorganisationen aus weit entfernten Regionen genannt werden, ist Vorsicht angebracht.



Das Logo des Dachverbands FairWertung e.V.

Das Zeichen des Dachverbands FairWertung e.V. hat sich als Orientierungshilfe für seriöse Sammelorganisationen bewährt. Es wird von Verbraucherzentralen, der Stiftung Warentest und auch vom Bayerischen Landesamt für Umwelt empfohlen. FairWertung ist unter nachfolgender Adresse erreichbar und hilft gerne bei der Prüfung auf Seriosität der Sammler, Abnehmer und Sortierbetriebe von "Originalsammelware".

Bei der Container- oder Straßensammlung wird die Kleidung – anonym in Tüten verpackt – rein rechtlich gesehen zunächst einmal zu „Abfall zur Verwertung“. Die Sortierung in wieder tragbare Secondhand-Kleidung führt zu neuer Ware (Abfallvermeidung durch „Vorbereitung zur Wiederverwendung“ gem. EU-Richtlinie über Abfälle, neues Kreislaufwirtschaftsgesetz). Deshalb unterliegt die Originalsammelware vor allem beim Export nach Osteuropa und Übersee im Einzelnen besonderen Deklarationspflichten, deren Einhaltung soweit möglich von den bayerischen Bezirksregierungen in Zusammenarbeit mit Polizei, Zoll und BAG Bundesamt für Güterverkehr überprüft wird. Nicht selten müssen Transporte wieder zurückgeschickt werden, weil im Zielland letztlich keine für Mensch und Umwelt verträgliche Entsorgung gewährleistet werden kann.

Europäische Sortierfachbetriebe arbeiten in der Regel sehr effizient. Sie sortieren aus der Originalsammelware bis zu 50 % als Secondhand-Bekleidung aus, die in Deutschland, im sonstigen Mittel- und in Osteuropa, in Afrika und Asien wieder getragen werden kann. Mit diesen Sorten lässt sich Geld verdienen. Bis zu 40 % der Bekleidung können noch dem Recycling zugeführt werden, zur Herstellung von Putzlappen, als gerissene Baumwolle zur Fertigung von Dämmstoffen bzw. bei Wolle zur Herstellung neuer Wollschals, zur erneuten Verwendung von Knöpfen, zur Verwertung der Metalle etc.). Etwa 6 % der Gesamttextilien eignen sich noch für eine energetische Verwertung, 4 % sind Restmüll. Letzterer wird in Bayern zu 98 % verbrannt, um auch hieraus noch Energie gewinnen zu können und kaum mehr etwas ablagern zu müssen. Für Abfälle zur Verwertung (Recycling, energetische Verwertung) und zur Beseitigung müssen die Sortierbetriebe in der Regel mal mehr mal weniger bezahlen. Eine so hochwertige Nutzung ist in anderen Ländern selten Standard.

Sortieranlage Bild vergrössern Sortierung von gebrauchter Kleidung am Beispiel der Firma Striebel Textil GmbH

Sortierte, tragbare Kleidung europäischer Sortierfachbetriebe und Überschüsse aus den Kleiderkammern und Sozialkaufhäusern etc. gehen ebenfalls den Weg ins Ausland, aber ohne den sonst mit enthaltenen Abfall. Dass Exporte sortierter Kleider z. B. nach Afrika keineswegs die Quelle allen Übels sind, dokumentiert das „Dialogprogramm Afrika“ von FairWertung. Im Übrigen muss sich auch Afrika der Globalisierung stellen und tut dieses, indem es sich für den Import sauberer Gebrauchtkleider entscheidet. Afrikanische Stoffe und Mode werden heute vorwiegend aus gebrauchten Stoffen wie Baumwolle angefertigt, die Näher/innen aus Gebrauchtkleiderimporten herstellen.