Vorbereitung zur Wiederverwendung

Eine "Vorbereitung zur Wiederverwendung" führt anteilig auch zu Wieder- und Weiter-Verwendung. So wird die Lebensdauer von letztlich als Abfall vermiedenen Erzeugnissen oder deren Bestandteilen verlängert. Hier wird nach Abfall- bzw. Entledigungsdefinition in Fällen wie der anonymen Sammlung von Kleidern im Container (in unterschiedlicher Qualität in Tüten verpackt), Sperrmüll, Handys etc. auch für manches gut erhaltene, funktionsfähige Stück zunächst die Grenze zum Abfall überschritten, bis es über eine Sortierung wieder als bewahrenswert erfasst werden kann.

Eine große süddeutsche Textilsortierfirma führt 50% ihrer Alttextilien der Wiederverwendung als tragbare Kleidung zu (für Deutschland, Osteuropa, Afrika und Pakistan) und 40% dem Recycling (Reißen von Baumwolltextilien zur Dämmstoffherstellung, zur Fertigung neuer Schals aus Gebrauchtwollprodukten etc.), 6% gehen in die energetische Verwertung und 4% zum Restmüll. Damit kann die Hälfte der erfassten Kleider als Abfall vermieden werden, in Folge einer Maßnahme der Vorbereitung zur Wiederverwendung (Prüfung, Sortierung).

Die Bewahrung und Wiederherstellung der Produkteigenschaften von Bestandteilen durch deren Aufarbeitung kann zur erneuten Verwendung (nach VDI-Richtlinie 2243) beitragen.

Beispiele

Aufarbeitung von Motoren, Generalüberholung von Anlagen, Stahlbetonständer eines Gebäudes oder die Fassade (Entkernung) bleiben erhalten, Lkw-Reifen erhalten ein neues Profil (Runderneuerung). In jedem dieser Fälle wird das Erhaltene durch eine Art Reparatur zur Wiederverwendung vorbereitet und letztlich als Abfall vermieden. Bestandteile werden nicht immer nur für den ursprünglichen Zweck verwendet (siehe Weiterverwendung, auch in Form von Kunstobjekten). Nur das nicht in seiner Produktgestalt Erhaltenswerte sollte rezykliert werden, und das dann möglichst hochwertig auf gleicher Produktstufe.

Verwendung des Stahlbetonständers eines ehemaligen Kasernengebäudes für ein Heim gehobenen betreuten Wohnens in Augsburg

Das gilt anteilig auch für die Demontage, die nach VDI-Richtlinie folgendermaßen definiert ist:

Demontage: Auflösen eines Produktes in seine Bestandteile, wobei die Gestalt der Einzelteile im Wesentlichen erhalten bleibt.
Es ist eine Art Prüfung, welche Bestandteile erhaltenswert sind und, ob hierfür die in § 5 Ende der Abfalleigenschaft KrWG genannten Bedingungen erfüllt sind.
Beispiele: Altfahrzeugdemontage > Verkauf einzelner Bau- bzw. Bestandteile (Türen, Spiegel, Scheiben, Hauben, Motoren etc.) über den Ersatz-/Gebrauchtteilehandel; Herstellung neuer Möbel aus Möbelbestandteilen, "aus zwei mach eins" bei Fahrrädern, Kunstobjekte aus Altwaren.

Erzeugnisse oder Bestandteile von Erzeugnissen sind vor der Aufarbeitung oder Demontage zunächst zu Abfällen geworden (mit der Kfz-Brief-Abgabe, ggf. der Abrissgenehmigung, der Aufgabe stehengelassener kaputter Fahrräder etc.). Hierbei werden die vor Auflösung der Produktgestalt (Verwertung) bewahrten Bestandteile zur Wiederverwendung vorbereitet und damit letztlich als Abfall vermieden.

Fazit

Die Prüfung, Reinigung oder Reparatur sind nicht immer echte Verfahren zur Verwertung (gemäß Anlage 2 KrWG). Der ursprüngliche Verwendungszweck muss nicht unbedingt wieder erreicht werden (> Weiterverwendung). Entscheidend für eine Zuordnung zur Vermeidung oder zur Verwertung ist, ob die Produktgestalt im Ganzen oder anteilig bewahrt oder aufgelöst wird. Der Entledigungswille und eine "Entsorgung" als gemischten Abfall (Kleidersammlung, gut erhaltenes Gebrauchtmobiliar im Sperrmüll) führen dazu, dass ein Gegenstand oder sein Bestandteil (vorübergehend) als Abfall zu betrachten ist. Eine Auslese oder Sortierung, eine Aufarbeitung oder Demontage müssen aber stattfinden, um die Abfalleigenschaft von Erzeugnissen oder Bestandteilen von Erzeugnissen wieder beenden zu können.
Die neue Kategorie "Vorbereitung zur Wiederverwendung" ermöglicht es jetzt, die bislang bestehende Verknüpfung zwischen Abfallentstehung und Verwertung zu lösen und auch zwischenzeitig entstandene Abfälle durch vorbereitende Maßnahmen, geordnet und für Mensch und Umwelt verträglich als Abfall zu vermeiden. Entscheidend ist nicht mehr die Abfalleigenschaft, sondern ob und wieviel Abfall letztendlich zu vermeiden ist. Derart zur Wiederverwendung vorbereitete Abfälle sollten auch als vermieden bilanziert werden.

Die neue Kategorie "Vorbereitung zur Wiederverwendung" ermöglicht es jetzt, die bislang bestehende Verknüpfung zwischen Abfallentstehung und Verwertung zu lösen und auch zwischenzeitig entstandene Abfälle durch vorbereitende Maßnahmen, geordnet und für Mensch und Umwelt verträglich als Abfall zu vermeiden. Entscheidend ist nicht mehr die Abfalleigenschaft, sondern ob und wie viel Abfall letztendlich zu vermeiden ist.

Definitionen der Verwertung / des Recyclings zum Vergleich

Die Definition des Recyclings in § 3 Abs. 25 KrWG deckt sich im Wesentlichen mit dem Begriff "Aufbereitung" in der VDI-Richtlinie 2243 (die Beispiele stammen vom LfU):

Aufbereitung: Vorbereitung von Stoffströmen zur Verwertung in der Form, dass die Produktgestalt aufgelöst wird

Beispiele: Aufbereitung von Baureststoffen, Granulieren von Mono-Kunststofffraktionen vor dem Einschmelzen, Sortierung und Einschmelzen von Metallen, Schreddern eines Kraftfahrzeuges, Regenerierung von Lösemitteln, Säuren, Laugen, Ölen etc.

Wiederverwertung: Erneute Nutzung in derselben Funktion nach Auflösung der Produktgestalt

Beispiele: Glas aus rezykliertem Altglas, Einsatz selektiv rückgebauter Baustoffe auf gleicher Produktstufe im Neubau, PET-Flaschen werden wieder PET-Flaschen

Weiterverwertung: Erneute Nutzung in anderer Funktion nach Auflösung der Produktgestalt

Beispiele: Herstellung von Lärmschutzwänden, Parkbänken oder Mobilschilderfüßen etc. aus gemischten Altkunststoffen, Vliespullis aus dem PET der Flaschen

Kunststoffrecyclingprodukte: Mobilschilderfuß aus schwarz eingefärbtem Mischkunststoff, Augsburg, Pflanzgefäß mit Untersatz aus PE-Materialien verschiedener Farben, Mexiko